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Schlammschlacht der Verbandsführung Rücktrittsforderung: Wie geht es weiter mit DFB-Präsident Keller?

DFB-Präsident Fritz Keller
DFB-Präsident Fritz Keller
© Patrick Seeger / DPA
Der DFB steckt tief in der Führungskrise. Präsident Fritz Keller soll nach Ansicht der Landes- und Regionalchefs zurücktreten. Noch hat sich der 64-Jährige nicht geäußert. Der Druck wächst.

Noch ist Fritz Keller DFB-Präsident. Mit jeder Stunde ohne eine Reaktion des 64-Jährigen auf die Rücktrittsforderung der mächtigen Landes- und Regionalchefs am Sonntag in Potsdam wächst aber der Druck auf Keller und den Deutschen Fußball-Bund, der tief in der nächsten Führungskrise steckt.

Keller, der sich mit seinem Nazi-Vergleich selbst massiv geschwächt hatte, wäre nach Wolfgang Niersbach und Reinhard Grindel der dritte DFB-Präsident nacheinander, der wegen Verfehlungen das Amt abgibt.

Die Nachfolgeregelungen

Beugt sich der renommierte Winzer dem Druck der Präsidenten der Landes- und Regionalverbände, regeln die Statuten das weitere Vorgehen. "Endet das Amt des Präsidenten vorzeitig oder ist er an der Ausübung des Amts nicht nur vorübergehend gehindert, obliegt die Vertretung des Präsidenten den beiden gleichberechtigten 1. Vizepräsidenten", heißt es in den Statuten. Aktuell würden also der für die Amateure zuständige Rainer Koch sowie Peter Peters als Stellvertretender Sprecher des Präsidiums der Deutschen Fußball Liga die DFB-Führung übernehmen.

Koch, 62, dem im Gegensatz zu Keller am Sonntag das Vertrauen ausgesprochen worden war, vertritt den DFB als Mitglied im Exekutivkomitee der Europäischen Fußball-Union, Peters, 58, sitzt seit kurzer Zeit im Council des Weltverbandes Fifa. Ein neuer Präsident wird bei einem ordentlichen oder außerordentlichen Bundestag gewählt. Die Landes- und Regionalchefs sprachen sich am Sonntag gegen eine außerordentliche Versammlung aus, der nächste Bundestag würde erst 2022 stattfinden.

Die Ethikkommission

Noch ist unklar, ob und wie die DFB-Ethikkommission Kellers Nazi-Vergleich behandelt. Der DFB-Präsident hatte seinen Vize Koch in einer Präsidiumssitzung als "Freisler" bezeichnet und so mit Roland Freisler, dem Vorsitzenden des Volksgerichtshofes im Nationalsozialismus, verglichen. Keller hatte daraufhin Koch um Entschuldigung gebeten, die dieser aber auch am Sonntag in einem persönlichen Gespräch nicht annahm. Nach dpa-Informationen ist Kochs Entscheidung für die vierköpfige Ethikkommission von Bedeutung, die laut DFB-Beschreibung "in allen Fällen, die der Integrität und dem Ansehen des DFB und seiner Mitgliedsverbände schaden, insbesondere bei illegalen und unethischen Verhaltensweisen", Ermittlungen aufnehmen soll.

Ein Ethikverfahren gegen Keller könnte auch ausschlaggebend sein, sollte es in den kommenden Tagen zur Schlammschlacht kommen. Einfach abberufen werden kann ein DFB-Präsident nicht. Zuständig wäre wohl der DFB-Vorstand, der sich aus den Präsidiumsmitgliedern, den Landes- und Regionalchefs sowie zwölf DFL-Vertretern zusammensetzt. "Der Vorstand ist berechtigt, Präsidiums-, Vorstands- und Ausschussmitglieder bei grober Pflichtverletzung oder bei Unwürdigkeit mit sofortiger Wirkung ihrer Tätigkeit im DFB durch schriftlich begründete Entscheidung bis zum nächsten ordentlichen Bundestag zu entheben", steht in den Statuten.

Die Landes- und Regionalchefs ließen nach der Tagung in Potsdam ein klares Urteil zum Nazi-Vergleich mitteilen: "Eine derartige Äußerung ist völlig inakzeptabel und macht uns fassungslos."

Der Generalsekretär

DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius war in den vergangenen Monaten erbitterter Gegenspieler von Keller, auch ihm wurde von den Landes- und Regionalchefs das Vertrauen entzogen. Anders als Keller kann Curtius aber nicht zum Rücktritt aufgefordert werden, der 44-Jährige steht beim DFB als höchster hauptamtlicher Mitarbeiter unter Vertrag. Curtius verantwortet unter anderem den Geschäftsbetrieb der DFB-Zentrale in Frankfurt/Main, wo ihm eine große Hausmacht nachgesagt worden war. Die DFL hatte sich schon im Januar gegen den DFB-General gestellt – in die Sitzungen der Liga soll seitdem Koch entsandt werden.

Die offenen Entscheidungen

Der DFB und seine Führung stünden auch ohne die tiefe Krise vor wegweisenden Wochen. Die prominenteste offene Entscheidung ist die Neubesetzung des Bundestrainer-Postens, Joachim Löw hört nach der EM im Sommer auf. Als logische Wahl gilt Noch-Bayern-Trainer Hansi Flick. Mit der Abwicklung betraut ist DFB-Direktor Oliver Bierhoff, der sich bislang nicht zu dem Beben von Potsdam geäußert hat. Der 53-Jährige ist zudem der Hauptverantwortliche für die neue und teure DFB-Akademie, in die der Verband im nächsten Jahr einziehen will. Nach aktuellem Stand eher ohne Fritz Keller.

tis DPA

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