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CO2-Emissionen verringern Maßnahme gegen den Klimawandel: Umweltschützer fordern Tempolimit für Schiffe

Containerschiff "Cosco Shipping Aries"
Das Containerschiff "Cosco Shipping Aries"
© Daniel Bockwoldt / DPA
Gibt es bald ein Tempolimit auf dem Meer? Umweltschützer sprechen sich dafür aus, um die CO2-Emissionen durch Schiffe zu verringern. Die Reaktionen in der Branche sind gespalten.

Kaum ein Thema wird in Deutschland so emotional diskutiert wie ein mögliches Tempolimit auf Autobahnen. Wenn es nach Meeresschützern geht, sollte eine ähnliche Debatte auch über Schiffe geführt werden. Die Meeresschutzorganisation Oceancare fordert, dass Schiffe langsamer unterwegs sein sollen, um Treibhausgase einzusparen.

"Schon eine Temporeduktion von 10 Prozent macht enorm viel aus. Wenn die globale Flotte nur 10–20 Prozent langsamer fährt, stößt dies 13 bis 24 Prozent weniger Treibhausgase aus,“ sagt Nicolas Entrup, Co-Leiter Internationale Zusammenarbeit von Oceancare. Die Schifffahrt gilt als große Belastung für die Umwelt: Dem aktuellen Bericht der Europäischen Agentur für die Sicherheit des Seeverkehrs (EMSA) und der Europäischen Umweltagentur (EEA) zufolge waren Schiffe 2018 für 13,5 Prozent aller Treibhausgasemissionen durch den Verkehr in der EU verantwortlich.

Umweltschützer: Tempolimit für Schiffe "sofort umsetzbar"

77 Prozent des europäischen Außenhandels und 35 Prozent des gesamten Handelswertes zwischen EU-Mitgliedstaaten verlaufen auf dem Seeweg – Tendenz steigend. Gleichzeitig spitzt sich die Klimakrise immer weiter zu. Als Lösung dieses Dilemmas schlagen Umweltschützer ein Tempolimit für Schiffe vor. "Es ist nicht nur sofort umsetzbar, sondern hat auch den größten Effekt auf Klima und Umwelt. Der große Vorteil dieser Maßnahme ist, dass keine teuren Investitionen in neue Technologien erforderlich sind", sagt Oceancare-Experte Entrup.

Naturwissenschaftlich betrachtet ist die Gleichung relativ einfach: Bei geringerem Tempo gelangen weniger schädliche Treibhausgase in die Luft. Ein weiteres Problem ist der Unterwasserlärm, den die Schiffe erzeugen und der Meereslebewesen auf unterschiedliche Weise beeinträchtigen kann. Auch dieser könnte bei langsameren Fahrten abklingen. Schon jetzt haben einige Reedereien und Kreuzfahrtunternehmen ihre Geschwindigkeit reduziert, berichtet "T-Online". Allerdings müsse eine solche Maßnahme staatenübergreifend geschehen, um Wirkung entfalten zu können, meint Oceancare.

Auswirkungen auf den Welthandel

Fraglich ist allerdings, ob bei langsamerem Tempo die Lieferketten aufrechterhalten werden können. Nach wie vor ist die Bedeutung der Schifffahrt im Welthandel immens. Müssten die Schiffe langsamer fahren, könnten eventuell mehr Fahrten notwendig werden – was im Endeffekt sogar zu noch mehr Emissionen führen könnte, warnt der Verband Deutscher Reeder. Allerdings gibt es in der Branche auch andere Stimmen: So forderten 120 Reeder schon 2019 in einem Brief an die Uno-Schifffahrtsorganisation IMO ein Tempolimit auf den Meeren.

Eine Umsetzung dieser Vorschläge ist bisher jedoch nicht in Sicht. Trotzdem hat sich die Schifffahrt große Ziele gesteckt: Bis 2050 sollen die globalen CO2-Emissionen mindestens halbiert werden.

Quellen: Oceancare / "T-Online" / Brief von Reedern an die IMO / IMO

epp

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