Tarifkonflikt mit Folgen
Warnstreiks im Nahverkehr: Erst Kundenzentren, dann Bahnen

Verdi hat zu großangelegten Warnstreiks in kommunalen Nahverkehrsbetrieben in NRW aufgerufen. (Symbolbild) Foto: Federico Gambar
Verdi hat zu großangelegten Warnstreiks in kommunalen Nahverkehrsbetrieben in NRW aufgerufen. (Symbolbild) Foto
© Federico Gambarini/dpa
Viele Nahverkehrsbetriebe in NRW werden heute und morgen bestreikt. Erst geht es um Kundenzentren und dann um Busse und Bahnen. Wer betroffen ist und was die Alternativen für Fahrgäste sind.

In vielen Kundenzentren kommunaler Verkehrsbetriebe müssen Fahrgäste heute mit deutlichen Einschränkungen rechnen. Die Gewerkschaft Verdi hat in allen Regionen des Bundeslandes Beschäftigte in den Kundenzentren und der Verwaltung zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Morgen bleiben dann vielerorts Busse und Bahnen in den Depots.

Welche Kundenzentren sind heute betroffen?

Bestreikt werden heute die entsprechenden Teilbereiche von 14 Nahverkehrsbetrieben. Darunter sind nach Verdi-Angaben unter anderem die KVB (Köln), die Rheinbahn (Düsseldorf) und die DSW (Dortmund).

Wo bleiben am Dienstag Busse und Bahnen im Depot?

Verdi hat in allen Regionen von NRW zum Warnstreik in Nahverkehrsbetrieben aufgerufen. Nicht betroffen sind am Dienstag nach Verdi-Angaben das Unternehmen wupsi in Leverkusen, die Bahnen der Stadt Monheim, Stadtbus Gütersloh, die Stadtwerke Münster und die Stadtwerke Hamm. Das Unternehmen Aseag in Aachen ist ohnehin nicht Teil des Tarifkonflikts.

Welche Verkehrsalternativen gibt es am Dienstag? 

Erfahrungsgemäß fahren einige Busse privater Subunternehmer. Außerdem sind S-Bahnen und Regionalzüge nicht von dem Tarifkonflikt im kommunalen Nahverkehr von NRW betroffen und können etwa innerhalb der Großstädte genutzt werden, um ein großes Stück voranzukommen. Der ADAC rät in solchen Fällen zu Fahrgemeinschaften und für kurze Strecken zum eigenen Fahrrad oder zu Sharing-Angeboten, etwa Leihräder oder Elektroscooter. 

Müssen Schulkinder am Dienstag trotzdem zur Schule? 

Das NRW-Schulministerium hatte bei vorangegangenen Warnstreiks im Nahverkehr darauf hingewiesen, dass Schulpflicht besteht: "Bei im Vorfeld angekündigten Ereignissen wie einem Streik des öffentlichen Nahverkehrs besteht die Verpflichtung zur Teilnahme am Unterricht auch weiterhin." 

Warum werden Verkehrsbetriebe bestreikt? 

Der Tarifkonflikt dreht sich um die Arbeitsbedingungen der etwa 30.000 Beschäftigten in rund 30 kommunalen Verkehrsbetrieben in NRW. In den bislang zwei Verhandlungsrunden wurde keine Einigung erzielt. 

Verdi NRW will die wöchentliche Arbeitszeit von 39 auf 37 Stunden bei vollem Lohnausgleich verkürzen. Die Ruhezeit zwischen zwei Schichten soll außerdem von 10 auf 11 Stunden erhöht werden. Der Zuschlag für Sonntagsarbeit soll von 25 Prozent des Stundenentgelts auf mindestens 40 Prozent steigen. 

Arbeitgeber halten Forderungen für überzogen 

Der Kommunale Arbeitgeberverband Nordrhein-Westfalen wirft Verdi seit Wochen vor, die Augen vor der desolaten Finanzlage der Verkehrsbetriebe zu verschließen. Die Tarif- und Entgeltbedingungen hätten sich schon deutlich verbessert, der Nahverkehr biete bereits attraktive Arbeitsplätze.

dpa