Die Landwirte in Nordrhein-Westfalen schauen mit großer Zuversicht auf das Erntejahr 2026. "Das Wetter hat mitgespielt. Die Aussaat der Wintergetreide ist gut gelaufen", sagte der Präsident des Rheinischen Landwirtschaftsverbandes (RLV), Erich Gussen, der Deutschen Presse-Agentur. "Ein paar Tage Regen waren kein Problem. Wir hatten gute Verhältnisse. Ganz anders war das ja in den Jahren 2023 und 2024, wo es zu nass war."
Die Kälte über die Feiertage war ebenfalls positiv. "Wenn wir richtigen tiefgreifenden Frost bekommen, ist das für den Boden gut. Das frierende Wasser sprengt den Boden und sorgt so für eine bessere Bodenqualität", sagte Gussen. "Läuse legen ihre Eier für die nächsten Generationen im Frühjahr an den Zwischenwirten ab. Bei längerem Frost sterben die alten Läuse ab und vermehren sich nicht mehr. Frost im Winter ist somit gut, aber er darf nicht zu spät im Frühjahr kommen."
Auch im westfälischen Landesteil lief die Aussaat weitestgehend problemlos. "Die Witterung hat gut mitgespielt. Der ein oder andere Regenschauer brachte nur kurze Unterbrechungen. Auf leichten Böden konnte so die ganze Zeit gesät werden", sagte Tim Richter vom Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband (WLV) der dpa. In nur wenigen Fällen sei die Aussaat auf schweren Böden durch Schauer unterbrochen und nach hinten verschoben worden.
Regionale Unterschiede bei den Bodenarten
Richter erklärt die regionalen Unterschiede. "Auf sandigen Böden läuft die Aussaat in der Regel reibungsloser. Einzelne Schauer haben hier meist wenig Einfluss auf die Aussaat, da das Wasser schnell abzieht - ein Nachteil in sehr trockenen Jahren", so WLV-Experte Richter. Auf schweren Böden müsse dafür länger gewartet werden, dies könne in ungünstigen Fällen dazu führen, dass Flächen nach Kulturen wie Körnermais, die später im Jahr geerntet werden, nur schwer oder in Extremfällen gar nicht im Herbst bestellt werden können.
Nach Angaben von Gussen gab es im Rheinland im Herbst im Bereich Bedburg ein Starkregenereignis. "Das war aber lokal sehr begrenzt. Die Feldarbeiten mussten dort dann etwas länger ausgesetzt werden."
"Angesichts der günstigen Witterungsbedingungen auch für Schädlinge und Krankheiten mussten einige Pflanzenschutzmaßnahmen durchgeführt werden", schränkt Saskia Schmitz von der Landwirtschaftskammer NRW das insgesamt positive Bild etwas ein. Aber: "Die Aussaat ist NRW-weit rundum zur Zufriedenheit verlaufen", sagte Schmitz.
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Preise bereiten Sorgen
Das Wetter im Herbst und Winter hat die Betriebe somit nicht zum Umplanen gezwungen. "Allerdings schauen die Kollegen wegen der Preissituation bei Kartoffeln und Zuckerrüben, ob sie andere Kulturen anbauen. Es gab einen Preisverfall, weil es zu viele Kartoffeln im Angebot gab. Allerdings ist momentan bei allen Feldfrüchten keine Kostendeckung gegeben", sagte RLV-Präsident Gussen.
Klimawandel bringt mehr Wetterextreme - nicht aber 2025
Die durch den Klimawandel bedingten Veränderungen verändern auch die Arbeit der Landwirte. "Aufgrund der längeren Vegetationszeiten, sowohl im Frühjahr als auch im Herbst, werden im Herbst die Aussaattermine tendenziell nach hinten verschoben, zum Beispiel bei Wintergerste eher in den Oktober", so die Aussage der NRW-Landwirtschaftskammer. Auch beim Raps seien spätere Saattermine bis Mitte September möglich geworden.
"Der Klimawandel beeinflusst die Arbeit der landwirtschaftlichen Betriebe direkt. Es kommt zu immer mehr Extremen, sei es Trockenheit oder Nässe", sagte Richter. Das Jahr 2025 sei aber insgesamt recht gemäßigt verlaufen. "Es kann nicht von einem "goldenen Oktober" gesprochen werden", sagte der WLV-Experte. Der Oktober 2025 sei der an Sonnenschein ärmste Oktober seit Aufzeichnungsbeginn 1951 gewesen, aber Besonderheiten wie Starkregenereignisse seien ausgeblieben.