Berlin im Kalten Krieg
Dokumentation zu legendärem Spionagetunnel mit DDR-Fotos

Ein Teilstück des Berliner Spionagetunnels, ausgestellt 2014 in einem Museum. (Archivbild) Foto: picture alliance / dpa
Ein Teilstück des Berliner Spionagetunnels, ausgestellt 2014 in einem Museum. (Archivbild) Foto
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Bisher unbekannte DDR-Fotos geben neue Einblicke in den legendären Berliner Spionagetunnel. Die Dokumentation zeigt, wie der Tunnel gebaut und später propagandistisch genutzt wurde.

70 Jahre nach der aufsehenerregenden - aber nur vermeintlichen - Entdeckung eines Spionagetunnels der Amerikaner unter Ost-Berliner Gebiet enthüllt eine neue Dokumentation bislang unbekannte Informationen und Fotos. Die neuen Dokumente in "Operation Gold. Der Spionagetunnel in Berlin" stammen aus einer Fotodokumentation, die noch in der DDR entstand und nun dem Verein Berliner Unterwelten übergeben wurde. 

Der Spionagetunnel war eine Geheimdienstoperation zu Beginn des Kalten Krieges. Der amerikanische Geheimdienst CIA und der britische Secret Intelligence Service (SIS) wollten die streng geheimen Telefonleitungen des sowjetischen Oberkommandos anzapfen und bauten dafür von 1954 bis 1955 einen 430 Meter langen Tunnel, der vom Stadtteil Rudow im amerikanischen Sektor nach Altglienicke im sowjetischen Sektor führte.

Amerikaner und Briten hörten Telefonate der sowjetischen Armee ab 

Von Mai 1955 bis April 1956 hörten Amerikaner und Briten über 400.000 Telefonate der sowjetischen Armee ab. Allerdings waren sie ahnungslos darüber, dass ein Doppelagent den Tunnel bereits verraten hatte und der sowjetische Geheimdienst KGB von Anfang an informiert war. Der KGB ließ das Projekt laufen, vor allem weil er den Doppelagenten nicht gefährden wollte. 

In der Nacht vom 21. auf den 22. April 1956 sorgte ein Unwetter für Störungen an verschiedenen Telefonleitungen. Der Tunnel wurde in der Nacht angeblich bei Reparaturarbeiten von sowjetischen und ostdeutschen Fernmeldetechnikern entdeckt. Die DDR nutzte das für umfangreiche Propagandaberichterstattung, Pressetermine und öffentliche Besichtigungen. 

Dokuband über Geheimtunnel wird vorgestellt

Der Dokumentationsband über den Tunnel mit 224 Seiten (24 Euro), herausgegeben vom Verein Berliner Unterwelten, zeigt nun 181 Abbildungen, viele davon aus der DDR. Fotos aus der Luft, vom Boden und aus dem Tunnel belegen den Verlauf und die mit einem riesigen und geheimen Aufwand eingebaute Technik. Zu sehen sind Wellblechdach, Sandsäcke, Stahldraht, Laufbohlen, Belüftungsrohre, Wasserrohr, Strom- und Signalleitungen sowie angezapfte Telefonkabel.

Die Autoren des Dokumentationsbandes sind Dietmar Arnold, Stadtplaner und Mitgründer des Vereins Berliner Unterwelten, und Helmut Müller-Enbergs, Politikwissenschaftler mit dem Forschungsschwerpunkt Geschichte der Nachrichtendienste. 

Das Buch wird am Dienstag, 21. April, um 19.00 Uhr im Berliner Spionagemuseum am Leipziger Platz vorgestellt, dafür ist eine Anmeldung erforderlich. Außerdem gibt es am Mittwoch, 22. April, um 19.00 Uhr eine Vorstellung in einem Livestream der Berliner Unterwelten (https://www.youtube.com/channel/UC0ZZacF6W2NDrf1PIReniJA/live) .

dpa