Feuerwehreinsatz
Waldbrand am Saurüsselkopf – Trinkwasserquelle bedroht

Dichter Rauch ist über dem Berg zu sehen. Foto: Gabriel Neumayr/dpa
Dichter Rauch ist über dem Berg zu sehen. Foto
© Gabriel Neumayr/dpa

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Am Saurüsselkopf bei Ruhpolding in den Chiemgauer Bergen brennt es weiter. Das Gebiet ist schwer zugänglich. Und: Die Flammen bedrohen eine Trinkwasserquelle. Es ist ein Katastrophenfall.

Am Saurüsselkopf in den Chiemgauer Alpen kämpfen Dutzende Feuerwehrleute weiter gegen einen verheerenden Waldbrand. In dem Gebiet gilt der Katastrophenfall. Nach Schätzungen seien 50 bis 60 Hektar Wald in Brand geraten, hieß es beim Landratsamt. Das Feuer bedroht ein Trinkwasserschutzgebiet. "Wir müssen die Quelle schützen. Die Quelle versorgt 30.000 Bürgerinnen und Bürger", sagte der Traunsteiner Landrat Andreas Danzer (Freie Wähler). 

Das Gelände sei extrem steil, der Brand vom Boden aus nicht zu löschen. "Wir sind auf überörtliche Hilfe angewiesen", sagte Danzer. Deshalb habe er den Katastrophenfall ausgerufen. 

Bis zum Einbruch der Dunkelheit sollten Hubschrauber den Brand aus der Luft bekämpfen, dann müsse der Flugbetrieb bis zum Morgen eingestellt werden, sagte der Einsatzleiter, Kreisbrandrat Christoph Grundner, nach einer Pressekonferenz am Nachmittag. "Das ist leider nicht anders möglich, da wir keine Maschine mit Wärmebildkamera beziehungsweise mit Nachtflugtauglichkeit bekommen haben", sagte Grundner.

 Bürgermeister: "Blutet einem schon das Herz"

An dem Berg bei Ruhpolding im Landkreis Traunstein lodern seit Sonntagabend die Flammen. Der Ruhpoldinger Bürgermeister Justus Pfeifer schilderte, der Berg sei als sehr prägnantes Bergmassiv vom ganzen Talkessel Ruhpolding zu sehen. "Da blutet einem natürlich schon das Herz, wenn dieser Berg raucht und qualmt und brennt in der Nacht. Und wenn man dann vor allem bei Dunkelheit rausschaut und diesen Berg brennen sieht, da wird einem ein bisschen mulmig."

Dichter Rauch und Hubschrauber auch von der Bundeswehr 

Dichter Rauch stieg auch am Montag aus einem bewaldeten Berg auf. Derzeit seien vier Polizeihubschrauber der Landespolizei sowie zwei Hubschrauber von Heli Austria bei den Löscharbeiten dabei. Auch Hubschrauber der Bundespolizei sowie ein weiterer der Landespolizei Baden-Württemberg kämen zum Einsatz, teilte das Landratsamt mit. 

Für Dienstag seien darüber hinaus Hubschraubereinsätze der Bundeswehr geplant. Der Bundeswehrhubschrauber könne rund 5.000 Liter Wasser transportieren, deutlich mehr als die Hubschrauber der Polizei, sagte Danzer. 

Wenn nötig, solle auch aus Baden-Württemberg am Dienstag erneut ein Hubschrauber kommen, teilte das Innenministerium in Stuttgart mit. Zusätzlich entsende die Polizei Baden-Württemberg den in Bayern nicht vorhandenen Flugfeld-Tankwagen zur Treibstoffversorgung direkt im Einsatzraum.

Im Zentrum der Einsatzmaßnahmen steht laut Danzer der Schutz des Trinkwasserschutzgebietes. Die Feststellung des Katastrophenfalls, bei dem Einsatzkräfte, Fachstellen und Behörden zentral koordiniert werden, sei angesichts der Lage ein notwendiger Schritt gewesen, erläuterte Danzer. "Jetzt geht es darum, alle Kräfte bestmöglich zu koordinieren und das Trinkwasserschutzgebiet Laubau wirksam zu schützen." 

 

Feuerwehren aus Ruhpolding und umliegenden Orten wurden zusammengezogen. Sie kämpften auch am Boden gegen eine Ausbreitung des Feuers, etwa mit Bewässerungsmaßnahmen entlang von Forstwegen. Ein direktes Eingreifen am Boden sei wegen der steilen und schwer zugänglichen Lage "nicht zielführend und würde eine Gefährdung für die einzelnen Kräfte darstellen", hatte die Gemeinde bereits am Morgen erläutert. 

Die Brandursache ist unklar. Aufgrund der Witterung der letzten Tage und Wochen herrsche extreme Trockenheit, sagte Einsatzleiter Grundner.

Für ganz Bayern gab der Deutsche Wetterdienst für Montag auf dem Waldbrandgefahrenindex die Stufe drei von fünf aus. In einigen Regionen unter anderem in Alpennähe war es Stufe vier. In den nächsten Tagen soll die Gefahr mit aufkommendem Regen sinken. Laut der Gemeinde Ruhpolding waren am Montagmorgen rund vier bis fünf Hektar Waldfläche betroffen. 

Ascheregen möglich 

Im betroffenen Gebiet südlich des Ortsteils Laubau und der Chiemgau Arena könnte es Ascheregen geben. In diesem Fall sollten Anwohner Fenster und Türen geschlossen halten und den Aufenthalt im Freien reduzieren.

Aktuell bestehe aber keine unmittelbare Gefahr für die Bevölkerung. Dennoch mahnte die Gemeinde, das Gebiet weiträumig zu meiden und die Zufahrtswege für Einsatzkräfte freizuhalten. 

"Es sind auch Polizeibeamte eingebunden", sagte der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, Stefan Sonntag. "Wenn sich Anhaltspunkte für eine Straftat ergäben, also etwa Brandstiftung, würde die Polizei ermitteln. Momentan gibt dafür aber keinen Anhaltspunkt." 

Es habe am Wochenende einige kleinere Brände an Wiesen, Hecken und am Schilfgürtel eines Sees gegeben, die wahrscheinlich auf die warme Witterung zurückzuführen seien. "Bei keinem Brand haben wir bisher Hinweise auf eine Brandstiftung."

dpa