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Teure Lebensmittel: Discounter setzen Preise rauf

Seit Jahren tobt unter den Discountern ein harter Preiskampf, jetzt nimmt Aldi den Druck vom Kessel - und erhöht die Preise. Für Verbraucher besonders bitter: Auch die Konkurrenz wie Edeka, Rewe, Tengelmann und Lidl will dem Aldi-Beispiel folgen.

Ausgerechnet Aldi, Deutschlands Discounter Nummer eins, ist bei den erneuten Preiserhöhungen der Trendsetter: In dieser Woche erhöhte der Marktführer die Preise von 25 Produkten, wie Aldi Süd der AP bestätigte. Gleichzeitig kündigte der Discounter weitere Preiserhöhungen für die nächsten Monate an: Angesichts der gestiegenen Rohstoff- und Energiekosten sei die Verteuerung "unvermeidbar". Mit seiner Preisoffensive gibt der Marktführer den Startschuss für eine Verteuerung auf breiter Front.

Rewe zieht als erster Konkurrent nach

Deutschlands zweitgrößter Lebensmittelhändler Rewe kündigte bereits an, er werde dem Aldi-Beispiel folgen und auch Kaiser's Tengelmann plant angesichts der gestiegenen Beschaffungskosten Preisanpassungen. Lediglich der große Aldi-Konkurrent Lidl wollte sich nicht in die Karten schauen lassen und lehnte eine Stellungnahme zu seiner Preispolitik ab. Doch Real-Sprecher Albrecht von Truchseß meinte, der Anstieg der Rohstoffpreise werde sich im gesamten Handel auswirken.

Und die Konkurrenz gibt ihm recht. "Wir sind froh, dass Aldi den Druck aus dem Kessel gelassen hat. Die Einkaufspreise galoppieren davon. Da können die Verkaufspreise nicht stillstehen", heißt es bei einer anderen deutschen Handelskette. Ohne Aldi gehe nichts, schließlich gelte noch immer das Gesetz: "Aldi ist der Preisführer und alle haben sich danach zu richten." Es sind die explodierenden Preise bei Milch und Getreide, sowie die gestiegenen Energiepreise, die derzeit für die Verteuerung zahlreicher Produkte vom Jogurt bis zum Schoko-Weihnachtsmann verantwortlich sind. Durchaus umstritten ist allerdings, welche Ausmaße die Preiswelle letztlich annehmen wird.

Edeka will hart mit Lieferanten verhandeln

Die "Lebensmittel Zeitung" berichtete am Freitag, nach Schätzungen aus Industriekreisen werde Aldi bei bis zu 380 Produkten den Preis anheben. Das wäre fast die Hälfte des Sortiments. Der Discounter selbst bestritt das jedoch entschieden. "Die Größenordnung ist rein spekulativer Natur und entspricht in keiner Weise unseren Prognosen", betonte das Unternehmen.

Und auch Edeka-Sprecherin Marliese Kalthoff machte den Verbrauchern Mut. Zwar lägen Deutschlands größtem Lebensmittelhändler viele Preiserhöhungsforderungen der Industrie vor. "Aber welche Preiserhöhungen auch wirklich umgesetzt werden, ist letztlich ein Ergebnis der harten Verhandlungen zwischen Handel und Industrie", meinte sie. So manche von den Lebensmittelkonzernen geforderte Preiserhöhung habe nichts mit den Rohstoffpreisen zu tun. Hier werde man hart verhandeln. Allerdings: wenn es substanzielle Gründe für Preiserhöhungen gebe, werde wohl auch Edeka nicht daran vorbeikommen, sie zum zumindest teilweise an die Kunden weiterzugeben.

Trost: Deutsche Preise sind die niedrigsten Europas

Ein Trost: Trotz der jüngsten Preiserhöhungen gehören die Lebensmittelpreise in Deutschland noch immer zu den niedrigsten in Europa. Daran dürfte sich nach Einschätzung der Experten wohl so schnell auch nichts ändern. "Die Lebensmittel werden auch in Zukunft nicht zum Preistreiber werden", prognostiziert etwa Rewe-Sprecher Andreas Krämer. Zumindest ein Teil der derzeitigen Preiswelle sei auch auf schlechte Ernten zurückzuführen. Und wenn sich das Angebot wieder normalisiere, werde der Wettbewerb schon dazu führe, das die Preise sich auch wieder nach unten bewegten. Aldi zumindest hat das versprochen: In ganzseitigen Zeitungsanzeigen gelobte der Discounter seinen Kunden, er verdiene nicht an den derzeitigen Preiserhöhungen und werde sie zurücknehmen, sobald es die Beschaffungspreise zuließen.

AP / AP

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