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P. Köster: Kabinenpredigt Showdown in Frankfurt – Fritz Keller hat keine Zukunft als DFB-Präsident

DFB-Präsident Fritz Keller
DFB-Präsident Fritz Keller will mehr als ein Frühstücksdirektor sein – wie lange kann er sich noch im Amt halten?
© Jörg Carstensen / DPA
Die Landesverbände des Deutschen Fußball-Bundes entziehen dem Präsidenten Fritz Keller das Vertrauen. Nun muss er zurücktreten. Sagt stern-Stimme Philipp Köster.

Der Deutsche Fußball-Bund hat in seiner Geschichte schon viel erlebt. Aufreger und Skandale, Konflikte und Rücktritte. Der Machtkampf, der derzeit im Präsidium des größten deutschen Sportfachverbandes ausgefochten wird, ist jedoch in seiner Härte und Dauer nahezu beispiellos.

Im Zentrum dieses Konflikts steht der aktuelle Präsident Fritz Keller, erst seit 2019 im Amt und trotzdem schon wieder kurz davor, zurückzutreten oder abgesetzt zu werden. Oberflächlich geht es in der aktuellen Auseinandersetzung um eine Verbalinjurie, die dem Präsidenten in einer hitzigen Sitzung entfleucht ist. Der Vergleich des Vizepräsidenten Reiner Koch mit dem NS-Scharfrichter Roland Freisler war ein Tabubruch, den Keller seit Tagen versucht, irgendwie wieder einzufangen. Natürlich vergeblich, schließlich hat keiner seiner Gegner ein auch nur granulares Interesse, den Präsidenten aus seiner selbst gestellten Falle zu befreien.

Nicht Rainer Koch, dessen Kalkül, mit Fritz Keller einen freundlich lächelnden Frühstücksdirektor als Präsidenten zu installieren, um selbst in den internationalen Gremien ungestört agieren zu können, nicht aufgegangen ist. Koch ließ verlauten, er habe Kellers Entschuldigung zwar entgegen-,  aber beileibe nicht angenommen. Eine ebenso groteske wie unglaubwürdige Wortklauberei, die nur dazu diente, den Konflikt weiter schwelen zu lassen.

Wie lange bleiben Fritz Keller und Friedrich Curtius im Amt?

Natürlich auch nicht Generalsekretär Friedrich Curtius, der einst als Glückskind und Saubermann des Verbandes galt, diesen Ruf allerdings durch allerlei nicht einmal besonders intelligent gesponnene Intrigen, eine Neigung zur Prahlerei auf Wikipedia und schangelige Geschäfte mit alten Schulkumpels so ruiniert hat, dass ihm selbst die hartgesottenen Präsidiumsvertreter der Deutschen Fußball-Liga das Vertrauen entzogen. Das muss man auch erstmal hinbekommen. Der Kampf gegen Keller, der seither offenbar das Gros seiner Arbeitszeit beansprucht, ist deshalb auch ein Kampf ums eigene Überleben in der Chefetage des Verbandes.

Dass Keller und Curtius noch lange im Amt sind, ist allerdings seit dem Wochenende noch einmal unwahrscheinlicher geworden. Da entzogen nämlich die mächtigen Landesverbände beiden das Vertrauen, dem Präsidenten wurde zudem nahegelegt, "zur Abwendung weiteren Schadens" alsbald zurückzutreten. Curtius müsste hingegen als Angestellter per Auflösung des Arbeitsvertrages herausgedrängelt werden.

Deutlich größer ist der Druck deshalb für Fritz Keller, der vor den Trümmern seiner Agenda stehen muss. Der war als Erneuerer angetreten, der mit Charme und Altersweisheit den schon zuvor von zahllosen Skandalen und Intrigen geschüttelten Verband befrieden und in ein ruhigeres Fahrwasser steuern sollte. Stattdessen gab Keller zur Überraschung derer, die ihn ins Amt gehievt hatten, plötzlich den unnachgiebigen Aufklärer des offenkundig gekauften Sommermärchens 2006.

Wer soll neuer DFB-Präsident werden?

Eine Aufgabe, die einen kühlen und erfahrenen Juristen aufs Äußerste gefordert hätte, für die ein hitzköpfiger Winzer aus Freiburg mit allenfalls rudimentärer Sachkenntnis allerdings definitiv der falsche Mann war. Zumal Keller auch noch sehenden Auges ins Unglück gerannt war, hatte er sich doch bei seinem Antritt die Richtlinienkompetenz seiner Vorgänger abschwatzen lassen. Die Fehltritte, sei es der fahrige Auftritt im Sportstudio oder sein unsäglicher NS-Vergleich, taten ihr Übriges. Keller hat keine Zukunft als DFB-Präsident.

Aber wer soll ihm nachfolgen? Philipp Lahm, der von der Boulevardpresse ins Spiel gebracht wurde? Dann müsste Lahm erst einmal irgendeine Art von Agenda entwerfen, die über die schmerzhaft banalen Plattitüden seiner Kolumne in der "Zeit" hinausgehen? Oder soll einer aus den Landesverbänden seinen Hut in den Ring werfen? Der müsste beweisen, dass ihm auch die Profis am Herz liegen. Vielleicht wäre es stattdessen gut, wenn jemand käme, der nicht vom Fußballgeschäft deformiert ist. Muss ja kein zweiter Grindel sein, auch kein stockeitler Funktionär aus Altendiez.

Aber vielleicht einer, der nicht die letzten dreißig Jahre damit zugebracht hat, im Businessbereich der Allianz-Arena das panierte Schnitzel vom Tablett zu fingern.

wue

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