Der Bisam, die größte heimische Wühlmausart, ist gerade für Dämme und Deiche ein Problem. Das ursprünglich aus Nordamerika stammende Nagetier legt seine Bauten in Dämmen, Deichen und Uferbereiche der Gewässer an, indem es unterirdische Höhlen gräbt. Damit werden diese für den Hochwasserschutz wichtigen Bauwerke geschädigt. In der Grafschaft Bentheim findet diese Woche eine gemeinsame Fangwoche mit niederländischen Bisambekämpfern statt.
Seit wann gibt es den Bisam in Niedersachsen?
Der Bisam, auch Bisamratte oder Ondatra zibethicus genannt, stammt aus den Feuchtgebieten Nordamerikas und wurde Anfang des 20. Jahrhunderts im heutigen Tschechien ausgesetzt. Er verbreitete sich rasch in ganz Europa. Laut Landwirtschaftskammer wird ihm auf dem Gebiet des heutigen Niedersachsens etwa seit 1930 nachgestellt. Das auf der EU-Liste der invasiven Arten aufgeführte Tiere ist in ganz Niedersachsen und auf den Inseln anzutreffen.
Welchen Lebensraum braucht der Bisam?
Der Bisam braucht laut Deutschem Jagdverband Biotope mit einem Wasserstand in gleichbleibender Höhe. Das können stehende oder fließende Gewässer sein. Die Tiere müssen Höhlen anlegen können. Sie ernähren sich hauptsächlich von Wasserpflanzen, fressen aber auch Grünpflanzen an Land. Am Ende des Winters, wenn die Vegetation zurückgeht, gehören auch Weichtiere und Krebse.
Welche Schäden richtet der Bisam an?
Mit seiner Wühltätigkeit verursacht der Bisam Uferabbrüche und -einbrüche, das Abrutschen von Böschungen, Unterspülungen, aber auch Einbrüche an Straßen und Wegen in der Nähe von Gewässern. Selbst Häuser können von ihm untergraben werden, sagt Folma Rademacher, die hauptamtliche Bisamjägerin der Landwirtschaftskammer ist. Die Tiere können auch den Bestand an Wasserpflanzen bei starker Fraßtätigkeit gefährden. Eine weitere Gefahr besteht in der Verbreitung von Krankheiten über den Kot der Tiere.
Wie wird gegen den Bisam vorgegangen?
Mit Hilfe von Fallen soll der Bestand des Bisams reguliert werden. Diese werden an den unter Wasser liegenden Eingängen zu den Bisamburgen angebracht. Wenn die Tiere in den Bau wollen, werden sie von der Falle erschlagen. Die Fallen müssen regelmäßig auf Tierkadaver überprüft werden. Eine weitere Fallenart sind sogenannte Reusenfallen, die zum Beispiel in Entwässerungsgräben ausgebracht werden.
Über wie viele Tiere sprechen wir in Niedersachsen?
Im vergangenen Jahr wurden der Landwirtschaftskammer zufolge 92.196 Bisame unschädlich gemacht. Das Hauptverbreitungsgebiet befindet sich entlang der Grenze zu den Niederlanden und im Norden an der Küste. Allein in der Wesermarsch sind der Kammer zufolge im vergangenen Jahr 25.000 Bisame erlegt worden. Die erlegten Tiere werden entweder in einer Tierkörperbeseitigungsanlage vernichtet. Aber auch Falkner nutzen die getöteten Tiere als Futter.
Welchen Hintergrund hat die Zusammenarbeit mit den Niederlanden?
Die Niederlande liegen zum größten Teil unter dem Meeresspiegel, intakte Deiche und Dämme sind daher lebensnotwendig für das Land.
Wegen der Schäden, die Bisame an diesen Schutzbauten anrichten, stecken die Niederlande deutlich mehr Aufwand in die Bekämpfung. Bis 2034 wolle das Land bisamfrei sein, sagt Heiko Fritz von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Da in den vergangenen Jahren ein vermehrter Zustrom von Bisamen aus Deutschland festgestellt wurde, wurden gemeinsame Fangwochen entlang der Grenze angesetzt.
Was ist das Besondere der Fangwochen?
Normalerweise beschränkt sich die Bekämpfungsstrategie in Deutschland auf die Aufstellung von Fallen und Reusen. Bei den Fangwochen durchkämmen etwa 20 Fänger aus beiden Ländern die Zuläufe und Gräben in Wathosen und spüren Bisambaue aktiv auf, erklärt Fritz. Vor den Eingängen wurden Fallen platziert und der Standort mit einer farbigen Bambusstange markiert.
Darf jeder Bisame auf seinem Grundstück fangen?
Nein, für das Fangen von Bisamen ist ein Sachkundelehrgang zwingend erforderlich. Bei Bisambefall muss der zuständige Unterhaltungsverband des Gewässers oder die Landwirtschaftskammer verständigt werden.
Was ist der Unterschied zwischen Bisam, Nutria und Biber?
Die Nutria ist ebenfalls eine invasive Art, stammt aber nicht aus Nord-, sondern aus Südamerika. Seit Ende des 19. Jahrhunderts wurde es in Europa für Pelzfarmen gezüchtet. Aus den Pelzfarmen entwichene Tiere siedelten sich an Gewässern an. Sie haben keine natürlichen Feinde.
Die Körpergröße des Bisams liegt bei etwa 35 Zentimetern, das Nutria wird 65 Zentimeter groß. Zum Vergleich: Der einheimische Biber hat eine Körpergröße von einem Meter.
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