Prozess um Auto-Anschlag
"Dieses unsägliche Leiden" – Überlebender schildert Anschlag

Der Angeklagte schweigt - dafür sprechen die Opfer. (Archivbild) Foto: Peter Kneffel/dpa
Der Angeklagte schweigt - dafür sprechen die Opfer. (Archivbild) Foto
© Peter Kneffel/dpa
Im Prozess um den tödlichen Auto-Anschlag von München vor einem Jahr schweigt der Angeklagte zur Tat – doch andere sprechen.

Im Prozess um den Anschlag auf eine Verdi-Demonstration in München hat ein Überlebender von den fürchterlichen Bildern berichtet, die er seither im Kopf hat. "Dieses unsägliche Leiden, was da war", sagte er vor dem Oberlandesgericht (OLG) München. Er habe die später gestorbene Mutter gesehen und wie Ersthelfer versuchten, sie zu reanimieren. Auch den Kinderwagen, in dem das zweite Todesopfer, die kleine Tochter der Frau, gesessen habe, habe er gesehen. "Ich kannte die alle nicht, aber die Bilder habe ich."

"Mitten im Satz ist er weg"

Der 1978 geborene Mann war gemeinsam mit Kollegen auf der Demonstration und hatte sich nach eigenen Angaben gerade mit den anderen Männern an das Ende des Zuges begeben und ein Selfie gemacht, als das Auto des Angeklagten heranraste. Für ihn sei das Fahrzeug wie aus dem Nichts gekommen, sagte der Zeuge. Er habe sich noch ganz normal mit seinem Kollegen unterhalten. "Ich frag' ihn nach den Befindlichkeiten von seiner Mutter, er antwortet und mitten im Satz ist er weg."

Etwa 20 Meter entfernt habe er seinen Kollegen dann verletzt auf dem Boden liegen sehen. Er habe sich um ihn gekümmert, "weil er bewusstlos war und ich nicht wusste, ob er überhaupt noch lebt". 

Zeuge feiert "zweiten Geburtstag"

Mehr als 40 Menschen waren verletzt worden, als ein heute 25 Jahre alter Afghane vor etwas mehr als einem Jahr in die Demonstration in der Nähe des Münchner Stiglmaierplatzes gerast war. Eine Frau und ihre zwei Jahre alte Tochter starben. Die Ermittler gehen von islamistischem Terrorismus als Motiv aus.

Der Zeuge, der als Erster von mehreren Überlebenden vor Gericht aussagte, wurde nur leicht an der Hand verletzt, als das Auto vor etwas mehr an einem Jahr an ihm vorbeiraste und seinen Kollegen erfasste. In der kommenden Woche will er mit seinem Kollegenteam essen gehen, "um unseren zweiten Geburtstag zu feiern, weil: Wir haben das überlebt".

dpa

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