Ein landesweiter Trend hin zu einer steigenden Beliebtheit von Ausbildungen lässt sich in Rheinland-Pfalz derzeit nicht eindeutig feststellen. Während die Handwerkskammer Koblenz Zuwächse bei neuen Ausbildungsverträgen meldet, zeigen Zahlen der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit ein weitgehend stabiles Niveau bei Bewerberinnen und Bewerbern, mit leichten Schwankungen.
Die Handwerkskammer Koblenz verzeichnet nach eigenen Angaben bei neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen einen kontinuierlichen Anstieg. Im Vergleich der vergangenen drei Jahre stieg die Zahl von 765 im Jahr 2024 über 788 im Jahr 2025 auf 826 im Jahr 2026. Bei den freien Ausbildungsplätzen habe es keine besonderen Auffälligkeiten gegeben.
Gründe für Ausbildung
Die Gründe dafür sind der Kammer zufolge vielschichtig: Eine Umorientierung habe bereits während der Corona-Pandemie begonnen - "viele Studierende empfanden die Online-Studiengänge als unattraktiv und unpersönlich", sagte ein Sprecher. Daher würden sich viele Studienabbrecher für eine Ausbildung im Handwerk entscheiden.
Zudem werde das Handwerk durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) moderner wahrgenommen, ohne dass diese die praktische Arbeit ersetzen könne, heißt es von der Kammer. "KI gehört hier in den Werkzeugkasten, sitzt aber nicht auf dem Stuhl des Arbeitsplatzes". Gleichzeitig seien viele Arbeiten auch langfristig nicht durch KI zu ersetzen. "Das schafft Zukunftssicherheit."
Etwas, das ebenfalls viele Jugendliche von einer Ausbildung überzeugt: Sie können am Ende des Tages ein konkretes Ergebnis ihrer Arbeit erleben, erklärte der Kammersprecher. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass Ausbildungsberufe seinen Angaben nach im Trend liegen, die genau diesen Effekt erzielen: Bauberufe wie Dachdecker, Zimmerer, Tischler und Elektriker, aber auch Nahrungsmittelberufe wie Bäcker, Konditoren und Fleischer.
"Die aktuelle Entwicklung der Ausbildungszahlen macht Mut und wir gehen von einer weiteren Steigerung der Ausbildungsverhältnisse aus", so der Sprecher der Kammer. Der Fachkräftebedarf sei weiterhin hoch. Betrieben werde geraten, die Werte des Handwerks noch bekannter zu machen, etwa in Schulen oder über soziale Netzwerke.
Interesse eher gesunken
Nach Angaben der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit wurden im aktuellen Berufsberatungsjahr 2025/2026 im April 15.700 ausbildungsinteressierte Jugendliche in Rheinland-Pfalz gezählt. Das entspricht einem Rückgang von 4,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, liegt jedoch leicht über dem Wert von 2023/24. Insgesamt ergibt sich damit das Bild einer weitgehend stabilen Entwicklung ohne klaren Aufwärts- oder Abwärtstrend.
Nach Angaben der Agentur stehen die Ausbildungsberufe Kaufleute für Büromanagement, Verkäuferinnen und Kfz-Mechatroniker im Bereich PKW-Technik an der Spitze der Nachfrage. Dabei habe es in den vergangenen drei Jahren keine Veränderung gegeben.