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Tiere leiden unter Corona-Krise New Yorker Restaurantgäste machen unliebsame Begegnungen mit hungrigen Ratten

Ratten fressen Müll
Ratten ernähren sich vor allem von Essensresten und Müll
© Robert Mecea / Picture Alliance
Ratten sind in New York seit jeher ein Problem. Der Lockdown hat die Tiere in einen knallharten Überlebenskampf gestürzt. In der Not werden sie bei der Suche nach Fressen immer aggressiver.

Die Rattenplage ist ein uraltes Phänomen in New York. Zwar stimmt die alte Legende, wonach es im "Big Apple" mehr Ratten als Menschen gebe, wohl nicht. Doch nach einer wissenschaftlichen Erhebung von 2014 leben immerhin etwa zwei Millionen Ratten in der Stadt – das ist gemessen an der Bevölkerung von mehr als acht Millionen Menschen knapp ein Viertel.

Die Corona-Krise hat nicht nur die Menschen in New York hart getroffen, sondern auch die Ratten der Stadt. Die Tiere ernähren sich zu einem großen Teil von Essensresten, doch da während des Lockdowns die Restaurants schließen mussten, gab es deutlich weniger Futter als sonst. Im Überlebenskampf werden die Ratten in New York zunehmend aggressiv, auch, da nun die ersten Restaurants wieder geöffnet haben. Wie New Yorker Medien berichten, müssen sich in den Außenbereichen einiger Lokale die Gäste gegen hungrige Ratten wehren, die es auf ihr Essen abgesehen haben.

Folgen des Lockdowns: New Yorker Ratten kämpfen ums Überleben

Wegen der Corona-Vorsichtsmaßnahmen haben viele Restaurants die Plätze aus dem Innenbereich ins Freie verlegt: Dort hat das Coronavirus eine geringe Chance, sich zu verbreiten. Den Ratten kommt das wiederum entgegen. Nach der harten Zeit der vergangenen Monate wagen sie sich näher an die Gäste heran, um etwas zu fressen abzubekommen. Ein Restaurantbesitzer berichtete dem Sender NBC New York, dass einem seiner Gäste eine Ratte über den Schuh gelaufen sei.

Für Wissenschaftler ist das wenig verwunderlich. "Wenn man ihnen das Essen wegnimmt, zeigt jedes Säugetier sehr schnell abnormales Verhalten", erklärte der auf Nagetiere spezialisierte Biologe Bobby Corrigan der Plattform "Gothamist". Während des Lockdowns gab es in New York so wenige Beschwerden wegen Vorfällen mit Ratten wie noch nie. Die Tiere allerdings befanden sich in dieser Zeit in einem knallharten Überlebenskampf.

stern-Korrespondent Nicolas Büchse berichtet von einer Demo in New York.

Er habe Anrufe bekommen, berichtet Corrigan, in denen ihm Bürger erzählten, wie in ihrem Hinterhof Ratten miteinander spielten. Ein Irrglaube, sagt Corrigan: Es handele sich aller Wahrscheinlichkeit nach um hungrige Ratten, die aufeinander losgehen. "Am Ende wird jemand gefressen", so der Forscher.

Restaurantbesitzer fürchten um ihren Ruf

Dass die Restaurants nun seit einigen Wochen wieder geöffnet haben, macht das Überleben für die Ratten einfacher. Die Betreiber jedoch fürchten um ihren Ruf und ihre Einnahmen, wenn Gäste vor ihren Lokalen unangenehme Begegnungen mit den Tieren haben. Sie fordern deshalb von der Stadt, mehr Geld in die Müllbeseitigung zu investieren. 

Doch politisch scheint es dazu in nächster Zeit keine Anstrengungen zu geben – das Budget des Rattenbekämpfungsprogramms wurde vom Bürgermeister vor der Krise gekürzt. Also gehen einige New Yorker das Problem selbst an: Wie "NY1" berichtet, haben sich Gruppen von Rattenjägern gebildet, die sich an mehreren Abenden in der Woche auf den Weg machen, um Ratten zu erlegen. Experten gehen aber auch davon aus, dass sich die Population während des Lockdowns bereits auf natürlichem Wege verringert hat.

Quellen:"NBC New York" / "Gothamist" / "NY1"

epp

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