Warum suchten im Mittelalter Städte wie Kiel oder Rostock bei schwierigen Rechtsfragen Lübecker Ratsherren für eine Entscheidung auf?Und warum wurde eine heute 800 Jahre alte Urkunde im Jahr 1925 zur Klärung eines Streits zwischen Lübecker und Mecklenburger Fischern herangezogen? Diese und viele weitere Fragen beantwortet eine Sonderausstellung im Europäischen Hansemuseum (EHM).
Sie trägt den Titel "Ziemlich privilegiert! Lübeck und die Reichsfreiheit" und beginnt am kommenden Montag (18. Mai) im Burgkloster, wie das Museum mitteilte. Der Anlass für die Ausstellung: Vor 800 Jahren wurde Lübeck zur freien Reichsstadt ernannt.
Originalurkunde von Kaiser Friedrich II.
Kaum ein anderes Jahr sei so bedeutend für die Lübecker Geschichte wie 1226, schreiben die Initiatoren der Schau. Mit einer Urkunde Kaiser Friedrichs II. wurde Lübeck in jenem Jahr zur freien Reichsstadt erhoben. Das habe die Stadtentwicklung über Jahrhunderte hinweg politisch, wirtschaftlich und kulturell geprägt.
Die Ausstellung zeige mit zahlreichen Objekten aus Vergangenheit und Gegenwart verschiedene Aspekte der besonderen Privilegierung. Das bedeutsamste Dokument: die Urkunde des Kaisers. Sie ist im Original zu sehen. Die Schau beleuchte auch, welche Auswirkungen die Reichsfreiheit auf die Ausprägung einer "lübschen Mentalität" hatte.
Exportschlager des Mittelalters
"Durch den 1226 ausgestellten Reichsfreiheitsbrief nahm Lübeck über Jahrhunderte hinweg eine herausgehobene Stellung gegenüber den Nachbarstädten ein", sagt Monika Frank, Senatorin für Kultur und Bildung der Hansestadt Lübeck.
Mit dem Lübischen Recht habe sich ein "Exportschlager des Mittelalters" entwickelt, erklärt Stadtarchiv-Leiter Dominik Kuhn. Entlang der Ostseeküste bis ins Baltikum verbreitet, stehe es für eine frühe Form der Vereinheitlichung des Rechts über Grenzen hinweg.
Das alte Burgkloster, ein Teil des Hansemuseums, biete den idealen Rahmen für die Ausstellung, sagt EHM-Direktorin Felicia Sternfeld. Die Schau wurde vom Archiv der Hansestadt Lübeck kuratiert - und ist bis zum 23. August zu sehen.