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Weihnachtsgeschäft: Oh Tannenbaum, oh teurer Baum

Wer dieses Jahr seine Geschenke unter einem Christbaum auspacken will, muss tiefer in die Tasche greifen: Weihnachtsbäume werden deutlich teurer. Experten raten deshalb zu einem Ausflug aufs Land.

Knauser haben es an Weihnachten schwer: Nicht nur die Geschenke, die die lieben Kinder unter dem geschmückten Baum erwarten, werden immer teurer. Auch für den Weihnachtsbaum selber müssen die Feiernden vor diesem Fest mehr bezahlen als im vergangenen Jahr. 70 Prozent der rund 24 Millionen in Deutschland aufgestellten Christbäume kommen aus heimischen Forstbetrieben vor allem im Sauerland und in Schleswig-Holstein. Und dort rechnen Züchter mit fünf bis zehn Prozent höheren Preisen, je nach Qualität und Verkaufsstandort. Mit "mindestens einem Euro pro Meter" beziffert Züchter Ralf Gockel aus Bestwig die Steigerung.

Züchter brauchen Geduld

Das hat vor allem zwei Gründe: Die Bäume würden zwar in Kulturen herangezüchtet, seien unter freiem Himmel aber den Launen des Wetters ausgesetzt, sagte Hans Ludwig Körner, Pressesprecher der Arbeitsgemeinschaft Waldbesitzerverbände in Berlin, zu stern.de. Spätfrostschäden Ende vergangenen Jahres und eine Kältewelle Anfang 2006 haben einen Ernteausfall verursacht. Der führe nun zu Engpässen besonders bei zwei bis dreieinhalb Meter hohen Bäumen, erklärt Körner.

Weihnachtsbaumzüchter müssen langfristig planen, denn die Bäume können erst nach sechs bis neun Jahren geschlagen werden. "Die Produzenten versuchen zwar, sich auf extreme Klimabedingungen vorzubereiten, indem sie die Anbauflächen vergrößern, doch das Wetter bleibt ein Problem", sagt Körner. Auch der Import aus Skandinavien und nun verstärkt aus Polen und Ungarn könne diesen Ausfall nicht auffangen, denn dort gebe es ähnliche Probleme.

Der zweite Grund für die Teuerung sind die steigenden Energie- und Transportkosten. "Die Einführung der LKW-Maut im vergangenen Jahr und die höheren Dieselpreise wirken sich auf die Christbaumpreise aus", sagt Körner. Dies betreffe wegen der höheren Transportkosten vor allem Bäume, die in Stadtzentren verkauft werden.

"Erlebnis Weihnachtsbaumschlagen"

Wer sich aber mit Nadelhaufen auf dem Wohnzimmerteppich abfindet, kann Geld sparen: Denn die beliebte Nordmanntanne, die nicht nadelt und nicht piekt, hat auch ihren Preis. Blaufichten seien als Christbaum jedoch kaum noch gefragt und für acht und zwölf Euro pro Meter zu haben, sagte Weihnachtsbaumproduzent Gockel.

Körner hat noch einen weiteren Tipp für Baumfans mit kleinem Geldbeutel: ein Ausflug aufs Land. "Immer mehr Forstbetriebe entdecken das 'Erlebnis Weihnachtsbaumschlagen'", so Körner. Sie bieten den Kunden nun neben dem selbstständigen Fällen von Christbäumen auch Glühwein, Lagerfeuer, Kutschfahrten und Weihnachtsmärkte an.

Dunkelziffer von Weihnachtsbaumwilderern

Viel stärkere Kopfschmerzen als der Preisanstieg bereiten Körner allerdings die jährlichen Christbaumwilderer. "Wir haben jedes Jahr ein Problem mit Leuten, die im Wald Bäume klauen, besonders wenn sie auf dem Markt teurer werden", sagt Körner. "Die Förster können schließlich nicht den ganzen Tag im Wald auf ihre Bäume aufpassen." Die Polizei bekomme das Problem nur schwer unter Kontrolle. Deshalb gebe es bei den Baumdiebstählen eine große Dunkelziffer, vermutet Körner. "Das ist ein echter Verlust, den man oft erst bemerkt, wenn der Schnee weggetaut ist", klagt er. Da bleibt nur sein Appell an die Anständigen: "Weihnachtsbäume klauen, das macht man nicht!"

son/DPA / DPA

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