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Appell Dieser Oberarzt fordert: "Bleibt so lange zu Hause, bis wir euch sicher behandeln können! Jeder Tag zählt!"

Der Mediziner Thomas Besch warnt eindringlich davor, die Corona-Ausgangsbeschränkungen vorzeitig zu lockern
Der Mediziner Thomas Besch warnt eindringlich davor, die Corona-Ausgangsbeschränkungen vorzeitig zu lockern
© Ingo Wagner/Petr David Josek / DPA
Voller Wut und Frust beobachtet Thomas Besch die Debatte um eine Auflockerung der Ausgangsbeschränkungen. Für den Intensivmediziner wäre dies ein fataler Schritt. Er appelliert an alle: Bleibt Zuhause!

Das Ende der Corona-Pandemie ist noch lange nicht in Sicht. Während die Zahl der Infektionen immer weiter steigt, wird zunehmend über Lockerungen der Ausgangsbeschränkungen debattiert. Für Thomas Besch ein fatales Signal. Der Anästhesist behandelt in einer Bremer Klinik Tag für Tag schwer erkrankte Covid-19-Patienten. Er und seine Kollegen stehen im Kampf gegen das Coronavirus an vorderster Front. Doch sie selbst sind der Krankheit schutzlos ausgeliefert. In einem eindringlichen Appell richtet sich der Mediziner an die Bevölkerung und fordert: Bleibt zu Hause - zumindest bis den Ärzten und Pflegekräften wenigstens eine adäquate Schutzausrüstung zur Verfügung steht.


Ein persönlicher Appell von Dr. med. Thomas Besch:

Es ist bitter. Es ist frustrierend. Und es macht mich wütend. Wir, die jeden Tag in den Kliniken arbeiten, müssen um die eigene Gesundheit, ja sogar um unser Leben bangen. Schlicht, weil wir keine geeignete Schutzausrüstung bekommen. 

Wir haben Angst um unsere Familien. Weil wir Einmalmasken, die von den Herstellern definitiv nicht zur Mehrfachverwendung zugelassen sind, auf haarsträubende Art aufbereiten und erneut benutzen müssen. Weil wir unsere Augen nicht ausreichend schützen können, da es keinen adäquaten Gesichtsschutz gibt.

In der Fachpresse lesen wir Namen von Kolleginnen und Kollegen, die im Kampf gegen Corona gestorben sind. Und unterdessen wird in den Medien über mögliche Entschärfungen der Kontakteinschränkungen berichtet. Es werden nicht klinisch tätige Vertreter der theoretischen Medizin (Virologie, Epidemiologie) zitiert, die über Sinn und Unsinn von Einschränkungen diskutieren. Oder es wird über verlorenes, genauer gesagt nicht verdientes Geld berichtet, über ausgefallene Flugreisen geklagt.

Für uns als klinisch tätiges Fachpersonal gibt es aber nur eine Lösung: keine Lockerung der Einschränkungen bis ausreichendes Material zu unserem Schutz vorhanden ist! Jeder einzelne Tag, den ihr zu Hause bleibt, hilft uns! Jeder einzelne Tag verschafft uns Zeit, um an die benötigte Schutzausrüstung zu kommen. Denn krankes oder totes medizinisches Personal kann niemandem helfen!

Das ist die bittere Wahrheit. Unsere Krankenhäuser werden aufgrund der mangelnden Ausstattung zu wesentlichen Verbreitungsstätten des Coronavirus. Die ersten Häuser in Wolfsburg und München wurden bereits geschlossen. Und das ist nicht verwunderlich, wo doch das ohnehin unterbesetzte Personal ohne Haarschutz, dafür mit nicht adäquatem Augen- und wahrscheinlich defektem Atemschutz die Isolierstationen betreten muss.

Es ist absurd. Aber sogar die Duschhauben, die nun nutzlos in den Hotels liegen, sind effektiver als die Kopfhauben, die uns zur Verfügung stehen. Denn die sind wenigstens wasserundurchlässig - im Gegensatz zu unserer Ausrüstung. Wenn sich die Hotels dazu durchringen könnten, ihre Duschhauben zu spenden, wäre uns schon geholfen. Aber da passiert zu wenig

Die Produktion von Schutzmitteln läuft zwar an. Und die zuständigen Kollegen in den Krankenhäusern tun ihr Möglichstes, um uns damit zu versorgen. Aber das dauert. Der eindringliche Appell also: Bleibt so lange zu Hause, bis wir euch sicher behandeln können! Jeder einzelne Tag zählt! Jeder einzelne Tag, an dem kein Patient in ein Krankenhaus kommt, wo die Pfleger und Ärzte ihre Maske wieder und wieder verwenden müssen, ist ein gewonnener Tag!


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