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Unwürdige Massentierhaltung: Tim Mälzer über Billigfleisch in Discountern: "Krankhafte Tendenz"

Steaks und Würstchen werden im Discounter und Supermarkt oft zu Spottpreisen angeboten – als Köder für Kunden. Tim Mälzer findet das "alles sehr unwürdig". Mit dem stern sprach der TV-Koch über billiges Fleisch, den Wandel der Esskultur und unwürdige Tierhaltung.

Tim Mälzer verteufelt Billig-Fleisch in Discountern

Billiges Fleisch in Discountern und Supermärkten: "Alles sehr unwürdig", findet Starkoch Tim Mälzer

Darf ein 600-Gramm-Nackensteak für nur 1,99 Euro verramscht werden? Darüber diskutierten in der vorherigen Woche auf der Facebookseite von Aldi Süd Kunden und Gegner des Discounters. Auslöser war der Post des Facebook-Nutzers Dominik Boisen. Der das Aldi-Angebot mit drastischen Worten wie "billigster Dreck" angeprangert hat.

Dass Fleisch oft zu billigen Kampfpreisen auf den Markt geworfen wird, so wie es der Discounter vorgemacht hatte, sei eine krankhafte Tendenz, beklagt Starkoch Tim Mälzer in einem Interview mit dem stern. "In dieser Spirale gibt es nur Verlierer. Die Tiere werden unter unwürdigen Bedingungen gehalten, und beim Bauern bleibt finanziell auch kaum noch was hängen. Alles sehr unwürdig."

Tim Mälzer fordert mehr Transparenz

Mälzer fordert eine transparente Lebensmittelkennzeichnung von Fleisch in Deutschland. "Es gibt keine Transparenz für den Konsumenten, damit er bestimmte Kaufentscheidungen treffen kann", sagte der TV-Koch dem stern. Während in der Schweiz bestimmtes Fleisch mit dem Hinweis, dass es Spuren von Hormonen enthalten kann, ausgezeichnet wird, fehle hierzulande eine transparente Kennzeichnung, was man für Fleisch kaufe. "Hätten wir eine solche Hinweispflicht, würde sich der Konsum radikal ändern", glaubt Mälzer. Ein gutes Vorbild dafür sei die Auszeichnung bei Eiern, die nach verschiedenen Güteklassen angeboten werden. Das habe dazu geführt, dass eine komplette Haltungsform von Hühnern fast verschwunden sei.

Der Deutsche isst zu viel Fleisch

Tim Mälzer selbst, der immer noch im Ruf steht, ein leidenschaftlicher Fleischesser zu sein, sagte zudem, dass er nur noch zwei Mal die Woche Fleisch esse. Er sei kein Heiliger, auch mal eine Currywurst gehöre für ihn zur Esskultur, aber ihn befremde, dass Fleisch ein jeder Zeit verfügbares Produkt geworden sei. Mälzer: "Du bekommst heute ja sogar dein Rinderfilet an der Nachttankstelle. Ich glaube, ich habe erst mit Anfang 20 mein erstes Rinderfilet gehabt. Früher war Fleisch etwas Besonderes, da gab es nur den Sonntagsbraten."

Tatsächlich essen die Deutschen nach wie vor große Mengen Fleisch – ein Deutscher verspeist im Durchschnitt von 80 Lebensjahren rund 748 Tiere – 661 Hühner, 45 Schweine, 31 Enten, fünf Gänse, drei Schafe und drei Rinder. Auf die Frage, ob das zu viel sei, sagte Mälzer: "Ich finde schon. Das liegt wahrscheinlich daran, dass Fleisch ein Massenprodukt geworden ist."

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dsw