HOME
Meinung

Auszeichnung vom "Guardian": Jamie Olivers Restaurant ging pleite, nun wird er für sein Lebenswerk geehrt – und das ist richtig so

Das war kein leichtes Jahr für Jamie Oliver: Im Frühjahr ging seine Restaurantkette "Jamie's Italian" pleite. Tausende haben ihren Job verloren. Der "Guardian" ehrt den Starkoch dennoch. Warum er die Auszeichnung verdient hat. 

Jamie Oliver

Jamie Oliver ist "Best Food Personality 2019"

Picture Alliance

Die Schlagzeilen um den britischen Starkoch Jamie Oliver waren in jüngster Zeit keineswegs positiver Natur: Anfang des Jahres meldete seine Restaurantkette "Jamie's Italian" Insolvenz an. Die Schulden sind in Millionenhöhe gewachsen, 1000 Mitarbeiter haben ihren Job verloren. Der Starkoch hat sich unternehmerisch verbrannt. "Das war wirklich schwer", sagt Jamie Oliver im Gespräch mit dem "Guardian". "Ich bin ein bisschen angeschlagen und verletzt. Aber ich bin optimistisch."

Trotz Pleite aber soll Oliver ordentlich verdient haben. Das berichtete erst kürzlich der "Mirror". 

Angeblich hat der Starkoch sich und seiner Frau kurz vor dem Kollaps seines Restaurant-Imperiums mehr als fünf Millionen Pfund, rund 5,6 Millionen Euro, auszahlen lassen. Dem "Mirror" sollen Bankauszüge vorliegen. Immer wieder wurde dem Starkoch vorgeworfen, er sei geldgierig geworden und er würde sich auf Kosten des Unternehmens Geld in die eigene Tasche stecken.

Eine offizielle Stellungnahme zu den Vorwürfen gibt es dazu nicht. Englische Medien berichteten, dass der Starkoch 28 Millionen Euro seines Privatvermögens nutzte, um seine Restaurants vor dem Aus zu retten. Leider ohne Erfolg. Lesen Sie mehr dazu hier.

Kein gutes Jahr also für Oliver. Und trotzdem wurde er jetzt mit dem OFM-Award von den "Guardian"-Lesern zur "Best Food Personality 2019", in etwa Persönlichkeit des Jahres im Lebensmittel-Bereich, ausgezeichnet. Wie passt das zusammen?

Jamie Oliver ist nationales Kulturgut

Für die Briten ist Jamie Oliver nationales Kulturgut. Vor 20 Jahren wurde die erste Folge "The Naked Chef" im Fernsehen ausgestrahlt. Oliver war ein junger, frecher Typ, der immer zu viel Olivenöl verwendete, mit den Händen umrührte und Sardellen in eine Lammkeule steckte. Er machte Menschen Kochen zugänglich, die bis dahin eine gepimpte TK-Pizza für eine kulinarische Offenbarung hielten. Danach folgten 36 Fernsehsendungen und 33 Kochbücher, die ihn zum zweitgrößten Verkaufsautor Großbritanniens machten. Er wurde zum Markenzeichen für Einfachheit am Herd.

"Es ist so schön, gemocht zu werden. Es ist wunderbar. Aber wenn Sie in diesem Land eine Meinung haben, spalten Sie die Menschen. Ich habe einen wirklich tollen Job, in dem ich in Ihrem Regal in Ihrer Küche wohne. Es ist nicht schlecht", sagt Jamie Oliver dem "Guardian".

Natürlich ist Jamie Oliver nicht perfekt

Mit seiner Meinung versucht er nebenbei noch die Welt zu retten oder zumindest etwas für die Briten zu tun: 2002 eröffnete er sein Restaurant-Projekt "Fifteen", dort werden junge Leute ausgebildet, um ihnen später einen Job in der Lebensmittelindustrie zu ermöglichen. 2005 setzte Oliver die Regierung unter Druck, das Schulessen zu verbessern und gesündere Alternativen anzubieten. Die Kampagne hatte großen Erfolg. 2015 beantragte der Starkoch eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke. Ein Jahr später führte die Regierung eine Abgabe für Erfrischungsgetränke ein. 2018 überredete er die "Transport of London", Betreiber des Verkehrssystems in London, Werbung von Lebensmitteln mit hohem Fett-, Salz- und Zuckergehalt an Kinder zu verbieten. Außerdem setzte er sich dafür ein, dass Energy-Drinks nicht an Minderjährige verkauft werden sollen. Die Supermärkte stimmten seinem Vorschlag zu, den Verkauf an Jugendliche unter 16 Jahren einzustellen.

Natürlich ist Jamie Oliver nicht perfekt. Das hat seine diesjährige Misskalkulation bewiesen. "Wenn es holprig wird, kann es nicht umsonst sein, wissen Sie? Du musst etwas lernen, du musst es benutzen", sagt Oliver. Immerhin ist er seit 20 Jahren dick im Geschäft. Und das auch wegen seiner Rückschläge. Sie scheinen ihn in einer Art zu erden, so formuliert es Eva Wiseman vom "Guardian". "Ich frage mich, ob es ihm geholfen hat, ihn zu definieren."

Quellen: "Guardian", "Mirror"