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Klimawandel Oxfam: Soziale Ungleichheit beim CO2-Ausstoß – Superreiche leben wie "ökologische Vandalen"

Ein Geschäftsmann sitzt in einem Privatflugzeug
Laut Oxfam sind Superreiche "ökologische Vandalen", zum Beispiel durch die Nutzung von Privatflugzeugen oder Megajachten
© Vasyl Dolmatov / Getty Images
Superreiche verursachen deutlich mehr CO2-Ausstoß als der ärmere Teil der Weltbevölkerung. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Organisation Oxfam. Das reichste Prozent werde demnach bis 2030 für 16 Prozent der globalen Gesamtemissionen verantwortlich sein.

Oxfam hat den exzessiven CO2-Verbrauch der Superreichen weltweit angeprangert. Diese leben wie ökologische Vandalen, wie es in einer Studie des internationalen Verbundes von Hilfs- und Entwicklungsorganisationen heißt, die an diesem Freitag veröffentlicht wurde. Sie verursachen demnach zigfach mehr Treibhausgase als der Rest der Menschheit. Dagegen bleiben die Pro-Kopf-Emissionen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung auch 2030 weit unter der angestrebten 1,5-Grad-Grenze bei der Erderhitzung. Die reichsten zehn Prozent überschreiten andererseits 2030 den Wert voraussichtlich um das Neunfache, das reichste Prozent sogar um das 30-Fache.

Die Studie "CO2-Ungleichheit im Jahr 2030: Pro-Kopf-Emissionen und das 1,5-Grad-Ziel" wurde von Oxfam auf der Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow vorgestellt. Sie beruht nach Angaben der Entwicklungsorganisation auf Untersuchungen des Instituts für Europäische Umweltpolitik (IEEP) und des Stockholmer Umweltinstituts (SEI).

"Kleine Elite gönnt sich Freifahrtschein für Zerstörung unseres Klimas"

Demnach dürfte der Pro-Kopf-Ausstoß von Treibhausgasen im Jahr 2030 weltweit im Schnitt maximal 2,3 Tonnen betragen, wenn das Ziel erreicht werden soll, die Erderwärmung in diesem Jahrhundert auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen.

Das reichste ein Prozent – das sind weniger Menschen als die Bevölkerung Deutschlands – wird laut Oxfam bis 2030 für 16 Prozent der globalen Gesamtemissionen verantwortlich sein. Nafkote Dabi, Klimaexpertin bei Oxfam, sagte dazu: "Eine kleine Elite gönnt sich einen Freifahrtschein für die Zerstörung unseres Klimas." Dies habe katastrophale Folgen für Millionen Menschen, die bereits jetzt mit tödlichen Stürmen, Hunger und Not konfrontiert seien. Mit einem einzigen Weltraumflug verursache ein Milliardär mehr Emissionen, als jemand aus der ärmsten Milliarde Menschen in einem ganzen Leben zusammenbringe.

Die Studie zeigt den Angaben zufolge zudem, dass sich die geografische Verteilung bei den Treibhausgasemissionen zunehmend nicht mehr hauptsächlich aus den traditionellen Industrieländern zusammensetzt. Fast ein Viertel (23 Prozent) des reichsten ein Prozent werden Chinesen sein und ein Zehntel (elf Prozent) Inder.

Oxfam: CO2-Schleudern Megajachten, Privatjets und private Raumfahrt

Tim Gore, Autor der Studie bei IEEP, erklärte dazu, Regierungen müssten ihre Maßnahmen auf die extrem Reichen ausrichten. "Dazu gehören sowohl Maßnahmen zur Einschränkung des CO2-Verbrauchs für Luxusgüter wie Megajachten, Privatjets und private Raumfahrt, als auch zur Begrenzung klimaintensiver Investitionen wie Aktienbesitz in der fossilen Brennstoffindustrie."

Oxfam forderte alle Länder dazu auf, ihre Klimaziele unter dem Pariser Klimaabkommen von 2015 zu überarbeiten. Bis 2030 müssten die Staaten stärkere Emissionssenkungen anstreben, die ihrem "fairen Anteil" entsprächen.

Im schottischen Glasgow verhandeln die Delegationen von rund 200 Ländern derzeit über die weitere Umsetzung des Pariser Klimaabkommens von 2015. Darin hatte sich die internationale Gemeinschaft auf eine Begrenzung der Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad, idealerweise 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter, geeinigt.

Um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, müssten die globalen Treibhausgas-Emissionen laut Experten bis 2030 um die Hälfte reduziert werden, bis 2050 müsste Klimaneutralität erreicht sein.

rw DPA AFP

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