VG-Wort Pixel

Rote Chilisauce Aus nur drei Zutaten und seit 150 Jahren gleich – wie Tabasco die Welt eroberte

Tabasco
700.000 dieser Tabasco-Fläschchen werden jeden Tag produziert. Alle am gleichen Ort.
© Tabasco
Die Rezeptur von Tabasco ist kein Geheimnis: Man benötigt dafür nur drei Zutaten. Seit 150 Jahren hat sich der Tabasco kaum verändert. Die scharfe rote Sauce wird immer noch von der Familie gemacht, die sie einst erfand. Und sie hat die ganze Welt erobert.

Um 1868 säte Edmund McIlhenny Chilisamen aus und dachte sich nichts weiter dabei. Mit den roten Chiliflocken verfeinerte sein Essen. Ganz zufällig legte er ein paar davon in Salz ein. Und vermengte die fermentierten Chilis mit Essig. Im Jahr darauf füllte er 658 Fläschchen ab und verkaufte sie für einen Dollar an Händler an der Golfküste. Dass daraus eine weltweit bekannte Marke werden würde, hätte er sich wohl nie vorstellen können. Dennoch wusste er bereits, dass seine Sauce gut ankam. 1870 meldete er das Patent für "Tabasco" an; der Name stammt von den Indigenen Mexikos und heißt so viel wie "Ort, an dem die Erde feucht ist". 

Bereits um 1880 reiste McIlhennys Chilisauce um die Welt und wurde in Indien in Suppen verwendet. Das geht aus einem Brief von Soldaten hervor, der im Besitz der Nachfahren von McIlhenny ist, wie Harold Osborn, leitender Vizepräsident und Tabasco-Familienmitglied, dem stern im Gespräch verrät.

Harold Osborn ist der Ur-Ur-Urenkel von Edmund McIlhenny. Gemeinsam mit zwei anderen Cousins, auch Nachfahren des Gründers des Chiliimperiums, ist der Tabasco seit jeher in Familienhänden. Jeden Tag prüft einer der drei die Maische aus zerstampften Chilischoten, die mit Salz versetzt sind, auf Aroma, Farbe und Geruch. Dann kommt sie für drei Jahre in alte Bourbon-Fässer; erst danach wird Essig hinzugefügt und mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt. "Die Rezeptur ist bis auf ein paar Optimierungen gleich belieben". Der Ur-Ur-Urgroßvater hat die Chilisauce noch in Olivenfässern aus Keramik fermentiert. Und einen einfachen Essig anstatt eines edlen selbst destillierten Essigs verwendet. Ansonsten ist der Inhalt der Tabasco-Flasche seit 150 Jahren gleich. Und der alte McIlhenny würde sein Produkt wiedererkennen, so Harold Osborn.

Tabasco wird in über 190 Ländern verkauft

Heute gibt es Tabasco vom Nord- bis Südpol, im All (Nasa) und in über 190 Ländern. Etwa 700.000 60-Milliliter-Flaschen werden jeden Tag produziert: "Das sind mehr als Edmund McIlhenny in seinem ganzen Leben gemacht hat", sagt Osborn. Es gibt keine Unterschiede in der verwendeten Rezeptur. Somit gibt es überall auf der Welt genau die gleiche Tabascosauce. Und all das wird in einer Fabrik auf Avery Island, in Louisiana, etwa 200 Kilometer westlich von New Orleans entfernt, produziert. Hier arbeiten 210 Mitarbeiter und füllen alle weltweit verkauften Tabascoflaschen ab. Nur für all die benötigten Chilipflanzen ist hier kein Platz. Es werden zwar Pflanzen gezüchtet, aber nur für die Samen. Die besten Samen werden getrocknet und in einem Tresor sicher verwahrt – für nachkommende Generationen und um die Qualität des Tabascos zu gewährleisten. Der Rest der Samen wird zu kleinen Farmen in Mittelamerika und nach Afrika geschickt. Dort werden jedes Jahr fünf Millionen Kilo Chilis geerntet und zurück nach Avery Island geschickt.

So unterschiedlich die Essgewohnheiten der Menschen, so häufig findet der Tabasco Einsatz. "In Japan isst man Tabasco zu Pizza und Pasta, in Frankreich im Tartar, in England gibt es viele Drinks auf Tabasco-Basis wie Bloody Mary, in Ungarn gibt man die rote Sauce ins Gulasch, im Mittleren Osten ins Hummus." Die Variationen gehen ins Endlose. Junge Konsumenten experimentieren mit der Chilisauce und aromatisieren neue Produkte damit. Beispielsweise Bier, Schokolade oder sogar Eiscreme.

Deutschland und die USA sind die größten Abnehmer der Chilisauce und auch der wichtigste Markt, aber in Guam, einer Insel im westpazifischen Ozean, die zu den USA gehört, wird am meisten Tabasco pro Kopf konsumiert. Eine Person kommt auf eine 60-Milliliter-Flasche pro Jahr. Das ist enorm.

Die ungewöhnlichste Verwendung von Tabasco kennt Osborn von einigen Verwandten: "Sie geben einen Schuss Tabasco in ihren Kaffee oder sogar in Limonade". Er esse die Sauce am liebsten zu Rühreiern am Morgen. Aber auch zu Sauerkraut, Senf oder Austern. 


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker