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Schlachtbetrieb Das Schweinesystem kommt an seine Grenzen

Schweine im Stall
Weil der Tönies-Schlachtbetrieb in Rheda-Wiedenbrück geschlossen ist, stauen sich die Schweine in den Ställen.
© narvikk / Getty Images
Der größte Schlachthof Deutschlands ist weiterhin im Lockdown, die Produktionskette stockt. Weil weniger Tiere geschlachtet werden können, droht der Platz in den Ställen eng zu werden. Die Halter fühlen sich allein gelassen und fordern einen Zeitplan.

Der Betrieb auf dem größten deutschen Schlachthof ruht. Seit rund zwei Wochen geht auf dem Tönnies-Hof im westfälischen Rheda-Wiedenbrück im Kreis Gütersloh wegen des Corona-Ausbruchs nichts mehr. Wann und wie es dort weitergehen kann, ist unklar.

Das hat Folgen für die Schweinehalter in ganz Deutschland. Weil auf dem Schlachthof laut Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschland (ISN) normalerweise 12 bis 14 Prozent aller deutschen Schweine geschlachtet werden, bekommen die Halter nun immer größere Probleme. 

Mehr Schweine als sonst in den Ställen

Die Schweine stauen sich in den Ställen. Laut ISN sind derzeit wöchentlich bis zu 100.000 Schweine mehr als sonst in den Ställen. Andere Schlachthöfe können das Mehr an Tieren auf die Schnelle nicht auffangen, wie Gero Röhlmann, Schweinehalter im Münsterland mit 8.500 Mastplätzen, der "Zeit" berichtet. Weil viele Betriebe derzeit nur auf 80 Prozent arbeiteten und Arbeitskräfte fehlen, habe er zuletzt nur ein Drittel der Tiere, die sonst in dem Tönnies-Betrieb geschlachtet worden wären, zu anderen Schlachthöfen bringen können. Der Rest der Schweine muss weiter bei ihm bleiben. Sie nehmen den Ferkeln, die in den Mastbetrieb nachrücken, den Platz weg.

Mit jedem Tag, an dem ein schlachtreifes Schwein nicht zu Fleisch verarbeitet wird, wird es in den Ställen enger. Für die Landwirte sei das ein unhaltbarer Zustand, zumal sie noch nicht einmal ansatzweise wüssten, wie es weitergehe, sagt Heinrich Dierkes, Vorsitzender von ISN: "Damit lässt man uns Bauern einfach im Regen stehen". Die Interessengemeinschaft fordert daher einen Zeitplan für die Wiederaufnahme des Betriebs. 

Der Wert fürs Fleisch sinkt

Es ist nicht die Platznot allein, welche die Schweinehalter plagt. Es geht auch ums Geld. Werden weniger Tiere geschlachtet, können die Halter auch weniger verkaufen. Dazu komme, wie Tony Roob, geschäftsführender Vorstand der Produktivgenossenschaft Leezen bei Schwerin, der "Zeit" berichtet, dass der Wert des Fleisches sinke, wenn die Tiere schwerer werden.

Geschlachtet werde, wenn die Tiere ein Lebendgewicht von 125 Kilogramm auf die Waage bringen. Das ist nach etwa 100 Tagen im Mastbetrieb der Fall. Durch jeden zusätzlichen Tag bekämen die Tiere weitere Pfunde auf die Knochen. In der Endmast sind es in zehn Tagen etwa zehn Kilo. Ab 135 Kilogramm Lebendgewicht fallen die Schweine, so Roob, in eine andere Fleischklasse und der Erlös der Halter sinkt um 35 bis 40 Prozent. Der Tönnies-Betrieb ist inzwischen seit mehr als zwei Wochen geschlossen.

Geleaktes Video aus Tönnies-Fleischfabrik

Vor dem Lockdown wurden in dem Tönnies-Schlachthof 30.000 Schweine täglich geschlachtet. Durch die Schließung werden die meisten Tiere nun auf andere Schlachthöfe des Unternehmens wie zum zweitgrößten Betrieb in Weißenfels in Sachsen-Anhalt verteilt. Eine Notlösung, die nicht ohne Kritik bleibt. Denn das, geht auch zu Lasten der Tiere.

So befürchtet Denise Weber, Sprecherin vom Deutschen Tierschutzbüro, "dass nun deutlich mehr Tiere in Weißenfels geschlachtet werden und dass aufgrund der Masse und des Akkordes noch mehr Tiere leiden".

Quellen:Die Zeit, DPA

tpo

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