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Von der Kur zur Gehhilfe: Hier müssen Sie zuzahlen

Eine Versorgung auf hohem Niveau, aber zu einem möglichst billigen Tarif? Das war gestern. Die Deutschen werden künftig für ihre Gesundheit mehr Geld ausgeben müssen. Für viele Leistungen sind jetzt schon Zuzahlungen fällig.

Im Augenblick tobt wieder politischer Streit darüber, wie viel Zuzahlungen aus eigener Tasche den Versicherten, etwa beim Kauf von Arzneimitteln, zugemutet werden können. Klar ist aber: Die Deutschen werden künftig für ihre Gesundheit mehr Geld ausgeben müssen. Die Menschen werden immer älter, mahnen Gesundheitsexperten. Gleichzeitig wird auch die Medizintechnik immer besser - aber damit auch kostspieliger. "Wer medizinischen Fortschritt will, muss akzeptieren, dass das Geld kostet", ärgerte sich vor wenigen Tagen der Chef der Techniker Krankenkasse, Norbert Klusen in einem Interview.

Viele Menschen wollten die Vorteile einer Gesundheitsversorgung auf höchstem Niveau gerne in Anspruch nehmen, glaubten aber, dass das auch zu einem billigeren Tarif gehe. Andere Kassenchefs beklagen eine Art Vollversorger-Mentalität. Die Möglichkeit, über die Teilnahme an Bonus-Programmen oder Selbstbehalte die Beitragskosten selbst zu beeinflussen, werde noch zu wenig genutzt. Aber auch ohne solche Programme, müssen die Versicherten schon bei einer ganzen Reihe von Leistungen zuzahlen.

Medikamente

Im Augenblick muss jeder Kassenpatient beim Gang in die Apotheke zehn Prozent des Medikamentenpreises, mindestens aber fünf und maximal zehn Euro berappen. Frei verkäufliche Arzneimittel, also Medikamente, für die kein Rezept erforderlich ist, wie Nasensprays oder viele Grippemittel, übernimmt die Kasse gar nicht mehr. Für bestimmte Patientengruppen gibt es allerdings besondere Härtefallregelungen.

Prinzipiell darf der Eigenanteil für Arzneien zwei Prozent des jährlichen Brutto-Einkommens nicht überschreiten. In die Zumutbarkeits-Rechnung fließen alle Zuzahlungen, also auch Ausgaben für Pflege, Rehabilitation oder Klinikaufenthalte ein. Wer diese Grenze überschreitet, kann sich von weiteren Zuzahlungen befreien lassen.

Eine eigene Regelung soll außerdem chronisch Kranke schützen. Ab einer Grenze von einem Prozent des Brutto-Einkommens ist für sie mit weiteren Eigenleistungen im Arzneimittelbereich Schluss.

Durch das für April geplante Arzneimittelversorgung-Wirtschaftlichkeitsgesetz werden einige Medikamente sehr wahrscheinlich auch für Kassenpatienten teurer werden. Auf Interesse stößt deshalb in letzter Zeit ein Vorschlag der Betriebskrankenkassen (BKK). Danach soll die bisherige Mindestgrenze von fünf Euro entfallen, wenn sich die Patienten selbst für ein besonders günstiges Medikament entscheiden. Wer beim Arzt auf ein billigeres Mittel drängt, würde nach dieser Regelung in der Apotheke nur noch zwei oder drei statt bisher fünf Euro zuzahlen müssen. Allerdings muss der Preis des gewählten Präparats deutlich (etwa 30 Prozent) unter dem jeweiligen Festbetrag liegen, damit sich die Sache rechnet.

Die BKK kalkulieren mit ihrer Sparvariante Minderbelastungen für Patienten von 600 Millionen Euro. Das BKK-Modell bekam zuletzt viel Lob, unter anderem vom SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach. Es gibt aber auch Kritik: Der Marktanteil der besonders billigen Präparate sei zu gering, um einen nennenswerten Spareffekt zu ermöglichen, heißt es. Außerdem fehle gerade den Patienten, die besonders viele Medikamente brauchen, wie etwa chronisch Kranken, jeglicher Anreiz, sich an dem Sparmodell zu beteiligen. Schließlich sind sie durch Härtefallregelungen übers Jahr gesehen von Zuzahlungen ohnehin befreit.

Krankenhausaufenthalte

Für maximal 28 Tage wird eine Zuzahlung von zehn Euro pro Tag fällig. Unter diese Regel fallen übrigens auch stationäre Vorsorgemaßnahmen, ebenso wie ambulante und stationäre Rehabilitationsbehandlungen oder Mütterkuren.

Hilfsmittel

Von orthopädischen Einlagen bis zum Rollstuhl gilt: Der Patient übernimmt zehn Prozent des Abgabepreises, mindestens fünf Euro (falls das Hilfsmittel nicht weniger kostet), höchstens aber zehn Euro.

Arznei- und Verbandmittel

Zehn Prozent des Abgabepreises, mindesten fünf Euro und höchstens zehn Euro.

Heilmittel (Massagen oder Krankengymnastik)

Zehn Prozent der Kosten sowie zehn Euro je Verordnung.

Häusliche Krankenpflege

Zehn Prozent der Kosten, begrenzt auf 28 Tage sowie zehn Euro je Verordnung.

Haushaltshilfe

Zehn Prozent der häuslichen Kosten, mindestens fünf Euro und höchstens zehn Euro für jeden Tag, an dem die Haushaltshilfe in Anspruch genommen wurde.

Fahrtkosten zur stationären Behandlung

(für Rettungsfahrten ins Krankenhaus oder für Krankenwagentransporte) Zehn Prozent der Kosten pro Fahrt, mindestens fünf Euro und höchstens zehn Euro.

Fahrten zur ambulanten Behandlung

(mit öffentlichen Verkehrsmitteln, PKW oder Taxi) Werden nur noch in Ausnahmefällen und nach Genehmigung gewährt.

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