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Wildfleisch-Skandal: Aus Hirsch mach' Elch

Über 140.000 Kilogramm manipuliertes Fleisch, fast eine Million Euro Schaden und ein tiefer Kratzer im Verbrauchervertrauen: Ein halbes Jahr nach bekannt werden des Fleisch-Skandals steht nun der Passauer Wildfleischhändler Berger vor Gericht.

Rund ein halbes Jahr nach bekannt werden des Wildfleisch-Skandals ist der Passauer Fleischhändler Karl Heinz Berger angeklagt worden. Berger soll mehr als 140.000 Kilogramm manipulierte Fleischprodukte in den Handel gebracht und bei seinen Abnehmern einen Schaden von rund 940.000 Euro verursacht haben. So sei Hirschfleisch als Elchgulasch verkauft worden, weil Elchfleisch gerade auf dem Markt knapp war.

Anklage wegen gewerbsmäßigen Betrugs

Die Staatsanwaltschaft beschuldigt den 51-Jährigen des gewerbsmäßigen Betruges in 14 Fällen, zudem soll Berger zehn Mal gegen das Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch verstoßen haben. Einen Termin für den Prozess von der Wirtschaftsstrafkammer des Landshuter Landgerichtes gibt es nach Justizangaben vom Montag noch nicht.

Bereits im Juni war Berger in Landshut wegen der Hinterziehung von Sozialbeiträgen zu einer Geldstrafe von 4400 Euro verurteilt worden. Der Fleischhändler hatte für die Beschäftigung von ungarischen Mitarbeitern knapp 80.000 Euro nicht an die Sozialversicherung abgeführt. Der Fleischskandal war durch die Ermittlungen wegen der illegalen Beschäftigung der Ungarn aufgeflogen. Bei einer Durchsuchung der Geschäftsräume der Berger Wild GmbH haben sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft entsprechende Hinweise ergeben.

Mufflon statt Gams

Die Ankläger gehen davon aus, dass Berger mehr als 96.000 Kilogramm gefälschtes Elchgulasch an die Großhändler geliefert hat. In einem weiteren Fall sei Mufflon als Gams deklariert worden. Weiterhin soll Berger 44.000 Kilo Hirschprodukte als angebliches Frischfleisch verkauft haben, obwohl es sich teils um aufgetaute Tiefkühlware handelte. Bei Reh- und Hasenfleisch soll Berger unzulässig die Haltbarkeitsdaten verändert haben. Zudem seien bei der Verarbeitung von 850 Kilogramm Fasan die Hygienevorschriften missachtet worden.

Infolge des Fleischskandals war Bergers Gesellschaft, die einst als Europas größter Wildfleischhändler galt, Pleite gegangen. Bei dem vorhergehenden Prozess hatte der Berger-Anwalt den Behörden die Schuld an der Affäre gegeben. Sein Mandant sei in ein "politisch verursachtes Erdbeben" und in ein "Kesseltreiben" der Medien geraten. Die jüngsten bayerischen Fleischskandale werden derzeit auch von einem Untersuchungsausschuss des Landtags untersucht.

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