Wer am Montag in der Apotheke ein wichtiges Medikament kaufen will, könnte vor verschlossenen Türen stehen. Ein Großteil der Apotheken in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern wird zum Wochenstart nicht öffnen, wie die Apothekerverbände der drei Länder mitteilten. Die Aktion ist Teil des bundesweiten Protesttages. Die Apotheker wollen in Hannover, Berlin, Düsseldorf und München auf die Straße gehen.
Wie viele Apotheken sind im Norden betroffen?
Im Norden Deutschlands wollen viele Apotheken mitmachen. 75 bis 80 Prozent der Apotheken werden geschlossen bleiben, wie es beispielsweise von den Apothekerverbänden in Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern hieß. Auch in Schleswig-Holstein werde der Großteil der 551 Häuser nicht öffnen. "In Nordfriesland ist beispielsweise nur der Notdienst besetzt", sagte Hans-Günter Lund, Vorsitzender des Apothekerverbandes Schleswig-Holstein, der Deutschen Presse-Agentur.
Was, wenn ich am Montag ein Medikament dringend brauche?
Es werden in allen Regionen auch Apotheken geöffnet haben. "Patientinnen und Patienten mit dringendem Medikamentenbedarf müssen sich keine Sorgen machen: Der Apothekennotdienst bleibt gewährleistet", so Lund weiter. In Hamburg wird es den Angaben zufolge acht Notdienstapotheken geben.
Außerdem seien alle größeren Kunden, wie Senioreneinrichtungen, vorab informiert worden. "Damit niemand vor verschlossenen Türen steht, der dringend wichtige Medikamente braucht."
Wo sehe ich denn, welche Apotheke geöffnet hat?
Das funktioniert - wie sonst auch - am besten im Internet. Über die Apotheken-Website kann man sich über die Postleitzahlen-Abfrage den aktuellen Notdienst in der Nähe anzeigen lassen.
Wie viele Apotheken gibt es überhaupt im Norden?
In Hamburg gibt es den Angaben zufolge 349 Apotheken mit etwa 3.600 Mitarbeitenden, in Schleswig-Holstein sind es 551 mit etwa 6.000 Angestellten und in Mecklenburg-Vorpommern spricht die Apothekerkammer von 350 Apotheken-Betriebsstätten mit durchschnittlich zehn Mitarbeitenden - also mindestens 3.500 Angestellten. Bundesweit sind den Verbänden zufolge 160.000 Menschen bei Apotheken beschäftigt.
Was wollen die Apotheker mit dem Protest erreichen?
Die Apotheker wollen vor allem ihre Existenzen sichern. Sie seien seit Jahren unterfinanziert, sagen die Verbände dazu. "Seit 13 Jahren wurde das Honorar bei der Abgabe von rezeptpflichtigen Medikamenten nicht mehr angepasst", sagte Jörn Graue, Vorsitzender des Hamburger Apothekervereins, laut Mitteilung. Gleichzeitig aber seien die Personalkosten massiv gestiegen. "Diese chronische Unterfinanzierung hat dazu geführt, dass bundesweit fast jede fünfte Apotheke für immer schließen musste."
Die Bundesregierung habe im Koalitionsvertrag bereits versprochen, die flächendeckende Versorgung durch eine faire Vergütung zu sichern. Dieses Versprechen solle die Regierung nun endlich einlösen.
Mit den Protesten wollen die Apotheker ein Zeichen setzen: "Wir möchten zeigen, wie es aussieht, wenn wir nicht da sind. Das ist in der Großstadt sicherlich ein anderes Bild als auf dem Land", sagte Lund weiter. Aber auch dort werde man das deutlich spüren. Den Apothekern gehe es darum, die Apotheke um die Ecke zu erhalten.