Aktuelle Studie Sachsens Kitas unter Schlusslichtern bei Personalausstattung

84 Prozent der Kitas in Sachsen sind laut einer Bertelsmann-Studie unterbesetzt. (Symbolbild) Foto: Uwe Anspach/dpa
84 Prozent der Kitas in Sachsen sind laut einer Bertelsmann-Studie unterbesetzt. (Symbolbild) Foto
© Uwe Anspach/dpa
Nur ein Prozent der Kitas in Sachsen verfügt laut einer Studie über das empfohlene Personal. Gleichzeitig führte der Freistaat zuletzt bei der Fachkräftequote. Die Träger sehen die Politik am Zug.

Sachsens Kitas gehören zu den Schlusslichtern im bundesweiten Vergleich: Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung gab es 2024 für eine optimale Betreuung zu wenig Erzieherinnen und Erzieher in den Betreuungseinrichtungen im Freistaat. 84 Prozent der Einrichtungen haben weniger als 60 Prozent des empfohlenen Personals. 

Sachsen liegt damit bei der Personalausstattungsquote im Bundesvergleich auf dem vorletzten Platz, nur Mecklenburg‑Vorpommern steht noch schlechter da. Lediglich ein Prozent der Kindertagesstätten erreicht laut Studie demnach das von Experten aus der Wissenschaft empfohlene Niveau. Im Mittel stünden sächsischen Kindertagesstätten 51 Prozent der Personalressourcen zur Verfügung, die für eine kindgerechte Bildung und Betreuung notwendig wären. 

Nach Ansicht von Susanna Karawanskij, Präsidentin des Volkssolidarität-Bundesverbands, ist die Situation ostdeutscher Kitas ambivalent: "eine schlechte Fachkraft-Kind-Relation bei gleichzeitig hoher fachlicher Qualität des Personals", heißt es in einer Mitteilung des Trägers, der nach eigenen Angaben 390 Einrichtungen im Osten betreibt. Das Personal leiste "gute pädagogische Arbeit", allerdings unter Bedingungen, "die ihr systematisch entgegenstehen".

Kultusminister Clemens: "Ausgangslage in Ostdeutschland anders"

Sachsens Kultusminister Conrad Clemens verweist auf die bisherige Entwicklung: "Bei der personellen Ausstattung haben wir in den letzten Jahren viele Verbesserungen erreicht", so der CDU-Politiker. Nach Ministeriumsangaben sind in den vergangenen zehn Jahren 10.000 Beschäftigte in den Einrichtungen hinzugekommen. "Aber klar ist auch: Die Ausgangslage in Ostdeutschland ist eine andere als in westdeutschen Bundesländern. Das zeigt sich auch in den Studienergebnissen der Bertelsmann-Stiftung", so Clemens. 

Eine frühere Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung aus dem Jahr 2024 hatte Kitas in Sachsen und Thüringen den bundesweit höchsten Anteil an Fachkräften beim Personal attestiert. In Sachsen lag der Anteil demnach mehr als doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt. 

Der Bundesverband der Volkssolidarität sieht die Chance für Ostdeutschland, Vorreiter zu werden. Freiwerdende Fachkräfte müssten trotz sinkender Kinderzahlen in den Kitas gehalten werden. Der Verband sieht daher Bund und Länder gefordert, "die Ergebnisse der Studie konsequent in eine bedarfsorientierte Steuerung von Personalressourcen zu übersetzen". 

Nach Meinung von Nora Köhler, Sprecherin der Liga der Freien Wohlfahrtspflege Sachsen, sei das Personal in den Einrichtungen deutlich stärker gefordert als früher, etwa wegen Aufgaben der Inklusion und der Sprachförderung. Die aktuell sinkenden Geburtenzahlen sollten aus Sicht des Verbands genutzt werden. "Wir stehen vor Herausforderungen in unseren Kitas und brauchen einen besseren Personalschlüssel", so Köhler. 

Studie sieht mehr Bedarf durch Inklusion und Sprachförderung

Das bildet auch die aktuelle Studie zur Personalausstattung in den Häusern ab: Demnach spricht in Sachsen in 13 Prozent der Einrichtungen mehr als ein Viertel der Kinder nicht Deutsch in der Familie. Fast die Hälfte (49 Prozent) der Einrichtungen werde zudem von Kindern mit Eingliederungshilfe besucht. Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache oder einer körperlichen, geistigen oder (drohenden) seelischen Behinderung benötigen nach Meinung der Studienautoren eine intensivere Begleitung.

Die Landesregierung hatte auf die sinkenden Kinderzahlen reagiert und zur Sicherung des Kita-Personals eine Erhöhung des Landeszuschusses im aktuellen Doppelhaushalt 2025/26 beschlossen. Doch unklar ist, wie genau sich die Finanzierung in Zukunft entwickelt. Das Kita-Moratorium stieß zudem auf Kritik durch die Kommunen, die einen Großteil der Kita-Kosten stemmen müssen und schon seit längerem über eine desolate Haushaltslage klagen. Die SPD-Fraktion im sächsischen Landtag hatte vor diesem Hintergrund bereits im vergangenen Jahr eine "grundlegende Neuausrichtung der Kita-Finanzierung" und eine "faire Neuaufteilung der finanziellen Lasten zwischen Land und Kommunen" gefordert.

Starker Ost-West-Unterschied in Personalausstattung der Kitas

Laut der aktuellen Studie zur Personalausstattung erreichten 2024 im Bundesdurchschnitt lediglich 13,7 Prozent der Kitas die empfohlene Personalausstattung. Auffällig dabei: In Westdeutschland sind es im Schnitt 16,3 Prozent, in Ostdeutschland mit Berlin dagegen nur 2 Prozent. Die Personalausstattungsquote ist ein in Kooperation mit dem Österreichischen Institut für Familienforschung an der Universität Wien entwickelter Indikator. Er soll der Studie zufolge ermöglichen, die Personalsituation in Kitas auf Basis der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik differenziert abzubilden.

"Ausreichende Personalkapazitäten sind unabdingbar, wenn es um die notwendigen zeitlichen Ressourcen für die individuelle Bildungs- und Entwicklungsförderung des einzelnen Kindes geht", betont das Studienteam. Ob die vorhandene Anzahl der Mitarbeitenden für den Bedarf der Kinder angemessen ist, hänge unter anderem von der Größe der Kita, dem Alter der betreuten Kinder sowie deren besonderen pädagogischen Anforderungen ab.

dpa