Vor Europa-League-Finale
Ex-Präsident Keller: Das macht der SC Freiburg richtig

Keller glaubt an ein kleines Wunder des SC Freiburg im Europa-League-Finale (Archivbild) Foto: Christian Charisius/dpa
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Der frühere Clubboss und ehemalige DFB-Chef Fritz Keller ist beeindruckt vom Weg des SC Freiburg. Er erinnert an die Anfänge der Badener in der Bundesliga und spricht über ihre Erfolgsstrategie.

Die Entwicklung des SC Freiburg zum Europapokal-Finalisten hält der frühere Clubboss und ehemalige DFB-Präsident Fritz Keller für "ein kleines Wunder". Dass der Sport-Club um den zweitwichtigsten europäischen Titel spielen würde, habe er niemals für möglich gehalten, sagte der 69-Jährige der Deutschen Presse-Agentur.

"Als wir am Anfang in die Bundesliga kamen, haben manche geschrieben, sie hätten gedacht, Freiburg spiele in der Schweizer Liga mit", schilderte Keller, der die Breisgauer von 2010 bis 2019 anführte und später Präsident des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) war.

Der Freiburger Weg 

33 Jahre ist es her, dass der SC erstmals und trotz damals finanziell geringer Mittel den Aufstieg in die Fußball-Bundesliga schaffte. Am Mittwoch bestreitet der mittlerweile gewaltig vorangekommene Club in Istanbul das Finale der Europa League gegen den englischen Favoriten Aston Villa (21.00 Uhr/RTL).

"Das ist jetzt einfach ein Traum. Aber der SC hat immer einen Schritt nach dem nächsten gemacht hat und nach vorn gedacht", sagte Keller und lobte die Führungsriege um Sportvorstand Jochen Saier und Finanzvorstand Oliver Leki. "Im Fußball gewinnt also nicht immer nur das große Kapital. Ohne Moos ist nichts los, keine Frage. Aber man kann sich, wenn man geduldig ist und nicht nur von Spiel zu Spiel denkt, sondern nachhaltig denkt, entwickeln."

Die Dimension des Erfolgs

Ein Plus des Clubs sei, dass die seit Jahren zusammen arbeitenden Führungskräfte in Generationen denken würden statt in Saisons. "Das ist meistens das Tödliche, wenn Verantwortliche sagen, dass in der Zeit, in der sie da sind, der große Erfolg sein muss. Dann wird noch mal Geld nachgeschossen und Geld zum Fenster rausgeschmissen. Das wurde beim SC nie gemacht", sagte Keller.

Dem großen Auftritt im Besiktas-Stadion blickt der frühere Clubboss trotz der Außenseiterrolle optimistisch entgegen. "Ich bin mir sicher, dass die Mannschaft alles raushaut. Das wäre natürlich eine neue Dimension", so Keller, der als Zuschauer im Stadion sein möchte. Er habe keine Angst, dass der SC in "Größenwahn" verfalle, sagte der einstige Präsident. "Selbst, wenn wir das Spiel verlieren würden, ist schon Großes geleistet worden."

dpa