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Verbraucherschutz klärt auf Listerien-Vorfälle: Sind unsere Lebensmittel verseuchter als früher?

Listerien
Vor allem auf tierischen Produkten tummeln sich Bakterien wie Listerien gern
© Getty Images
Verseuchte Wurst, verkeimte Fleischbällchen: Es hat den Anschein, dass unsere Lebensmittel aus dem Supermarkt nicht mehr sicher sind. Aber stimmt das auch? Eine Verbraucherschützerin gibt Auskunft.

Es war der größte Lebensmittelskandal mit Listerien in jüngster Zeit: Anfang Oktober hatten Behörden den nordhessischen Fleischhersteller Wilke geschlossen. Auf dessen Produkten wurden mehrfach Listerien nachgewiesen. Die Bakterien können bei geschwächtem Immunsystem lebensgefährlich sein. Drei Todes- und 37 Krankheitsfälle werden mit Wilke-Produkten in Verbindung gebracht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt indessen wegen fahrlässiger Tötung gegen den Geschäftsführer.

Vor wenigen Tagen dann der nächste Listerien-Fall: Bei Routinekontrollen sind Frikadellen der Firma Fleisch-Krone Feinkost GmbH negativ aufgefallen. Der Kreis und das Landesamt für Verbraucherschutz entdeckten die mit den Bakterien belasteten Rückstellproben bei einem Besuch, bei dem die Zulassungsvoraussetzungen für das Unternehmen überprüft werden sollten. Die Produktion in dem Betrieb ruht derzeit. Der Kreis sei dabei, den Rückruf der belasteten Fleisch-Frikadellen zu überprüfen.  

Betroffen sind "ja! Frikadellenbällchen" mit den Mindesthaltbarkeitsdaten 05.11.2019 und 20.11.2019, die bei Rewe verkauft werden und die in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen ausgeliefert wurden. Außerdem betroffen sind die Artikel "Gut Bartenhof Frikadelle Klassik" und "Gut Bartenhof Frikadellenbällchen" mit den Chargen-Nummern 97812 und 97813 und dem Mindesthaltbarkeitsdatum 05.11.2019, die bei Norma in den Handel kamen. Vom Verzehr der Produkte werde dringend abgeraten, hieß es.

+++ Lesen Sie hier: Was Listerien so gefährlich macht +++

Sind unsere Lebensmittel verseuchter als früher?

Da stellt sich die Frage: Sind unsere Lebensmittel heutzutage verseuchter als früher? "Nein", sagt Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg. "Viele sagen, früher gab es das nicht. Aber früher hatten wir auch noch nicht das Portal 'Lebensmittelwarnung'. Dadurch werden Vorfälle wie diese schneller öffentlich gemacht. Früher wurden betroffene Produkte meistens aus dem Regal genommen - ohne darüber zu sprechen."

"Der Listerien-Vorfall im Zusammenhang mit der Firma Wilke ist beim Verbraucher natürlich sehr präsent, weil er so schwerwiegend ist", sagt Silke Schwartau. Sie sieht in dem Fall auch ein Versagen der Lebensmittelüberwachung: "Aus unserer Sicht hätte der Betrieb schon längst geschlossen werden müssen. Das Problem ist, dass die Lebensmittelüberwachung in den jeweiligen Kommunen sehr vorsichtig ist. Landesbehörden sind häufig überfordert und haben ein Interessenskonflikt, weil sie auch für Steuereinnahmen zuständig sind. Sie wollen deshalb eine Insolvenz, wie sie jetzt bei Wilke eingetreten ist, möglichst vermeiden. Weil damit auch der Verlust von Arbeitsplätzen einhergeht. Wenn der Fall aber so schwerwiegend ist, dann sollten Kontrollen wie diese vom Bund gemacht werden."

Von Listerien betroffen sind besonders tierische Produkte, die vor allem in der Verarbeitung kontaminiert werden, der Wirt des Bakteriums kann aber auch der Mensch sein, dann hängt die Übertragung häufig mit mangelnder Hygiene zusammen. "Betriebe müssen auch hygienischer arbeiten, das ist bei der heutigen Massenproduktion natürlich schwierig, auch wegen des Kostendrucks. Aber es ist das A und O. Wir würden auch begrüßen, dass Mitarbeiter bei Verdacht auf unhygienische Arbeitsweisen sich bei uns melden würden - gern auch anonym. Damit so etwas schneller auffliegt. Jetzt haben - zumindest bei Wilke - alle ihren Arbeitsplatz verloren", sagt Schwartau.

Verbraucherschützer fordern indes, dass aus den jüngsten Vorfällen rund um mit Listerien verseuchte Lebensmittel Konsequenzen gezogen werden. Beispielsweise muss die Lebensmittelüberwachung neu organisiert werden. Nicht Kommunen, sondern die Länder sollten verantwortlich sein. Im Krisenfall soll dann der Bund die Verantwortung tragen.


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