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"Jellyfish" muss schließen: Angriffe auf Hamburger Sterne-Restaurant: "Teure Speisen wurden aus den Kühltruhen gerissen"

Aus für ein Sterne-Restaurant in Hamburg: In den vergangenen Wochen wurde das Restaurant "Jellyfish" mehrfach von Vandalismus-Attacken heimgesucht. Jetzt gibt der Betreiber auf, ihm sei die Lust vergangen. Was ist passiert?

Jellyfish

Das Hamburger Sterne-Restaurant "Jellyfish" beugt sich der Gewalt: Nur noch wenige Tage ist das Lokal geöffnet

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Wenn ein Restaurant der Gewalt weicht: Gastronom Hauke Neubecker gibt nach vier Vandalismusattacken in den letzten Wochen auf und kündigt an, sein Hamburger Sterne-Restaurant noch in diesem Monat schließen zu wollen. Was ist passiert?

Das "Jellyfish" in Hamburg ist eins von 13 Sterne-Restaurants in der Hansestadt. Es ist beliebt für seine außergewöhnlichen Fischkreationen, wurde in diesem Jahr erneut mit einem Michelin-Stern bestätigt. Aber die jüngsten Vorfälle zwingen den Betreiber, den Laden zu schließen. Ihm sei die Lust vergangen, wie er mehreren Medien berichtet. Zehn Mitarbeiter, darunter der Sternekoch Stefan Barnhusen, verlieren ihren Arbeitsplatz. Die Kündigungen seien bereits ausgesprochen, wie Neubecker dem "Hamburger Abendblatt" sagte. 

Das Restaurant liegt am Rande der bekannten Sternschanze. In den vergangenen Wochen wurde das Jellyfisch viermal Opfer von Vandalismusattacken: Scheiben wurden eingeworfen, die Inneneinrichtung verwüstet. Mitte April gab es dann drei Anschläge in einer Woche: Die Täter versuchten vergeblich, die Tür aufzuhebeln. Sie zerschlugen eine Scheibe im Hinterhof, stahlen Rechner und Bargeld. Die Täter? Bislang tappt die Polizei noch im Dunkeln. Der Schaden war da bereits verursacht. Die Gastronomen mussten die Schäden reparieren lassen und konnten Gäste nicht mehr bedienen.

Speisen wurden aus den Kühltruhen gerissen

"Die Rentabilität des Jellyfish ist nach all diesen Attacken einfach nicht mehr gegeben“, sagte Neubecker dem "Abendblatt". "Was uns besonders stark getroffen hat, ist die Tatsache, dass teure und teilweise schon vorbereitete Speisen aus den Kühltruhen gerissen wurden. Dadurch ist ein immenser Schaden entstanden." Dabei geht es nicht nur um den finanziellen Schaden, sondern auch um die Mühe, die in den Produkten steckt. "In jeder Sauce steckt sehr viel Handwerk drin, die werden über Stunden von Kollegen hergestellt", sagte Neubecker der "Zeit". Der Gastronom glaube nicht, dass ihn jemand loswerden wollte. Bislang weiß man nicht, ob die Attacken zusammenhängen oder nicht.

Enttäuscht sei Neubecker von der Polizei. Er habe sich allein gelassen gefühlt, weil die Kriminalbeamten aus "ermittlungstechnischen Gründen" nichts sagen konnten. Es sei ein Armutszeugnis für Hamburg, wenn die Stadt eines seiner Sterne-Restaurants nicht ausreichend beschützen kann. Die Leidenschaft des Gastronoms sei auf alle Fälle erloschen, wie er der "Zeit" mitteilte. "Wenn ich in mich hineinhorche, ist dieses Feuer, diese Marke aufzubauen, nicht mehr da." Bis zum 17. Mai gibt es noch kreative Fischgerichte im "Jellyfish". Danach ist erstmal Schluss.

Quellen: "Jellyfish", "Abendblatt", "Zeit"

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