VG-Wort Pixel

Warentest prüft Hanf-Präparate Wundermittel oder doch nur Quatsch: Welche Wirkung haben CBD-Produkte?

CBD-Öl
CBD-Öl gehört zu den beliebtesten Hanf-Präparaten. 
© ArtistGNDphotography / Getty Images
Ob gegen Migräne oder Einschlafprobleme, Stress oder seelisches Ungleichgewicht - CBD-Produkte versprechen die Leiden zu lindern. Das Geschäft mit den Hanf-Präparaten boomt. Warentest war skeptisch und hat sich die Produkte genauer angesehen.

Sie sollen Stress mindern, beim Einschlafen helfen, entzündungshemmend wirken - glaubt man den Versprechen der Hersteller, ist Cannabidiol (CBD), der nicht psychoaktive kleine Bruder von THC, eine Art Wundermittel. Aber halten die Hanf-Produkte, womit sie werben? Stiftung Warentest hat 17 Produkte unter die Lupe genommen, darunter Öle, Kapseln, Pulver, auch ein CBD-Verdampfer wurde getestet, Studien gesichtet. Am Ende waren sich die Tester einig: Finger weg von Hanf-Produkten.

Das liegt vor allem an mangelnden Beweisen. Vieles in Bezug auf Wirkung und Sicherheit von CBD ist noch nicht geklärt. Laut den Testern liegen bislang nur für zugelassene Medikamente mit CBD wissenschaftliche Belege zu den Effekten vor. Bekannt ist allerdings, dass Cannabidiol durchaus wie ein Medikament wirken kann. "Grob vereinfacht, kann man sich die Wirkung als eine Art Rückwärtsbremse vorstellen, die eine Überregung von Nerven behindert", zitiert "Warentest" Pharmazeutin Birgit Schindler. Ein Beispiel: Wer sich aufregt, könnte durch CBD zur Ruhe kommen. Es kommt aber auch vor, dass CBD einen gegensätzlichen Effekt hat, die Aufregung sogar noch gesteigert wird. Für die Tester ist das zu unsicher, sie kommen zu dem Ergebnis, dass Hanf-Produkte nicht sinnvoll seien und sogar gesundheitlich riskant.

CBD versus THC

Anders als Tetrahydrocannabinol (THC) hat CBD keine rauschhafte Wirkung, "high" kann man davon nicht werden. Allerdings stellten die Tester fest, dass in den Produkten eben nicht nur CBD steckte, sondern durchaus auch THC. Meist zwar nur "in Spuren", in vier der 17 Test-Produkte aber in Dosen, bei denen nicht gesichert sei, "dass keine psychogenen oder psychomotorischen Effekte auftreten".

Auffällig diesbezüglich waren die Öle von Canobo, Duowell sowie die Kapseln der Anbieter Hempamed und Natcan. Vor allem letztere fielen den Testern negativ auf. Diese überschreiten den Wert, den die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit für unbedenklich angibt, um mehr als das Zehnfache. High wird man von diesen Mengen aber noch lange nicht. In medizinischen THC-Produkten wird mit weit höheren Dosen gearbeitet.

Verdampfer als Joint-Ersatz?

Wer Joints raucht, setzt auf die Wirkung von THC. Auch CBD kann inhaliert werden. Dafür werden sogenannte Verdampfer angeboten, die ähnlich der E-Zigarette funktionieren. Zu Dampf gemacht wird CBD-haltiges Öl, das mit Aromastoffen versehen ist. "Warentest" zeigt sich von der Methode nicht überzeugt und rät vom Gebrauch ab.

Problematisch schätzen die Tester die Inhalation von öligen Substanzen ein. Dies berge hohe Risiken, manche könnten "schwere Atemwegserkrankungen oder langfristige Schäden" verursachen. 

Warentest prüft Hanf-Präparate: Wundermittel oder doch nur Quatsch: Welche Wirkung haben CBD-Produkte?

Legal oder illegal?

Rechtlich gesehen sind CBD-Produkte in Deutschland nicht zugelassen und dürfen laut Warentestern auch nicht verkauft werden. Bislang bewegt sich der Handel mit CBD-Produkten in einer Grauzone. Von einer Einstufung als Betäubungsmittel hat die EU-Kommission inzwischen Abstand genommen, da CBD keine psychotrope Wirkung habe. Stattdessen teilte die EU 2020 mit, dass CBD als Lebensmittel angesehen werden könne. Das führte zu einer Welle von Zulassungsanträgen, die noch geprüft werden.

Eine Möglichkeit für Hersteller dieser Produkte wäre die Zulassung von CBD als sogenanntes "Novel Food" (neuartiges Lebensmittel). Dafür müssen die Hersteller die gesundheitliche Unbedenklichkeit allerdings nachweisen. Studien, die sich beispielsweise mit CBD in Nahrungsergänzungsmitteln befassen, habe "Warentest" weder gefunden, noch von den Herstellern zur Verfügung gestellt bekommen. Etliche Produkte, die bereits im Handel erhältlich waren, sind inzwischen verboten worden - so auch vier, die "Warentest" prüfte.

Die Übersicht über die Ergebnisse der getesteten Hanf-Produkte können Sie auf test.de kostenpflichtig nachlesen.

tpo

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker