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Online-Einkauf: Auf dem Bauernhof einkaufen? Das geht jetzt mit einem Mausklick!

Das Bewusstsein für gute Lebensmittel wächst stetig. Das motiviert vor allem junge Unternehmer kleiner Betriebe dazu, ein Geschäft daraus zu machen. Und somit die digitale Welt mit der ländlichen zu verbinden.

Wer abends nach der Arbeit auf dem Nachhauseweg ist, stellt sich immer wieder die gleiche Frage: Was koche ich heute Abend nur? Die Auswahl im Supermarkt ist meist gleich, vor allem, was das Gemüse- und Obstangebot angeht. Klar gibt es auch dort saisonale Unterschiede. Aber so richtig frisches, krummes, natürliches Gemüse oder Obst vom kleinen Bauern findet man selten. Vielleicht noch im Bio-Supermarkt.

Junge Unternehmer möchten das ändern und nutzen das wachsende Interesse an guten Lebensmittel für sich. Vor allem in Großstädten ist zu beobachten, dass sich der urbane Mensch nach natürlichen Produkten sehnt. So ging es auch Juliane Eichblatt und Eva Neugebauer. Beide haben ländliche Wurzeln und wunderten sich schon oft darüber, warum es so schwierig ist, in der Stadt an gute, regionale Produkte zu kommen. Ein Grund dafür ist, dass Bauern nicht unbedingt den Kontakt zur Großstadt haben, was den Direktverkauf an Städter erschwert. Das konnte Eichblatt bei ihrem Vater sehen, der in einem klassischen landwirtschaftlichen Betrieb arbeitet. Und hier kommen die beiden 26-jährigen BWLerinnen ins Spiel.

Schnittstelle zwischen Bauern und Großstädtern

Sie wollen die Schnittstelle zwischen Bauern und Großstädtern sein. "Ich konnte die schlappen Salatköpfe im normalen Supermarkt nicht mehr kaufen. Schließlich weiß ich, wie geil gute Produkte schmecken können", so Eichblatt. So kamen die beiden jungen Unternehmerinnen auf die Idee, das soziale Unternehmen Frischepost in Hamburg zu gründen.

Das Motto "Direkt vom Acker auf den Küchentisch" sollte dabei oberstes Gebot sein. Und vor allem auch die Stärkung der Region. Im Umkreis von 100 Kilometern suchten sie nach Produzenten, familiengeführten Betrieben und Manufakturen, die nachhaltig anbauen, nicht immer ausdrücklich biozertifiziert, aber mit einem Standard, den die Jungunternehmerinnen streng festlegen.

"Wir möchten, dass der Kunde bei jedem Produkt die Geschichte dahinter kennt und auch weiß, wer der Produzent ist", sagt Eichblatt. So können Brote von der Demeter-Bäckerei Bahde aus Nessdeich, Milchprodukte vom Hof Dahlmann in Dohren, Fleisch- und Wurstprodukte vom Bio-Fleischermeister Schröder aus Schwarzenbek oder Äpfel vom Obstbauer Lasse Tamke aus dem Alten Land bezogen werden.

Frische Lebensmittel direkt vor die Haustür

Der Service ist seit April online. Auf der übersichtlichen Website bekommen die Kunden Infos zu den Erzeugern und können ganz klassisch einkaufen. Jeden Donnerstag kommt die Frischepost mit Elektrofahrzeugen zum Verbraucher. Die Produkte werden morgens ins Lager angeliefert, wie zum Beispiel die Milch vom Hof Reitbrook, die noch am selben Morgen frisch gemolken wird. Frischer geht es wirklich nicht. 

Was bestellt wird, wird auch ausgeliefert - nichts landet bei Frischepost im Mülleimer. Wer mag, kann die Lebensmittelbox übrigens auch direkt im Lager in der Speicherstadt abholen und spart sich damit die Lieferkosten.

Vorreiter aus Berlin

Die Idee dahinter ist jedoch nicht neu: Das Start-up Bonativo aus Berlin bietet bereits seit Mitte Januar regionale Lebensmittel aus dem Berliner Umland an. Jedoch arbeiten diese auch mit Großhändlern zusammen und das EU-Biosiegel oder das Demeter-Emblem fehlt bei gut einem Fünftel der Produkte. 

Ein weiteres Berliner Start-up ist obergudt, gewissermaßen ein virtueller Marktplatz, auf dem sich der Verbraucher ganz genau über die jeweiligen Produzenten und deren Produkte informieren und direkt beim Erzeuger bestellen kann. Der Zwischenhändler entfällt bei diesem Konzept komplett. So soll gewährleistet werden, dass die Produzenten selbstbestimmt und unabhängig wirtschaften können. Das Start-up obergudt fungiert dabei als Vermittler und unterstützt die Produzenten in logistischen Bereichen.

Was alle drei Unternehmen vereint, ist ein frisches, modernes Design, das vor allem junge Leute ansprechen soll. Und die Liebe und Leidenschaft für gute Lebensmittel. Ein Trend, der dazu prädestiniert ist, die Nische zu verlassen.

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