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"Hart aber fair": Späte Mutterschaft: Das sind die 5 wichtigsten Erkenntnisse der Sendung

Frank Plasberg diskutierte bei "Hart aber fair" über späte Mutterschaft. Mit im Studio: die 50-jährige Caroline Beil, die derzeit ein Kind erwartet. Lohnte sich das Einschalten?

War zu Gast bei "Hart aber fair": Caroline Beil (50) sprach über ihre späte Schwangerschaft

War zu Gast bei "Hart aber fair": Caroline Beil (50) sprach über ihre späte Schwangerschaft

In der gestrigen Sendung von "Hart aber fair" hatte sich Frank Plasberg ein Thema vorgenommen, das selten so aktuell war wie heute: die späte Mutterschaft von Frauen. Die Nachrichten sind voll von prominenten Frauen, die sich jenseits der 40 noch für eine Schwangerschaft entscheiden. Jüngstes Beispiel: die 50-jährige Fernsehmoderatorin Caroline Beil, die derzeit im sechsten Monat schwanger ist. Folgerichtig saß Beil auch in der Talkrunde. Offen sprach sie über ihren Entschluss - und die Sorgen und die Kritik, die damit einhergingen.

Beil steuerte interessante Aspekte zu der Diskussion bei. Doch auch die übrigen Talkgäste waren gut ausgewählt: Da saß etwa die Regisseurin Ina Borrmann, die einen Film über ihre jahrelange Kinderwunschbehandlung gedreht hatte und nun Mutter eines neun Monate alten Sohnes ist. Oder die Theologin Michaela Freifrau-Heereman, die daran erinnerte, dass trotz eines innigen Kinderwunsches immer auch das Wohl des zu entstehenden Lebens berücksichtigt werden muss. Der Reproduktionsmedizinier Jörg Puchta klärte über verschiedene Methoden der Kinderwunschbehandlung auf, und Medizinethiker Giovanni Maio mahnte zu einem besonnenen Umgang mit den zur Verfügung stehenden Methoden.

Die Talkrunde in "Hart aber fair" im Überblick: Jörg Puchta, Caroline Beil, Ina Borrmann, Michaela Freifrau, Giovanni Maio und Moderator Frank Plasberg (v.l.n.r)

Die Talkrunde in "Hart aber fair" im Überblick: Jörg Puchta, Caroline Beil, Ina Borrmann, Michaela Freifrau, Giovanni Maio und Moderator Frank Plasberg (v.l.n.r)


Ganz unaufgeregt und in einem dem Thema angemessenen Ton diskutierte die Runde über das Für und Wider bestimmter Kinderwunschbehandlungen wie Insemination und Eizellspende (die hierzulande übrigens nicht erlaubt ist). Dabei kamen zwar die medizinischen Risiken einer späten Schwangerschaft zu kurz. Doch die Runde bot dennoch Raum für echte Erkenntnisse. Wir nennen die fünf wichtigsten.

+++Hier können Sie nachlesen, welche Methoden der künstlichen Befruchtung Paaren zur Verfügung stehen.+++

1. Späte Mutterschaft ist noch immer ein Tabu

Trotz des medizinischen Fortschritts, trotz einer immer stärker alternden Gesellschaft: Wenn Frauen sich in einem fortgeschrittenen Alter für ein Kind entscheiden und dafür Methoden der künstlichen Befruchtung in Anspruch nehmen, reagieren viele Menschen argwöhnisch. Das musste Caroline Beil am eigenen Leib erfahren, wie sie bei Plasberg verrät. "In dieser Gesellschaft wird mit zweierlei Maß gemessen", glaubt die Moderatorin. "Männer, die in meinem Alter noch Väter werden, denen wird auf die Schulter geklopft. Ich werde kritisiert." Sie sei "egoistisch" und "unverantwortlich" - all das wurde der 50-Jährigen vorgeworfen.

Diese Diskrepanz wird auch in einer kurzen Straßenumfrage deutlich, die die "Hart aber fair"-Redaktion vorab durchgeführt hat. Sie zeigten Passanten Bilder von Prominenten, die sich spät für ein Kind entschieden hatten. Während von vielen Passanten der werdende Vater George Clooney - immerhin 54 Jahre alt - als weitgehend in Ordnung eingestuft wurde, musste Caroline Beil mächtig Kritik einstecken. Eine Frau ab 50 "sei auf jeden Fall zu alt", um Mutter zu werden, lautete das Credo. Immerhin eine Frau lobte die Moderatorin für ihren Mut.

2. Auch Männer haben mit dem Alter Probleme, Kinder zu zeugen

Ein Argument, das häufig gegen eine späte Mutterschaft angebracht wird: Das Risiko, dem das Kind ausgesetzt werde, sei zu groß. "Wir Männer werden auch nicht besser mit den Jahren", gibt da der Mediziner Jörg Puchta zu bedenken. So nehme etwa die Anzahl der Spermien mit jedem weiteren Lebensjahr um ein Prozent ab. Wahr sei aber auch, dass die biologische Uhr bei Männern langsamer ticke als bei Frauen.

3. Kinderwunsch sollte bei Mann und Frau gleichermaßen bestehen

Welch psychische Belastung eine Kinderwunschbehandlung bedeutet, zeigte Plasberg eindrucksvoll mit Ausschnitten aus der Dokumentation "Alle 28 Tage" von Ina Borrmann (Jahrgang 1969). Die Regisseurin ließ mehrere künstliche Befruchtungen vornehmen und zahlte zusammen mit ihrem Ehemann rund 25.000 Euro für die Behandlung. Alle blieben zunächst erfolglos. Die Dokumentation zeigt, wie Borrmann zusammenbricht, nachdem sie erfahren hat, dass es wieder nicht mit einer Schwangerschaft geklappt hat. Wie ihr Arzt ihr von einem erneuten Versuch abrät, weil er eine zu große emotionale Belastung darstellen könnte.

"So eine Behandlung bedeutet vor allem Druck: Termine, Warten, Hoffnung und sehr viel Enttäuschung, wenn es wieder nicht klappt", sagt Borrmann in "Hart aber fair". Eine große Stütze in dieser Zeit sei ihr Ehemann gewesen. Es war wichtig, dass auch er einen großen Kinderwunsch hatte. Geht der Wunsch nur von einem Partner aus, könne das eine Beziehung zerstören, so Borrmann.

4. Vieles ist medizinisch möglich - nicht alles ist erlaubt

Heute ist die Regisseurin Mutter eines neun Monate alten Sohnes. Borrmann entschied sich für eine Eizellspende, die mit dem Samen ihres Mannes befruchtet wurde. Diese Behandlung ist in Deutschland verboten und steht unter Strafe für den ausführenden Arzt. Borrmann ließ sich jedoch in Belgien behandeln und trug das Kind nach der Befruchtung selbst aus. 

Für Caroline Beil ist das Verbot unverständlich: "Was ist der Unterschied zwischen einer Eizellspende und einer Sperma-Spende, die erlaubt ist?", gab die Moderatorin zu bedenken. "Ich weiß auch gar nicht, warum da so differenziert wird."

Medizinethiker Giovanni Maio klärt auf: Das Verbot soll eine "gespaltene Mutterschaft" verhindern - zum Wohl des Kindes. Während ein Kind, das durch eine Samenspende entsteht, einen biologischen Vater hat, sind es bei einer gespendeten Eizelle streng genommen zwei - nämlich die genetische Mutter und die, die das Kind ausgetragen hat. Auch letztere habe "einen genetischen Einfluss" auf das Kind, weil es im Mutterleib einen Dialog zwischen Embryo und Mutter gebe, so Maio.

5. Verbotene Methode: Gesetzeslage nicht mehr auf neuestem Stand

Der Medizinethiker weist darauf hin, dass das Verbot der Eizellspende aus dem Jahr 1990 stamme. Und da sei der Gesetzgeber eben noch sehr "vorsichtig" gewesen. "Es gibt keine einzige Studie, die wirklich unüberwindbare Konflikte beim Kind nachweisen kann", so Maio. Vielmehr sei es so, dass sich Kinder durchaus in die Situation einfinden können. Wichtig sei aber, dass man mit dem Kind frühzeitig über seine Entstehung spreche."Es wird sehr schwierig, dieses Verbot aufrecht zu erhalten", lautet daher das Fazit des Medizinethikers.

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