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Bakterien im Leitungswasser: Jährliche Tests werden Pflicht

Warmwasseranlagen in Wohnhäusern müssen ab jetzt jedes Jahr auf gefährliche Bakterien wie Legionellen getestet werden. Die Kosten für die staatlich verordneten Wasserproben tragen die Mieter.

Das Leitungswasser in Miethäusern muss künftig einmal im Jahr überprüft werden, wenn es aus großen Warmwasseranlagen stammt. Die neue Trinkwasserverordnung, die am 1. November in Kraft getreten ist, schreibt Vermietern jährliche Tests auf gefährliche Bakterien vor. Die Wasserproben sollen vor allem Legionellen aufspüren, die mitunter tödlich verlaufende Lungenentzündungen auslösen.

Von der neuen Regelung sind deutschlandweit über zwei Millionen Mehrfamilienhäuser betroffen: Vermieter müssen Warmwasseranlagen, die mehr als 400 Liter Wasser fassen, den Gesundheitsämtern melden. Das gleiche gilt, wenn sich zwischen Großboiler und Wasserhahn Warmwasserleitungen mit mehr als drei Liter Inhalt befinden. Das trifft auf so gut wie alle vermieteten Mehrfamilienhäuser zu.

Der Vermieter muss einen Sanitärbetrieb beauftragen, der offiziell die Wasserproben nehmen darf. Die Proben müssen dann in einem amtlich registrierten Labor untersucht und die Daten an die Gesundheitsämter gemeldet werden. Die Adressen der Labore können bei den Gesundheitsämtern erfragt werden. "Für die Vermieter ist das ein erheblicher Mehraufwand", sagt Manfred Hüttemann vom Eigentümerverband Haus & Grund stern.de.

Die Kosten werden auf die Mieter umgelegt

Die Keimuntersuchung kostet bei einem Haus mit acht Wohnungen etwa 200 Euro pro Jahr, so Haus & Grund. Als Betriebskosten könnten diese auf Mieter umgelegt werden. Das bedeutet faktisch eine Erhöhung der Nebenkosten um 25 Euro im Jahr pro Haushalt.

Aber sind die neuen Untersuchungen denn überhaupt sinnvoll? "Es hat immerhin schon einige Todesfälle aufgrund von Legionellen gegeben", sagt Verbandsjurist Hüttemann. "Trotzdem habe ich den Eindruck, dass hier mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird."

So lässt sich die Gefahr durch Legionellen leicht bannen, wenn man einige Vorsichtsmaßregeln beachtet. Die Temperatur im Boiler sollte immer 60 Grad betragen. Wird sie aus Energiespargründen auf unter 50 Grad heruntergefahren, können sich die Keime optimal vermehren. Auch hilft es abgestandenes Leitungswasser beispielsweise nach dem Urlaub ablaufen zu lassen.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch begrüßte, dass mit der neuen Trinkwasserverordnung zudem ein sehr strenger Uran-Grenzwert von zehn Mikrogramm pro Liter im Trinkwasser gilt. Das ist der weltweit schärfste Grenzwert für Uran. Auch die Grenzwerte für Blei sinken 0,025 Milligramm pro Liter auf maximal 0,01 Milligramm.

pen/DPA / DPA
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