2. Fußball-Bundesliga
Endlich wieder Bundesliga? Hannover ist im Aufstiegsfieber

Wollen endlich aufsteigen: Spieler und Fans von Hannover 96. (Archivbild) Foto: Swen Pförtner/dpa
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2019 stieg Hannover 96 aus der Fußball-Bundesliga ab. Seitdem scheiterte jeder Versuch, endlich wieder dorthin zurückzukehren. Das soll sich an diesem Sonntag ändern.

Seit sieben Jahren hängt Hannover 96 in der 2. Fußball-Bundesliga fest. Der Traditionsclub hat genauso viele gescheiterte Aufstiegsversuche hinter sich wie der Hamburger SV bis zum vergangenen Jahr. Und er bringt es zusammengezählt auf ebenso viele Zweitliga-Saisons, wie sie Hertha BSC und Schalke 04 seit 2021 erleben.

Doch das soll sich an diesem Sonntag endlich ändern. Aufstieg, Relegation - oder die nächste Enttäuschung? Das alles ist für den Tabellendritten Hannover (Torverhältnis +16) im Fernduell mit den punktgleichen Rivalen SV Elversberg (+22) und SC Paderborn (+12) immer noch drin. Klar ist nur: Die Sehnsucht nach der Bundesliga-Rückkehr ist vor dem letzten regulären Saisonspiel gegen den 1. FC Nürnberg groß (15.30 Uhr/Sky). Der Erfolgsdruck ist es aber genauso.

Martin Kind: "96 hat es verdient"

"Hannover hat es verdient, weil wir Landeshauptstadt sind", sagte der Aufsichtsrats-Chef Martin Kind der dpa. "96 hat es verdient, weil wir eine super Zuschauer-Unterstützung, eine top Infrastruktur und ein großes Einzugsgebiet haben. Wir wären in der ersten Liga wettbewerbsfähig."

So nah wie an diesem Sonntag waren die 96er dem ersehnten Aufstieg seit 2019 noch nie. Kein anderes Team hat in der zweiten Saisonhälfte bislang mehr Punkte geholt (30). Und niemand hat nach Ansicht vieler in der 2. Bundesliga einen qualitativ stärkeren Kader.

Das Problem ist nur: In den vergangenen zwei Wochen hat Hannover eine noch bessere Ausgangsposition leichtfertig verspielt. Gegen Preußen Münster (3:3) und beim VfL Bochum (1:1) gab man eine Führung jeweils wieder aus der Hand.

49.000 Fans: Der Erwartungsdruck ist groß

"Wir haben vor allem zu Hause zu viele Punkte verschenkt. Sonst wären wir längst aufgestiegen", sagte Kind. Deshalb werde es vor dem wichtigsten Heimspiel dieser Saison auch "sehr stark darum gehen, eine gewisse Lockerheit und Klarheit 'reinzubekommen", meinte Trainer Christian Titz. 49.000 Fans in der ausverkauften Heinz von Heiden Arena werden eine deutlich größere Wucht, aber auch einen deutlich größeren Erwartungsdruck erzeugen als all das, was zeitgleich im kleinen Elversberg passiert.

Um endlich wieder erstklassig zu werden, hat Hannover in seinen vielen Zweitliga-Jahren alles versucht. Eine Rückbesinnung auf die alten Europa-League-Zeiten mit Trainer Mirko Slomka. Eine starke Regionalisierung mit Trainer Jan Zimmermann. Einen Dreijahres-Plan mit Trainer Stefan Leitl. Keine dieser Ideen ging auf.

18 neue Spieler geholt

Dem 55 Jahre alten Titz gab man vor dieser Saison so etwas wie eine Brechstange in die Hand. 18 Spieler kamen seit dem vergangenen Sommer, 20 gingen: Ein gewaltiger Umbruch, der einige Punktverluste im Aufstiegsrennen erklärt. "Ich habe volles Vertrauen in Christian Titz. Und ich traue es auch der Mannschaft zu", sagte Kind. "Das Ziel war eigentlich, mit diesem Kader innerhalb von zwei Jahren aufzusteigen. Aber wenn wir jetzt die Chance dazu haben, müssen wir sie auch nutzen. Das sehe ich ganz pragmatisch."

Der 82-jährige Kind hat in seinen vielen verschiedenen Funktionen bei 96 schon viel erlebt. Die Bundesliga-Aufstiege 2002 und 2017. Aber auch die Dauerfehde zwischen den Vertretern des Muttervereins Hannover 96 e.V. und der ausgegliederten Profifußball-Gesellschaft.

Ohne Unruhe geht es in Hannover offenbar nicht. Allein in dieser Saison verabschiedeten sich in Marcus Mann und Jörg Schmadtke zwei Geschäftsführer in nur drei Monaten. Immerhin hat sich der Konflikt zwischen Vereins- und Kapitalseite mittlerweile so beruhigt, "dass die Zusammenarbeit funktioniert", wie Kind sagt. Dass 96 endlich wieder in die Bundesliga aufsteigt, ist das, was alle in Hannover verbindet.

dpa