Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) weiß nach eigenen Angaben bisher nicht, ob er für seine Tätigkeit als Aufsichtsrat des FC Bayern Geld bekommt. "Ich könnte Ihnen jetzt nicht sagen, ob und in welcher Höhe ich überhaupt vergütet werde", sagte er im Stadtrat. Das sei nicht seine erste Frage gewesen, als der Posten ihm angetragen wurde. Reiter ist erklärter Bayern-Fan.
Zwar habe er bereits im Februar an einer Aufsichtsratssitzung des milliardenschweren, börsennotierten Vereins teilgenommen, da sei er aber nur "als Gast" dabei gewesen - und im Handelsregister stehe er bislang auch nicht.
Damit will Reiter betonen, dass er den Stadtrat nicht - wie von mehreren Parteien kritisiert - bei der Aufnahme seiner neuen Nebentätigkeit übergangen hat. Vor allem die ÖDP kritisierte, dass Reiter für den Fall, dass er tatsächlich nicht über die Vergütung seiner neuen Stelle Bescheid weiß, längst beim FC Bayern hätte nachfragen können, ob und was er dort künftig verdient.
Denn die Kritik an Reiter macht schon seit geraumer Zeit Schlagzeilen. Der FC Bayern hatte Anfang Februar mitgeteilt, dass Reiter Nachfolger von Bayerns Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber an der Spitze des Verwaltungsbeirates und damit auch im Aufsichtsrat wird. Nach Vereinsangaben ist der Münchner OB bereits seit 2017 Mitglied des Verwaltungsbeirates.
ÖDP: "Kein privates Hobby"
"Wenn der Oberbürgermeister einer Millionenstadt eine Spitzenfunktion bei einem wirtschaftlich mächtigen Akteur vor Ort übernimmt, dann ist das kein privates Hobby", betonte der ÖDP-Vorsitzende Tobias Ruff. "Es geht nicht um Fußball und Fanherz. Es geht um politische Integrität und um die Glaubwürdigkeit unseres Rathauses. Für städtische Mitarbeiter gelten strenge Regeln. Diese müssen doch bitte schön erst recht für den Oberbürgermeister gelten."
Bis zur nächsten Sitzung des Aufsichtsrates wolle er das Ergebnis einer Prüfung seiner Rechtsabteilung vorlegen, die alle Fragen, die unter anderem Die Linke und die ÖDP an ihn gerichtet hatten, beantworten sollen, betonte Reiter.
Dringlichkeitsanträge, das Thema noch vor der Kommunalwahl an diesem Sonntag im Stadtrat umfassend zu behandelt, wurden mit einer Mehrheit unter anderem von SPD, CSU und FDP abgelehnt. "Es wäre schon sinnvoll, abzuwarten, ob nicht jemand von Ihnen Oberbürgermeister ist", sagte Reiter.
Umfragen sehen ihn bei der Wahl zum Oberbürgermeister deutlich vor seinen Konkurrenten von Grünen und CSU. Es wäre seine dritte Amtszeit.