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US-Restaurantbesitzer erlebt Shitstorm: Aufregung um Ketchup-Verbot

Über diesen Restaurantbetreiber aus Florida regen sich viele Amerikaner auf: Wer älter als zehn ist, bekommt bei Xavier Duclos keinen Ketchup. Und auch kein Salz zum Nachwürzen.

Von Sonja Helms

Ketchup ist in den USA das zweitbeliebteste Würzmittel - nach Mayonnaise. In vielen Restaurants steht es neben Salz und Pfeffer mit auf dem Tisch.

Ketchup ist in den USA das zweitbeliebteste Würzmittel - nach Mayonnaise. In vielen Restaurants steht es neben Salz und Pfeffer mit auf dem Tisch.

Dass seine simple Weigerung, Ketchup herauszugeben, ihm einmal so viel Ärger einbringen würde, hatte Küchenchef Xavier Duclos sicher nicht geahnt. Doch Ketchup ist nach Mayonnaise das zweitbeliebteste Würzmittel in den USA - der Aufschrei somit nicht unbedingt überraschend. Es ist vielmehr verwunderlich, dass es so lange gedauert hat, bis jemand darauf aufmerksam geworden ist.

Es sieht auch so aus, dass Duclos mit seinem Vorstoß niemanden direkt angreifen, sondern vielmehr seine Arbeit, sein Werk schützen wollte. Denn das "Mad Fresh Bistro", das er seit Oktober 2012 in Fort Myers, Florida, zusammen mit zwei Partnern betreibt, setzt auf hochwertige Lebensmittel und verspricht seinen Gästen "frischeste Meeresfrüchte, großartige Fladenbrote, köstliche Burger und gesunde Salate". Industrie-Ketchup passt da offenbar nicht ins Konzept.

Koch als Künstler

Das ist vielleicht verständlich, wenn man sich darauf einlässt, dass sich mancher Koch nicht nur als Handwerker oder Dienstleister versteht, sondern als Künstler, der seine Kreation nicht verfälscht wissen will. Oft feilen solche Köche tage- oder wochenlang an einem Gericht herum, experimentieren, verwerfen, kombinieren neu und verfeinern so lange, bis ihnen das Ergebnis perfekt erscheint. Wenn ein Gast dann einfach eine Industriesauce auf ihr Werk klatscht, schmerzt ihn das.

So jedenfalls kann es Duclos empfunden haben, als er beschloss: Jeder, der älter als zehn ist, bekommt im "Mad Fresh Bistro" keinen Ketchup, um etwa die Pommes oder einen Burger zu würzen - nicht einmal auf Nachfrage. Einen Salzstreuer wird man ebenso wenig auf dem Tisch finden, ist auf der Website zu lesen. "Wir bitten Sie, uns einfach zu vertrauen", versucht er zu beschwichtigen. "Wir wissen, was wir tun!"

Nerv getroffen

Kurios an der Geschichte ist: Rund zwei Jahre lang kümmerte das offenbar niemanden. Duclos ist auch nicht der Einzige, der das so handhabt, auch andere Restaurants verweigern ihren Gästen Ketchup. Doch erst als Ende August eine Food-Journalistin von Yahoo News das Phänomen aufgegriffen und ihn dabei als eines von mehreren Beispielen erwähnt hatte, erlebte der Koch den Shitstorm seines Lebens. Viele der folgenden Medienberichte konzentrierten sich auf ihn.

Die Autorin muss mit ihrer Beobachtung einen Nerv getroffen haben, denn die Leser machten ihrem Ärger in mehr als 1700 Kommentaren Luft. Viele reagierten regelrecht beleidigt und verstanden das Verbot so, dass es kindisch und dumm wäre, Ketchup zu mögen. Warum sonst war die Ausgabe an ein Alter gebunden? Sie warfen dem Koch Selbstherrlichkeit, Arroganz und Dekadenz vor, fühlten sich durch das "Verbot" bevormundet und pochten darauf, selbst entscheiden zu können, was ihnen schmeckt.

"Es tut mir Leid, aber wenn ich für ein Essen Geld ausgebe und Ketchup haben möchte, ist das meine Angelegenheit, und zwar unabhängig davon, wie alt ich bin", empört sich eine Userin namens "Angelina". Und "Michelle" ergänzt: "Meiner Meinung nach sollte das Ziel eines Küchenchefs sein, ein Essen zu servieren, das der Gast genießen kann, und nicht, ihn zu zwingen, für sein Ego zu bezahlen." Und "Cynthia" schreibt: "Egoistische Küchenchefs (...) müssen entscheiden, ob sie ein Geschäft betreiben, in dem sie Essen verkaufen, oder eines, in dem sie die Gaumen der Gäste erziehen wollen."

Zuspruch von Fans seiner Küche

Auf der Facebookseite des Restaurants bekommt Duclos jedoch auch Zuspruch. "Hör nicht auf die Trottel, die sich darüber beschweren, keinen Ketchup zu bekommen. Sie können ihre kulinarischen Abscheulichkeiten woanders pflegen", schreibt einer, und ein anderer: "Es muss einen Grund geben, warum dieses Restaurant glaubt, sein Essen sei viel besser als Ketchup. Das interessiert mich sehr und ich werde es demnächst einmal ausprobieren."

Klar ist: Hier geht um weit mehr als nur um das Essen, es hat fast Auswüchse eines Klassenkampfes. Wie sich diese Empörungswelle letztlich auf Duclos Geschäft auswirken wird, bleibt abzuwarten. Immerhin ist der Laden jetzt in aller Munde.

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