Fast jeder Mensch hat einen Sehnsuchtsort. Einen, an dem es ihm einfach nur des Ortes wegen direkt besser geht. Für manche sind es die Berge, andere finden Ruhe am Meer. Und dann ist da noch die Schlei. Dieses kleine Fleckchen Erde in Schleswig-Holstein, eine Art Fjord unweit der Ostsee. Ein Ort mit einer ganz eigenen Dynamik. Und genau diese Schlei steht im Mittelpunkt des Romans "Am Ende der Straße die Schlei" von Lars Haider. Der Chefredakteur des "Hamburger Abendblattes" lässt diesmal - wie in seinen ersten drei Romanen - allerdings nicht den Reporter Lukas Hammerstein in einem Kriminalfall ermitteln. Stattdessen wechselt er Genre und Helden.
Eppendorf vs. Schlei
Das 288 Seiten lange Buch dreht sich um Konstantin Wagner. Der fast 40-Jährige arbeitet in einer Werbeagentur, lebt mit seiner Freundin in Hamburg und soll für seine Eltern deren Ferienhaus an der Schlei verkaufen. Sein Plan: das Haus zackig mehreren Interessenten zeigen, es schnell verkaufen und das Geld für eine schicke Eigentumswohnung in Hamburg ausgeben.
Doch dann zeigt die Schlei, wie schön sie ist. Erinnerungen schwappen hoch und es taucht auch noch Wagners Jugendliebe auf, die auch Interesse an dem wunderschönen Reetdach-Haus hat.
Der Plot des Heimatromans ist nicht sonderlich überraschend. Es kommt, wie es kommen muss. Das Ende ist im Grunde schon mit dem ersten Geschmack der Schlei auf den Lippen absehbar. Und doch gelingt es Haider, den Leser bei der Stange zu halten und ihn auf die emotionale Reise nach dem Sinn des Lebens mitzunehmen. Denn viele dieser Gedanken dürften gerade Menschen um die 40 nicht unbekannt sein.
Was braucht es zum Glück?
Wie wichtig sind Arbeit und Geld? Wo will ich leben und wie? Was ist Glück überhaupt und wo fängt es an? Wagner begibt sich auf eine Suche ohne die Hektik der Großstadt im Kopf und dafür mit der Wärme der Sonne auf der Haut und dem Blick auf die vielen schönen Kleinigkeiten des Alltags - stets mit Blick auf die pittoreske Schlei.
Die Liebeserklärung an die kleine Region bei Kappeln fühlt sich beim Lesen wie ein kleiner Urlaub an. Und das macht das Buch auch so charmant, dass man es nicht aus der Hand legen möchte. Vor allem nicht in stressigen Zeiten - nach einem vollen Arbeitstag - in der Großstadt.