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Kochbuch-Test: "Das Kochbuch der Nationalmannschaft": So isst die deutsche Elf

Den Einzug ins Achtelfinale haben unsere Jungs natürlich nur ihrer Ernährung zu verdanken. stern-Sportredakteur Felix Haas hat mal überprüft, was Müller, Mertesacker und Özil schmeckt.

Man lernt ja so einiges beim Kochen. Zum Beispiel, dass Thomas Müllers Lieblingskartoffeln wie Anti-Mücken-Kerzen stinken. Und dass sie nicht viel besser schmecken als sie riechen. Man würde sie am liebsten in den Mülleimer kloppen. Aber gut. Man lernt beim Kochen eben auch, dass man nicht vom Kochbuch vorgegebene Rezepte mischt. Kommt nur geschmacklicher Quatsch bei raus. Aber dazu später mehr.

Vor mir liegt "Das Kochbuch der Nationalmannschaft" von DFB-Chefkoch Holger Stromberg. Irgendwann hat sich der Typ mal einen Stern erkocht, las ich. Man darf von den Gerichten also durchaus etwas erwarten.

Bock auf Sport

Es ist irgendwie klar, dass neben Stromberg einige Nationalspieler das Cover zieren. Das Buch soll ja auffallen im Buchregal – und Kochbücher mit Essen auf dem Cover gibt es ja viel zu viele. Auf den ersten 44 Seiten erläutert Stromberg die Bedeutung von Essen und Ernährung für die sportliche Leistungsfähigkeit. Wann man was essen soll vor dem Sport. Wie man als Hobbysportler einen Tag im Büro verbringt und trotzdem abends beim Training fit ist. Högschtinteressant, würde Joachim Löw sagen. Und man selbst will nach der Lektüre unbedingt die nächste Laufeinheit absolvieren. Übers Essen lesen macht in dem Fall nämlich nicht hungrig - sondern Bock auf Sport.

Kurz bevor man allerdings aufspringt und in die Sportlatschen schlüpft, blättert man rein interessehalber eine Seite weiter. Und dann ist das Sportstudium-Ernährungswissenschaften-Buch ja doch auch ein Kochbuch! Von Frühstück wie überkrustetem Hafermüsli über Vorspeisen wie Tomatensuppe, bis hin zu Hauptgerichten wie Milchlammkeule oder Snacks und Desserts ist alles dabei. Und natürlich erfährt man auch, welcher Spieler welches Essen liebt. Özil findet zum Beispiel den Chopped Salad ziemlich knorke.

Müller findet sie "Weltklasse"

Meine Freundin und ich entscheiden uns für mehrere Dinge. Der Ginkgo-Eistee klingt ziemlich verlockend als lockerer alkoholloser Aperitif vorweg. Dann soll's die Tomatensuppe "Speziale" sein, denn für die würde "Per Mertesacker durch die Themse schwimmen". Als Hauptspeise Rote Bete mit gratiniertem Ziegenkäse. Im Buch ist es als Snack für sich angegeben. Ich finde: Da gehören irgendwie noch Kartoffeln dazu. Und die Orientalischen Kartoffeln, die da zur Milchlammkeule vorgeschlagen werden, klingen ganz geil. Wie schon erwähnt, Thomas Müller findet sie "Weltklasse".

Ginkgo haben wir auf die Schnelle nicht gefunden, wir hatten auch keine Lust durch die halbe Stadt zu fahren. Pfefferminze ersetzt die Blätter. Der Drink ist dennoch ein Gedicht. Warum Mertesacker für die Tomatensuppe schwimmen würde, verstehen wir auch. #Megalecker. Kein Wunder übrigens bei 40 Gramm Rohrzucker und 120 Gramm Parmesan auf insgesamt 1,4 Kilo Tomaten. Herr Stromberg kennt die Geschmacksträger!

Das Hauptgericht ist dann eine Kombination aus zwei unterschiedlichen Vorschlägen. Das schmeckt man leider auch. Als die orientalischen Kartoffeln da so neben der roten Beete und dem Ziegenkäse liegen, denkt man gleich: Da passt was nicht. Und so schmeckt es dann auch nicht. Chili-Kurkuma-Curry-Kefirzitronenblätter-undtausendmehrgewürze passen irgendwie nicht zur simplen, gut bürgerlichen Roten-Bete und erst recht nicht zum klassisch süß-herzhaften Käse. Schade. Da hat der Küchenjunge wohl schei*e gebaut.

Fazit

Die Aufmachung gefällt, die Informationen und Tipps zur Ernährung für Sportler sind spannend und absolut lesenswert. Es gibt vielfältige Gerichte zur Auswahl. Ein, zwei zusätzliche Tipps für Hauptgänge hätten es aber schon sein dürfen. Nudeln, Fisch und Salat bestimmen das Bild, überraschend ist das nicht. Dafür gibt es die Gerichte allerdings in kreativen Ausführungen.

Das stern-Ergebnis: vier von fünf Sternen.

Top:
Aufmachung
Ernährungstipps für Sportler
Auch kleine, schnelle Gerichte
Flop:
Die Qualität des Hobby-Koches (und Verfassers dieses Artikels)
Insgesamt zu viele kleine, schnelle Gerichte
Überwiegend Sportlernahrung

Haben Sie Appetit bekommen? Dann gibt es die Originalrezepte auf den nächsten Seiten.

Tomatensuppe "Spezial"

Zutaten für 4 Portionen

  • 1,2 kg frische, reife und geschmackvolle Tomaten
  • 200 g Zwiebeln
  • 2 EL Olivenöl
  • 400 g Möhren, geschält und in Stifte
  • geschnitten
  • 40 g Rohrzucker
  • Meersalz
  • 100 g reife Cherrytomaten, gewaschen und halbiert
  • ½ Basilikumbund, Blätter grob gehackt
  • 120 g Parmesan, frisch gehobelt
  • Pfeffer
  • 2 Baguettebrötchen, vom Vortag, in grobe Würfel geschnitten

Zubereitung

1. Die Strünke der Tomaten mit einem kleinen Messer herausschneiden. Tomaten ca. 10 Sekunden in kochendem Wasser blanchieren und anschließend in kaltem Wasser abschrecken. Die Haut entfernen und die enthäuteten Tomaten in grobe Würfel schneiden. Zwiebeln schälen und in feine Streifen schneiden.

2. Olivenöl in einem Topf erhitzen und die Zwiebelstreifen darin farblos anschwitzen. Anschließend Möhrenstifte, Tomatenwürfel, Rohrzucker und etwas Meersalz zugeben. Bei mittlerer Hitze mindestens 20 Minuten köcheln lassen.

3. Kurz vor dem Anrichten halbierte Cherrytomaten, Basilikumblätter sowie Parmesan dazugeben. Mit Meersalz und Pfeffer abschmecken.

4. Zum Schluss die Brotwürfel hinzugeben und servieren.

Diese beliebte Suppe entstand 2010 bei der WM in Südafrika. Mertesacker würde für die "Spezial" durch die Themse schwimmen!

Rote Bete mit gratiniertem Ziegenkäse

Zutaten für 4 Portionen

  • 600 g kleine Rote-Bete-Knollen oder große Knollen geviertelt (diese dann 5 Minuten länger kochen lassen)
  • 1 Knoblauchzehe
  • 1 Limette, entsaftet
  • 3 EL Olivenöl
  • 2 EL Balsamico
  • 2 EL Leinöl
  • 2 TL Akazienhonig
  • Meersalz
  • Pfeffer, weiß, frisch gemahlen
  • 250 g Ziegenkäserolle
  • 1 TL Vollrohrzucker
  • ¼ Schnittlauchbund, in feine Röllchen geschnitten

Zubereitung

1. Knoblauch schälen und in feine Würfel schneiden. Rote Bete mit den Knoblauchwürfeln, dem Limettensaft und dem Olivenöl bei 170 °C ca. 45 Minuten in Alufolie eingewickelt im Backofen garen.

2. Balsamico, Leinöl, Meersalz, Pfeffer und Akazienhonig gut miteinander zu einer Vinaigrette verrühren.

3. Die fertig gegarte Rote Bete auf dem Teller verteilen und mit der Vinaigrette marinieren.

4. Die Ziegenkäserolle in 2 cm breite Stücke schneiden und jeweils mit etwas Vollrohrzucker bestreuen. Dann die Rollen auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen und im vorgeheizten Ofen bei 220 °C Oberhitze / Grill ca. 2 Minuten backen, bis der Ziegenkäse eine Kruste bekommt. Im Anschluss die gratinierten Ziegenkäserollen mit der Roten Bete auf einem Teller anrichten und mit Schnittlauchröllchen garnieren.

Orientalische Kartoffeln

Zutaten für die orientalischen Kartoffeln für 4 Personen

  • 2 Thymianzweige
  • 1 Rosmarinzweig
  • 1 Knoblauchzehen
  • Meersalz, grob
  • 1 Ingwerstück, wallnussgroß, geschält und gerieben
  • 2 EL Vollrohrzucker
  • 40 ml Fischsauce
  • 3 Kafirlimettenblätter (Asialaden)
  • 1 Schalotte, geschält
  • 1 TL Chilipulver
  • 1 TL Kurkumapulver
  • 1 TL Kreuzkümmel, fein zerstoßen
  • 3 Kardamomsamen, zerstoßen
  • 1 Limette, geschält
  • 400 g Kartoffeln
  • 200 g Süßkartoffeln
  • 4 reife Strauchtomaten

Zubereitung

1. Meersalz, 2 weitere Thymianzweige, 1 Knoblauchzehe, Ingwer, Vollrohrzucker, Fischsauce, Kafirlimettenblätter, Schalotte, Chili- und Kurkumapulver, Kreuzkümmel, Kardamomsamen und die Limette in einen Cutter geben bzw. mit dem Stabmixer zu einer Gewürzpaste verarbeiten.

2. Kartoffeln und Süßkartoffeln gut waschen und putzen und ungeschält in ca. 1 cm große Würfel schneiden. Mit der Gewürzpaste vermengen.

3. Strauchtomaten waschen, grob würfeln und mit den gewürzten Kartoffeln in den Bräter zur Keule geben und ca. 20 Min mitgaren.

4. Kartoffeln und Tomaten auf einen Teller geben und eine Scheibe Milchlamm darauflegen, mit etwas Fleischsauce begießen und servieren.

Zu den orientalischen Kartoffeln meint Thomas Müller schlicht und einfach: "Weltklasse!"

Gingko-Eistee

Zutaten für 4 Portionen

  • 2 EL Ginkgo-Blätter bzw. Ginkgo-Tee (Teegeschäft oder Reformhaus) 300 ml Wasser
  • Agavendicksaft, Ahornsirup, Rohrzucker oder Honig zum Süßen
  • 2 Limetten, (1 entsaftet, 1 in Würfel geschnitten)
  • 2 Zitronengrasstängel
  • Eiswürfel

Zubereitung

1. Aus Wasser und Ginkgo-Blättern einen Tee brühen, 10 Minuten ziehen lassen und die Blätter bzw. das Teesieb wieder entfernen. Tee anschließend abkühlen lassen.

2. Tee nach Geschmack mit Agavendicksaft süßen. Alternativ kann auch Honig, Ahornsirup oder Rohrzucker verwendet werden. Den Saft einer Limette ausdrücken und den Tee damit säuern. Die andere Limette in Würfel schneiden und in die Gläser verteilen. Zitronengrasstängel längs halbieren und die äußerste Schicht entfernen. Die Länge so zuschneiden, dass das Zitronengras sowohl zum Umrühren und als Würze als auch als Deko im Glas funktioniert.

3. Die Gläser mit den Limettenstücken und den Eiswürfeln füllen und den Tee darübergießen. Mit dem Zitronengras umrühren. Wer möchte, gibt noch einen Schuss Sprudel oder Sodawasser hinzu.

Unser Ritual am Spieltag: Ginkgo-Eistee als Pre-Match-Snack zur Kaffeetafel.