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Rückruf von Fertigfrikadellen Gefahr aus der Wurst: Was Listerien so gefährlich macht

Listerien in Fleisch-Frikadellen
Listerien in Fleisch-Frikadellen: Die Produkte wurden bei Rewe und Norma verkauft (Symbolbild)
© pejft / Getty Images
Neuer Listerien-Verdacht in der Fleischindustrie: Die Fleisch-Krone Feinkost GmbH ruft Fertigfrikadellen zurück - wenige Wochen nachdem der Fall Wilke für Schlagzeilen sorgte. Wie gefährlich sind die Bakterien? Und worauf müssen Verbraucher achten?
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Nur wenige Wochen nach dem Fall Wilke sorgt ein neuer Listerien-Verdacht für Aufruhr in der Fleischindustrie: Die Fleisch-Krone Feinkost GmbH ruft Frikadellen wegen des Verdachts auf Listerien zurück. Betroffen sind "ja! Frikadellenbällchen" mit den Mindesthaltbarkeitsdaten 05.11.2019 und 20.11.2019, die bei Rewe verkauft werden und die in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen ausgeliefert wurden. Außerdem betroffen sind die Artikel "Gut Bartenhof Frikadelle Klassik" und "Gut Bartenhof Frikadellenbällchen" mit den Chargen-Nummern 97812 und 97813 und dem Mindesthaltbarkeitsdatum 05.11.2019, die bei Norma in den Handel kamen. Vom Verzehr der Produkte werde dringend abgeraten, hieß es.

Erst im Oktober war bekannt geworden, dass in Deutschland zwei Menschen nach dem Verzehr von keimbelasteter Wurst gestorben waren (der stern berichtete). Der hessische Produktionsbetrieb Wilke Wurstwaren meldete in der Folge Insolvenz an, die Produkte werden großflächig zurückgerufen. In den Niederlanden gab es ebenfalls Todesfälle nach Listerien-Infektionen durch verseuchtes Fleisch. Im Nachbarland führte zudem eine Infektion zu einer Fehlgeburt. 

Doch was sind eigentlich Listerien? Wo lauern die Keime? Und für wen können sie gefährlich werden?

Der stern beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema.

Was sind Listerien?

Listerien sind stäbchenförmige Bakterien, die in der Umwelt weit verbreitet sind und zum Beispiel in Gewässern, im Erdboden, in Mensch und Tier vorkommen. Die Keime sind recht widerstandsfähig, sie überstehen Trockenheit und überleben auch bei relativ niedrigen und recht hohen Temperaturen.

Nicht alle Listerien machen krank, eine Infektion beim Menschen, die sogenannte Listeriose, ruft vor allem der Erreger Listeria monocytogenes hervor. Mit einigen hundert Fällen pro Jahr zählt die Listeriose in Deutschland zu den seltenen Lebensmittelvergiftungen. Im vergangenen Jahr erkrankten dem RKI zufolge 701 Menschen in Deutschland.

Allerdings kann die Erkrankung schwer verlaufen und schlimmstenfalls sogar tödlich enden.

Wie gefährlich sind Listerien?

Das Immunsystem der meisten Menschen kommt mit den Erregern gut zurecht, eine Infektion bleibt häufig unbemerkt. Die Symptome einer Listeriose ähneln denen einer Grippe: Es kann zu Fieber und Muskelschmerzen kommen, seltener auch zu Durchfall oder Erbrechen.

Gefährlich sind Listerien vor allem für Babys, Senioren und Menschen mit Immunschwäche: Bei ihnen kann die Infektion dazu führen, dass sich das Gehirn oder die Hirnhaut entzünden. Die Erreger können auch andere Organe befallen und sich weiter im Körper ausbreiten, sodass es zu einer Blutvergiftung kommt, die tödlich enden kann.

Auch Schwangere sind gefährdet: Die Infektion kann sich auf das Kind übertragen und zu Früh- oder Totgeburten führen. 

In welchen Lebensmitteln können Listerien vorkommen?

Zu den Lebensmitteln, in denen Listerien vorkommen können, zählen dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zufolge Räucherfisch, Rohmilch und Rohmilchprodukte, Käse, Aufschnittwurst, Rohwurst und rohes Hackfleisch. Bereits beim Melken oder Schlachten können Listerien in das rohe Fleisch oder die Rohmilch geraten. Sehr häufig gelangen die Bakterien allerdings während der Verarbeitung durch mangelnde Hygiene in die Lebensmittel, schreibt das BfR. Riskant sind daher Lebensmittel, in denen die Keime nach der Verarbeitung nicht mehr abgetötet werden - was etwa durch Erhitzen passiert.

+++ Hinweis: Infomationen zu aktuellen Rückrufen und Warnungen finden Sie hier +++

Wie kann man sich anstecken?

In der Regel stecken sich Menschen durch den Verzehr von verseuchten Lebensmitteln an. Aber auch durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren oder Menschen können sich die Bakterien verbreiten.

Was können Verbraucher tun?

Ob Lebensmittel mit Listerien verseucht sind, kann man weder riechen noch am Aussehen der Produkte erkennen. Wer durch einen Rückruf weiß, dass er verunreinigte Wurst oder Käse gekauft hat, sollte die Produkte entsorgen. Bei Fleisch ist es ratsam, dieses für mindestens zwei Minuten auf mehr als 70 Grad zu erhitzen, da die Bakterien dann absterben. Kühlen oder Gefrieren hilft hingegen nicht gegen die Keime.

Schwangere und Menschen mit einem geschwächten Immunsystem sollten auf Rohmilchprodukte (etwa Limburger oder Roquefort), rohes Fleisch (etwa Carpaccio oder Tatar) und geräucherte Fische (Räucherlachs oder Forelle) verzichten.

Generell ist Küchenhygiene das oberste Gebot: Lebensmittel im Kühlschrank in geschlossenen Behältern lagern, für rohes Fleisch und Gemüse ebenso wie für rohe und gegarte Lebensmittel unterschiedliche Schneidebretter verwenden und die Hände nach Kontakt mit rohen Lebensmitteln gründlich waschen und abtrocknen.

Lea Wolz / rös / ikr / mit DPA

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