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Rezepte zum Nachkochen: Mehr mit Melone wagen

Melonen sind mit scharfen Messern und einem Kugelausstecher im Handumdrehen in milde Gerichte verwandelt.

Mehr mit Melone machen – Mehr mit Melonen machen

Ein substanzieller Salat aus Melone, Gurke, Tomaten und gegrilltem Käse

Am ersten Septembersonntag saß ich mit meinem Freund J. bei 30 Grad auf der Schattenterrasse eines Bukarester Cafés. Ohne Rücksicht auf jegliches Zartgefühl hatten wir in der Nacht zuvor bei einer Vampirhochzeit mitgefeiert. Entsprechend sahen wir aus. Durch die Menükarte schweifend fiel mein trüber Blick auf das "Melonen-Sorbet". Ich bestellte dieses Eis sofort auch deshalb, weil das Wort "Melone" so sanft und milde klingt und mir versprach, ein Sorbet aus dieser Frucht werde sich niemals in meinen Hirnwindungen verkanten. Zu eigenen Entscheidungen noch nicht fähig, bestellte J. knurrend das Gleiche. Das Sorbet kam. Pinkig-blassgelb in der Farbe, war es durch die Absenz von jeglichen Milch- und Ei-Bestandteilen frisch und reinigend. "Köstlich", knurrte J. und kippte noch einen Kaffee nach, von dem er in matter Kennerschaft versicherte, dieser sei sicher bosnisch. J. arbeitet in Sarajevo. Und langsam, langsam nahmen unsere Züge wieder jene Konturen an, die sie gemeinhin tragen.

Während ich dies schreibe, gefriert in meiner Tiefkühltruhe eine Sorbetmasse

"Wie machen Sie das?", fragte ich den Kellner, auf das Sorbet deutend. "Macht Maschine", antwortete der Mann. "Ja, aber ich meine das Rezept", hakte ich nach, "Honig-, Galia-, Charentais-Melone? Wie viel Zucker? Kommt Zitrone dran?" – "Wenn ich sage, mich Chef bringt um", sagte der Kellner mit starrem Gesichtsausdruck. Ich glaubte ihm. Es war der Balkan. Während ich dies schreibe, gefriert in meiner Tiefkühltruhe eine improvisierte Sorbetmasse, die ich am Ende verkosten werde und hoffentlich empfehlen kann.

Derweil verrate ich Ihnen einen erfrischenden, spätsommerlichen Melonensalat: Aus 2 EL Weißweinessig, 6 EL Olivenöl, einer guten Handvoll Basilikum, 1 TL Senf, 1 TL Zucker, Salz und Pfeffer mit dem Schneidstab eine Vinaigrette mixen. Sie süßsauer balanciert abschmecken. 400 g bunte Cherrytomaten halbieren, 1 Honigmelone halbieren und ausweiden. Das Melonenfruchtfleisch mit dem Kugelausstecher auslösen. 1 Schlangengurke streifig schneiden, also so, dass zwischen den entfernten Schalenstreifen noch ein dünner Steg verbleibt; das kann unregelmäßig aussehen, bloß keinen Stress – es soll später nur ein wenig Knurps vermitteln, mehr nicht. Die Gurke längs vierteln, entkernen und würfeln.

Honigmelonen längs oder quer halbieren, die Kerne herauslöffeln und die Frucht in Spalten schneiden

Honigmelonen längs oder quer halbieren, die Kerne herauslöffeln und die Frucht in Spalten schneiden

1 Halloumi (hitzebeständiger zypriotischer halbfester Käse, kommt abgepackt zu etwa 200 g) in Scheiben schneiden und diese braten oder grillen, bis sie hübsche braune Stellen oder sogar Grillmarks aufweisen. Die gemüsigen und die obstigen Salatzutaten mit der Vinaigrette mischen und anrichten, mehr Basilikumblätter darübergeben, sie mit den Halloumi-Scheiben anrichten und servieren.

Wie man der Melone was eintrichtert

Im Orchester der Früchte spielt die Melone den Part des Fagotts, das mit seinem mattsüßen Klang die hohen Töne etwa der Beerenfrüchte sonor unterstützt. Zudem bietet die Melone durch ihre Bauchigkeit den idealen Behälter für andere Früchte und ist zugleich Geschmacksuntergrund.

Das klingt jetzt womöglich intellektueller, als es die Frucht verdient, denn seien wir ehrlich, so eine Melone hat nicht gerade viel in der Birne und ausweislich ihrer vielen Kerne hat sie auch kaum mehr im Sinn als Fortpflanzung. Man kann das hinnehmen. Man kann die Melone aber auch in ihrer Bestimmung heben und ihr ein paar Flausen in den Kopf setzen. Indem wir sie ganz einfach füllen.

Dazu kaufen wir 1 Honigmelone sowie zusätzlich gut 100 g Früchte, je nach Angebot können das Himbeeren oder Blaubeeren sein, spätsortige Erdbeeren, Kirschen, auch reife Birnen. Jetzt, im Nachsommer, sind sie allesamt so optimal, wie sie auf der Nordseite der Alpen nur sein können. Die Früchte geben wir (evtl. gewürfelt) in ein Gefäß und trösten sie – in Hinsicht auf das, was ihnen in Bälde durch unsere Zähne blüht – mit einem Schwapp Maraschino; das ist ein leicht bittermandelig schmeckender, klarer Kirschlikör.

Derweil sich die Früchte berauschen, sägen wir der Melone die Hirnschale auf und hebeln ihren Deckel ab. Wir löffeln das Innere heraus und schaben die Innenwände sauber. Entweder schneiden wir der Melone nun anderen Endes noch einen Sockel, auf dass sie später gerade steht, oder wir besorgen gestoßenes Eis (Tanke), damit wir die Melone dort hineinsetzen können.

Wir füllen die Melone mit den Früchten samt Likör und bestreuen das Füllsel mit 1–2 TL Zucker, der nun über den Verlauf der nächsten 2 Stunden zergeht – so lange nämlich stellen wir die Sache in den Kühlschrank. Derart ausgestattet, hat die Melone Besseres vor, als sich lediglich zu vermehren. Sie wird uns auf der spätsommerlichen Terrasse beglücken, indem wir die Früchte auf Teller verteilen und das weiche Melonenfleisch herauslöffeln und dazufügen.

Das gemütlichste Eis der Welt

Wie war das nun mit dem Sorbet? Ich habe 1 Cantaloupe-Melone geschlachtet, entkernt und ihr das weiche Fruchtfleisch von der Schale geschnitten. Das habe ich zusammen mit 2 EL Puderzucker und 1 EL Zitronensaft in der Küchenmaschine liquidiert, die Masse in eine Metallschale gegossen, dann in meinen Tiefkühlschrank gestellt und dort alle halbe Stunde gnadenlos durchgerührt, wobei sie einen zunehmend schneematschigen Eindruck macht. Nach etwa 3 Stunden hat die Masse die semifeste Konsistenz, dass sie sich mit dem Eiskugelportionierer zu Bällchen formen und in Glasschalen füllen lässt. Mehr muss man nicht tun für ein Sorbet. Wer sie hat, nimmt natürlich eine Eismaschine.

Ich probiere ... und das Sorbet schmeckt. Pur, wie es ist, lässt es sich schon sehr erfrischend essen. Aber keiner hindert mich, sehr wenig sehr fein geschnittene Minze darüberzustreuen und ein Löffelchen Triple Sec dazuzugießen.

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