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Essen: Darum ist Ernährung so ein emotionales Thema

Ein amerikanisch-jüdisches Pärchen öffnete in New York City ein Restaurant mit cleaner, gesunder chinesischer Küche. Das Netz rastete daraufhin aus und warf den Betreibern Rassismus vor. Wieso sind wir beim Thema Essen so sensibel? Die "BBC" ist in die Tiefenpsychologie eingestiegen.

Alles fing mit einem amerikanisch-jüdischem Pärchen in New York City an. Sie eröffneten das "Lucky Lee's", ein chinesisches Restaurant und bewarben es damit, dass es dort "cleanes" chinesisches Essen geben würde. Damit meinten die Betreiber, dass sie nur natürliche Zutaten verwenden, ohne dass sich die Gäste nach dem Essen aufgebläht oder unwohl fühlen würden.

Es gäbe nur wenig amerikanisch-chinesische Restaurants, die sich so viel Mühe mit der Qualität der Zutaten geben würden, sagte das Pärchen, wie die "BBC" berichtet. Danach entbrannte in den sozialen Medien ein Shitstorm. Den Betreibern wurde Rassismus vorgeworfen, sie hätten kein Verständnis von chinesischer Küche. Auf deren Instagram-Account liefen Tausende verärgerte Kommentare ein. Die Debatte schaukelte sich so hoch, dass sich beim Bewertungsportal für Restaurants "Yelp" die Negativ-Kritiken häuften.

Das "Lucky Lee's" hat mittlerweile eine Erklärung abgegeben, in der es heißt, dass sie chinesisches Essen nicht verallgemeinern wollten und die chinesische Küche unglaublich vielfältig sei. Die Besitzerin Arielle Haspel sagte der "New York Times", dass es ihr leid tue. "Wir wollten uns nie gegen die chinesische Community richten. Wir dachten, wir würden einen Beitrag zu einer unglaublich wichtigen Küche leisten, auf eine Art und Weise, die den Menschen zu Gute kommen würde, die sich an eine bestimmte Ernährung halten wollen."

Wieso sind die Menschen so sensibel, wenn's ums Essen geht?

Was dem Restaurant passiert ist, ist nur exemplarisch dafür, wie sensibel die Menschen im Umgang mit dem Thema Essen geworden sind. Warum eigentlich? Die "BBC" hat sich diesen Umstand genauer angesehen und erklärt, dass für viele Menschen - insbesondere für ethnische Minderheiten - Essen sowohl persönlich als auch politisch sein kann.

Krishnendu Ray ist Soziologe und Professor für Lebensmittelstudien an der New York University und weiß, wie sehr sich Einwanderer der zweiten und dritten Generation mit Gerichten aus der Heimat ihrer Eltern und Großeltern identifizieren. "Sie haben oft ein Gefühl des Verlusts ihrer eigenen Kultur - ihre Kleidung ist westlich, ihre Sprache ist westlich und Essen ist der letzte kulturelle Bereich, an den sie eine lebendige Erinnerung haben", sagt der Professor der "BBC". 

Die größte Kritik, die die Betreiber von "Lucky Lee's" über sich ergehen lassen mussten, ist, dass sie ein weißes Pärchen sind und keine Chinesen. Natürlich ist es unsinnig zu denken, dass man Chinese sein muss, um gute chinesische Küche zu kochen. Es geht aber darum, dass man Respekt vor fremden Küchen haben sollte. Wer Gerichte aus einer anderen Kultur kocht, trägt die Verantwortung, das Essen so zu kochen, dass es von den Menschen wirklich respektiert wird, die in der Kultur aufgewachsen sind.

Die Diskussion rund um Ernährung wird bleiben. Sie ist wie das Essen im Generellen - Geschmackssache.

Quellen: "BBC", "Eater", "New York Times"