Energiewende
Wie ein Chemiewerk 1.000 Wohnzimmer heizt

Abwärme aus einer Chemiefabrik für das Beheizen von 1.000 Haushalten: In Herne wurde jetzt eine neue Hochtemperatur-Wärmepumpe i
Abwärme aus einer Chemiefabrik für das Beheizen von 1.000 Haushalten: In Herne wurde jetzt eine neue Hochtemperatur-Wärmepumpe in Betrieb genommen. Foto
© Federico Gambarini/dpa
Lauwarmes Wasser auf fernwärmetaugliche 130 Grad bringen? Eine neue Großwärmepumpe in Herne kann das. Jetzt wird sie ausgiebig getestet.

In einer Evonik-Chemiefabrik im Ruhrgebiet erzeugt jetzt eine neue Großwärmepumpe Fernwärme für etwa 1.000 Haushalte. Die Hochtemperatur-Anlage erhitzt 28 Grad warmes Wasser aus der Chemieproduktion auf rund 130 Grad. Anschließend wird es in das Netz des Fernwärmeunternehmens Iqony eingespeist.

Betreiber der Pilotanlage ist der Energiekonzern Uniper. Eingespart werden sollen durch die Anlage jährlich bis zu 1.750 Tonnen Kohlendioxid, wie die beteiligten Unternehmen in Herne mitteilten. 

Wie ein Kühlschrank, nur umgekehrt

Die Anlage funktioniert technisch wie ein Kühlschrank, nur umgekehrt. Genutzt wird 25 bis 30 Grad warmes Kühlwasser aus den Prozessen der Fabrik. "Die Abwärme bleibt nun nicht mehr ungenutzt", hieß es. Eingespart wird außerdem Energie, die bislang für Kühlung verwendet wurde. 

Nach Angaben von Uniper-Betriebsvorstand Holger Kreetz handelt es sich um die erste Anlage in Deutschland, die einen Temperatursprung von mehr als 100 Grad schafft. "Für bestehende Fernwärmenetze ist genau das entscheidend: Sie brauchen hohe Vorlauftemperaturen, die herkömmliche Wärmepumpen nicht liefern können", hieß es in der Mitteilung. Die Versuchsanlage kostete einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag. 

Testzeit 30 Monate

Uniper, Evonik und Iqony wollen jetzt 30 Monate prüfen, ob sich eine Vergrößerung der Anlage lohnt. "Das Ruhrgebiet hat ein riesiges Fernwärme-Potenzial", sagte Iqony-Fernwärmechef Matthias Ohl. Industrielle Abwärme spiele dabei eine wichtige Rolle.

Hersteller der Wärmepumpe ist das spanische Unternehmen Rank. Die Technik befindet sich in mehreren Containern, die auf dem Evonik-Gelände direkt zwischen Kühltürmen und einer Fernwärmeleitung platziert wurden.

In dem Chemiewerk stellt Evonik sogenannte Quervernetzer her. Das sind Spezialchemikalien, die für eine höhere Festigkeit von Kunststoffen sorgen. Sie werden etwa beim Bau von Windrad-Flügeln oder für stark beanspruchte Lacke verwendet.

dpa