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Serie "Selbst gekocht": Rezepte nur für Mädchen

Ein Tag, fünf Blogs, dutzende Rezepte, allerliebste Fotos und bezuckerndes Layout - fertig ist das wunderbare Kochbuch "Daylicious". Traumhaft, kreativ und mit ein wenig Variation auch lecker.

Von Swantje Dake

Am liebsten würde ich sofort loslegen und den gesamten "Mädelsabend" durchkochen, nachbacken und meinen Mädels servieren: Pflaumen-Gorgonzola-Crostini dazu Cocktails mit Beereneiswürfeln und Pilzküchlein. Hach, ich sehe die Runde bereits an meinem großen Esstisch sitzen, futtern, lachen, schnattern. Aber ich suche nur ein Kuchenrezept für einen Nachmittagsplausch mit einer Freundin. Fast schon schade.

Denn "Daylicious" liefert das Rundumsorglospaket für einen Tag. Rezepte vom Frühstück (Franzbrötchen und Stullen) über das Mittagessen (Lachsburger, Panzanella), den Kaffeeklatsch (Feigen-Tartelettes, Blaubeerkörbchen) bis zum besagten Mädelsabend, auf den noch Pavlova, Cookies und Cupcakes als Mitternachtssnack folgen. Da kann man nur nach dem Ausschlussprinzip vorgehen. Und es wird die Trauben-Tarte mit Karamellsauce.

Gebacken wird mit Frühlingsluft und Liebe

Die überfordert zunächst meinen Supermarkt, der eigentlich für Backwerk bislang gut sortiert war. Also werden die Trauben statt in Traubengelee und Himbeerlikör in Aprikosenmarmelade, Holunderblütensirup und einem winzigen Schluck Portwein mariniert. Dann schnell den Mürbeteig kneten. Dabei laut Cocorosie hören, durch das Fenster die Frühlingsluft hereinlassen – ist ja kein Hefeteig – und fröhlich mitsummen.

Teig in den Kühlschrank und die Karamellsauce kochen. Die gab es auch nicht im Supermarkt, ist aber auch schnell selbst gemacht (Zucker schmelzen, Sahne dazu, aufkochen, rühren, salzen, fertig) und so auch ohne Konservierungsstoffe.

So, die Tarteform mit dem Teig auslegen, ab in den Ofen.

Währenddessen blättere ich in "Daylicious". Ich wende jede Seite mit Vorfreude, die nie enttäuscht wird. Denn hier geht es nicht nur um das Rezept und das Gericht, sondern um das ganze Drumherum: die Lebensmittel, die Kochutensilien, die Tischdeko, das Anrichten auf dem Teller, das Arrangieren auf dem Küchentisch. Nicht aus der Sicht eines Kochs, sondern von sechs Bloggerinnen. Das erzeugt Nähe; denn die Damen sind Menschen wie du und ich. Okay, sie können definitiv besser layouten, drucken, basteln und fotografieren, als ich es kann. Aber diese Rezepte sind ohne Michelin-Stern und Konditorenausbildung schaffbar (was bei den "S'mores Cupcakes" noch zu beweisen wäre).

Winzige Schleifen, Fähnchen, süße Tipps

Die Bloggerinnen haben den Tag unter sich aufgeteilt, was leicht konstruiert wirkt, aber das kann man freundlich ignorieren. Jeder Blog darf sich auf etwa 30 Seiten austoben und gestalten, so dass sich Layout und Bildsprache jeweils leicht verändern. Das Buch ist so wie Mädchenblogs sind: liebevoll, kreativ, bezaubernd, begeistert. Wer das Verspielte und die Detailverliebtheit nicht mag, ist falsch. Wer winzige Schleifen, kalifgrafisch beschriftete Fähnchen und Tipps liebt ("Kaffee im Schraubglas wird zum Coffee to go"), ist im Paradies.

Ohnehin schon großer Fan von ihrem Lykkelig-Blog jubele ich über Rikes Motto "Immer her mit dem schönen Leben!" und das Apfel-Aprikosen-Knuspermüsli bitte gleich mit. Susanne von La petite cuisine ist sommerlich unterwegs – und die Ziegenkäse-Tartelettes mit Kirsch-Kardamom-Chutney sind gesetzt für die Kirschenzeit. Jessicas Törtchenzeit ist einfach eine Augenweide Liz und Jewels backen und kochen regelmäßig getrennt voneinander in New York und Münster, verbunden per Skype; und Dani setzt mit ihrem Klitzeklein-Blog einen vollmundigen Schlusspunkt.

Upsi. Vor lauter Begeisterung mal wieder die Zeit vergessen. Fix den Boden aus dem Ofen nehmen und die Mascarpone-Frischkäse-Creme-Fraiche-Creme anrühren, dabei geflissentlich ignorieren, dass die Freundin eine Lactoseintoleranz hat.

Boden fertig, Creme fertig, Trauben mariniert, Karamellsauce köchelt – alle Schritte extrem einfach und auch bei der Kombination der einzelnen Teile kann nichts schiefgehen. Optisch macht die Tarte durchaus was her, auch wenn ich von dem Drapierungsvorschlag der Trauben abweiche. Ist auch günstiger fürs Anschneiden, denn der Boden ist eh etwas hart. Das kommt davon, wenn man sich in Blogs verliert ...

Zwei kleine Stücke oder ein großes?

Geschmacklich ist die Tarte ein Knaller. Man kann es nicht anders sagen: Eine fabelhafte Kombination aus hartem Teig und leckerer Creme. "Soll ich die Viertel nochmal teilen", frage ich. "Ja, sieht nicht ganz so verfressen aus." Drei Sekunden später: "Wobei, dann essen wir zwei Stücke." Egal, beide waren lecker.

Falls Sie Appetit bekommen haben: Auf der nächsten Seite finden Sie das Originalrezept.

Trauben-Tarte mit Karamellsauce

Zutaten

  • 1 Rispe blaue Trauben (etwa 200 g)
  • 50 g Traubengelee
  • 50 ml Himbeerlikör

Teig

  • 1 Ei
  • 175 g Mehl zzgl. 2 EL Mehl zum Ausrollen
  • 1 Msp. Salz
  • 100 g kalte Butter
  • 2 EL brauner Zucker

Creme

  • 125 g Mascarpone
  • 125 g Frischkäse
  • 50 g Crème fraîche
  • 75 g Puderzucker
  • 2 EL Karamellsauce
  • Tarteform (max. 14 x 21 cm)

Tipp

Natürlich kannst du diese Tarte auch in einer runden Tarteform (Durchmesser 24 cm) backen. Zudem ist das Rezept perfekt als Grundrezept. Sei kreativ und erfinde mit dem perfekten Tarteboden deine eigene Lieblingstarte. Wie wäre es z.B. mit Blaubeeren und Karamellsauce?

Zubereitung

Die Trauben waschen und mit Küchenpapier trocken tupfen. Das Gelee und den Likör vermengen und die Trauben mit dieser Mischung in einem Gefrierbeutel marinieren. Für den Teig das Ei trennen. Eigelb mit 2 EL sehr kaltem Wasser mithilfe einer Gabel verquirlen. Mehl, Salz und Butter in eine große Schüssel geben und mit dem Handmixer vermengen, bis feine Brösel entstanden sind. Dann den braunen Zucker löffelweise untermengen. Das Eigelb zu der Masse geben und kneten, bis sich ein dicker Teigball gebildet hat.

Den Teig aus der Schüssel nehmen und nochmals kurz mit den Händen kneten und zu einer Kugel formen. In Frischhaltefolie wickeln und etwa 45 Minuten in den Kühlschrank legen. Der Teig sollte fest, aber nicht hart werden. Den Ofen auf 170 °C Umluft vorheizen. Teig auf der bemehlten Arbeitsfläche ausrollen, bis er etwa 5 mm dick ist und die Größe der Tarteform hat. Die Form gut fetten und den Teig in die Form legen. Üverlappende Ränder abschneiden. Nochmals für 10 Minuten in den Kühlschrank stellen. Tarte aus dem Kühlschrank holen und mit Backpapier abdecken, dann mit Hülsenfrüchten befüllen und etwa 18 Minuten blindbacken. Aus dem Ofen nehmen, Hülsenfrüchte und Papier entfernen, weitere 10 Minuten backen, bis sie leicht braun wird, dann aus dem Ofen nehmen und abkühlen lassen.

Währenddessen die Creme zubereiten. Dazu die Mascarpone und den Frischkäse in eine Schüssel geben und mit dem Handmixer glatt rühren. Crème fraîche und Puderzucker einrühren. Sobald der Boden ausgekühlt ist, aus der Form nehmen und die Creme einfüllen. Oberfläche mithilfe eines Silikonspachtels glatt streichen. Karamellsauce mit einer Gabel über die Creme träufeln und die fertige Tarte für 60 Minuten in den Kühlschrank stellen. Traubenrispe abtropfen lassen und auf die Tarte legen.

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