Studiengebühren Zur Kasse bitte!


Jetzt wird es teuer: Als zweites Land nach Baden-Württemberg bittet Niedersachsen Bummelstudenten zur Kasse. 500 Euro pro Semester sind von diesem Frühjahr an für jene fällig, die die Regelstudienzeit um mehr als vier Semester überschreiten.

Die Einnahmen dienen nach Darstellung von Noch-Wissenschaftsminister Thomas Oppermann nicht der Sanierung des Landeshaushaltes. "Diese Gebühr ist eine Lenkungsgebühr. Sie will kürzere Studienzeiten erreichen", sagt der SPD-Politiker, der wegen des Regierungswechsels demnächst aus dem Amt scheidet.

Beschlossen hat der Landtag die Gebühren bereits Ende 2001 - gegen die Stimmen von CDU und Grünen. Heidemarie Mundlos (CDU) monierte seinerzeit, dass solche Gebühren keinen Sinn machten, so lange die Ausstattung der Hochschulen mangelhaft und ein zügiges Studium gar nicht möglich sei. Michel Golibrzuch von den Grünen nannte den Minister einen "Gebühren-Fetischisten". Hauptbetroffene seien nicht Bummelstudenten. "Ihre Langzeitgebühren treffen in erster Linie Studierende, die gezwungen sind, sich ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen."

Guthaben für Gratis-Studium

Oppermann argumentiert anders. Bei einer Regelstudienzeit von acht bis zehn Semestern sowie vier zusätzlichen Semestern, erhielten die Studierenden ein "Guthaben" von zwölf bis vierzehn Semestern für ein Gratis-Studium. "Das ist ein außerordentlich großzügiges Angebot."

Unklar ist, wie vielen Studierenden dieses Angebot ausreichen wird und wie viele zahlen werden. Die jüngste landesweite Statistik liegt für das Wintersemester 2001/2002 vor. Damals wären laut Ministerium rund 33.000 der mehr als 135.000 Studierenden in Niedersachsen zahlungspflichtig gewesen. Fast 11.500 von ihnen hatten schon 20 und mehr Semester auf dem Buckel. Die Universität Hannover hat jetzt 6394 ihrer rund 27.000 Studierenden einen Gebührenbescheid geschickt. Bis zum Ablauf der Zahlungsfrist Anfang Februar haben nur 1.043 die 500 Euro überwiesen.

Auch Oppermann geht davon aus, dass viele Studenten, die über dem Semester-Limit liegen und gar nicht mehr ernsthaft studieren, die Universität jetzt lieber verlassen werden. "Es lässt sich nicht sagen, wer bleibt und bezahlt."

Gebühren kommen den Hochschulen zugute

In Baden-Württemberg, wo der Landtag schon 1997 dasselbe Modell wie das niedersächsische beschlossen hat, blieb nur jeder Zweite. Bis zum Jahr 2000 ging die Zahl der Langzeitstudenten nach Angaben des Wissenschaftsministeriums in Stuttgart um 44 Prozent auf rund 21.000 zurück. "Wir haben sehr positive Erfahrungen gemacht - hinsichtlich des Rückganges der Langzeitstudenten und auch hinsichtlich des Gebührenaufkommens", sagt Ministeriumssprecher Gunter Schanz. Bis Ende 2002 hätten die Gebühren rund 44 Millionen Euro eingebracht, die voll an die Universitäten zur Verbesserung der Studienbedingungen geflossen seien.

In Niedersachsen hat die alte SPD-Landesregierung für 2003 im Etat Einnahmen von 15 Millionen Euro einberechnet. Davon sollen fünf den Hochschulen zugute kommen. Auf die neue CDU/FDP-Regierung können die Bummelanten nicht setzen. Sie wird voraussichtlich an den Gebühren festhalten. Bleibt als einzige Hoffnung die "Volksinitiative für ein gebührenfreies Studium und Teilzeitstudium", die im Januar aktiv geworden ist. Sie muss jedoch binnen Jahresfrist erst einmal 70.000 Unterschriften sammeln, bevor ihr Anliegen vor den Landtag kommt.


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