Rentner im Job
Mehr als 33.000 Thüringer Rentner arbeiten weiter

In Thüringen haben mehr Männer als Frauen im Rentenalter noch einen Job. (Archivbild) Foto: Marijan Murat/dpa
In Thüringen haben mehr Männer als Frauen im Rentenalter noch einen Job. (Archivbild) Foto
© Marijan Murat/dpa
Ob als Fahrer, im Büro oder bei der Reinigung: Rentnerinnen und Rentner packen in Thüringen weiter an. Warum viele nicht aufhören wollen – und was Betriebe dafür tun.

Aus Freude an der Arbeit oder um die Rente aufzubessern: Der Ruhestand ist für viele Thüringer längst nicht mehr gleichbedeutend mit dem Ende des Berufslebens. Im vergangenen Jahr waren nach Angaben der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit rund 33.500 Frauen und Männer im Rentenalter sozialversicherungspflichtig oder geringfügig beschäftigt. Das entspricht einem Anteil von 3,8 Prozent an allen Beschäftigten im Freistaat – und liegt damit auf dem Bundesniveau.

Innerhalb von zehn Jahren ist die Zahl der arbeitenden Rentner im Freistaat den Angaben nach deutlich gestiegen. 2015 waren noch rund 11.800 Menschen weniger im Rentenalter erwerbstätig. Mit dem allmählichen Eintritt der geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand dürfte die Zahl der arbeitenden Rentnerinnen und Rentner in den kommenden Jahren weiter steigen.

Mehr Männer als Frauen im Job

Von den 33.500 Erwerbstätigen im Rentenalter waren 18.900 Männer. Die große Mehrheit von ihnen – 14.600 – arbeitete in einem Minijob. Besonders häufig waren sie als Fahrer, in der Lagerwirtschaft und bei Zustelldiensten sowie in der Gebäudetechnik oder im Objektschutz tätig.

Bei den Frauen gingen 14.600 einer Beschäftigung nach, davon 12.100 in Minijobs. Sie arbeiteten vor allem in Büros und Sekretariaten, in der Reinigung oder in der Erziehung und Sozialarbeit.

Spaß an der Arbeit - oder aus finanziellen Gründen

Nach einer Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ist Erwerbstätigkeit im Ruhestand heute deutlich weiter verbreitet als noch vor 30 Jahren. Viele Rentnerinnen und Rentner nennen demnach soziale und persönliche Motive als Hauptgrund – etwa Freude an der Arbeit oder den Wunsch, weiterhin gebraucht zu werden.

Allerdings spielt auch das Geld eine Rolle: Mehr als zwei Fünftel der Befragten – insbesondere bei geringfügig Beschäftigten – gaben an, aus finanziellen Gründen weiterzuarbeiten. Unter den nicht erwerbstätigen Ruheständlern sieht gut ein Fünftel das fehlende Angebot passender Stellen als Grund.

Unterstützung für Betriebe

Die Arbeitsmarktexperten sehen in älteren Beschäftigten eine wichtige Stütze für Unternehmen. "Ältere Beschäftigte leisten mit ihrer langjährigen Erfahrung und ihrem fundierten Fachwissen einen wichtigen Beitrag zur Sicherung des Fachkräftebedarfs", erklärte Markus Behrens, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt–Thüringen.

Betriebe würden mit spezialisierten Beratungsangeboten unterstützt, um Arbeitsplätze ergonomisch und technisch anzupassen oder körperliche Einschränkungen auszugleichen. So könne die Arbeitsfähigkeit älterer Beschäftigter erhalten und ihre Teilhabe am Arbeitsleben langfristig gesichert werden, hieß es.

dpa