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Gutes aus dem Küchengarten: Viele liebe Leute

Im zweiten Teil meines Jahresrückblicks von 2014 möchte ich jene Menschen hervorheben, die ich in diesem Gartenjahr kennenlernen durfte.

Den Auftakt machte Riki Hinteregger in Wien. Sie betreibt ein veganes Rohkost-Restaurant und lebt mitten in der Stadt mit ihrem Wildkräutergarten. Dieser Garten ist ein Hinterhof, in dem alles wächst, was als Wildkraut durchgeht: Brennesseln, Spitzwegerich, Löwenzahn, Bärlauch,... Riki beeindruckte mich mit ihrer herzlichen Art und Frische. Sie glaubt ans roh-vegane und an ihre Kräuter aus dem Hinterhof. Sensationell ist das Geweih in der Küche ihres Restaurants: Hirsche leben schließlich auch roh-vegan. Warum also Fleisch und Gekochtes essen?

Markus Gaisbachgrabner belebt eine kleine aufgelassene Landwirtschaft (ein Sacherl) in Spital am Pyhrn.

Beinahe gleichzeitig besuchte ich den Markus auf seinem Sacherl. Einen kleinen Bauernhof hatte er sich gekauft und kultiviert ihn jetzt. Züchtet Wildschafe und setzt auf Selbstversorgung mit Gemüse, Eier, Fisch und Fleisch. Viel Arbeit hatte er sich aufgebürdet. Langsam beginnt sein Hof inmitten der österreichischen Alpen zu leben. Max ist ein starker Typ. Er hat gelernt, worauf es ankommt im Leben.

In der Zwischenzeit verschenkte ich meine Jungpflanzen an andere Küchengärtner. Einer davon, der Gerhard, hat im Sommer alles umgerissen. Der Garten wurde neu angelegt, vergrößert und auf Selbstversorgerstatus gebracht. Der Gerhard, der wohnt ganz in der Nähe vom Markus. Beide sind sie Permakulturisten mit viel Power für das Wesentliche.

Bernhard Gruber trägt den Hut. Hinter ihm die Gruppe, die unsere Arbeit bewunderte.

Dann half ich im Wald-Wassergarten von Bernhard, dem Permakulturlehrer von Permanorikum aus. Mähte Gras, mulchte, legte ein Beet mit Heukartoffeln an und stellte die jungen Bäume und Beerensträucher in seinem Permakulturgarten frei. Gemeinsam mit ein paar Gleichgesinnten werkten wir einen ganzen Tag lang. Schwitzten und fanden aber auch genügend Zeit zum plaudern, Kaffee trinken und Jausnen. Bernhard ist ein sturer Hund, würde man auf gut österreichisch sagen. Stur muss man aber auch sein, will man einen feuchten Platz, den niemand haben will, in einen fruchtbaren Nutzgarten verwandeln.

Ein Hausgärtner, bei dem ich Rote Beete kaufte, in Ungarn, in Györ.

Der Sommer führte mich in zwei Kurzreisen nach Ungarn (Györ und Sopron), zu den Märkten der Einheimischen. Dort wird Gemüse aus den Küchengärten der Leute verkauft. So als würde ich ein paar Salatköpfe zuviel im Garten haben und mich auf den Marktplatz stellen, um sie anzubieten. Selbstversorgermärkte sind immer etwas Besonderes. Man findet dort alte Sorten und interessante Menschen. Und – viele Fotomotive.

Christoph Wiesmayr, Architekt und Gemeinschaftsgärtner.

Im Frühherbst ging es kurz nach Linz. Der Christoph musste besucht werden. Jener Typ, der durch seine Abschlussarbeit im Architekturstudium zu den Gemeinschaftsgärten fand. Er ist heute Urban Gardening Beauftragter und kümmert sich um die Gartenprojekte in Linz und Oberösterreich. Der Hafengarten ist sein Küchengarten, den er mit anderen gemeinsam pflegt. Christoph meint, Gärtnern ist wichtig für das Selbstbewusstsein. Und er schenkte mir ein paar frische Eier von den Hühnern im Hafengarten. Mitten in Linz, an der Donau im Industrieviertel.

Dann ging es nochmals kurz nach Wien. Eine Freundin, die Sigrid, hat einen aufgelassenen Weingarten zur freien Benützung direkt gegenüber ihres Hauses, am Stadtrand von Wien, in Mödling. Die Trauben wurden geerntet und zu wunderbaren Saft verarbeitet. Ihr eigener kleiner Küchengarten trug reiche Ernte – Tomaten, Salat, Kapuzzinerkresse, Inkagurken. Die Sigrid wuchs am Land auf einem Bauernhof auf und lernt jetzt in der Stadt das Gärtnern. Wie verrückt das eigentlich ist.

Und neben all diesen Erfahrungen ging ich noch fleißig in den Wald zum Pilze sammeln und Wildkräuter pflücken. Dort traf ich auch Menschen, mit denen ich über Pilze sprach, über deren Verarbeitung und die Sorten. Tja, im Wald trifft man sich anscheinend.

Ich kann nur sagen: Merci und vielen Dank für die Erlebnisse mit euch. Eure Gärten zeigten mir, die Fülle ist überall und gleich vor der Haustüre. Wir müssen sie nur wahrnehmen und dann ernten.