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Blutspenden: Rotes Kreuz befürchtet "Sommerloch" bei Blutkonserven

Nach einem schweren Unfall brauchen Patienten schnelle Hilfe – und oft sehr viel Blut. Doch nur jeder zehnte Bundesbürger spendet den lebensnotwendigen Saft.

Eine Frau liegt ruhig auf ihrer Liege, aus ihrer Vene läuft Blut über einen Schlauch in eine Maschine. Bis zu vier Mal können Frauen, bis zu sechs Mal können Männer pro Jahr Blut spenden. Doch nur zehn Prozent der Deutschen legen sich regelmäßig zum Blutspenden auf die Liege. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) wirbt um Spender, weil es im Sommer zu Engpässen bei Blutkonserven kommen kann.

"Es gibt keinen Ersatz für Blut", sagte der Leiter des Blutspende-Instituts in Dessau, Hartmut Kroll. Bislang ist es nicht gelungen, Blut künstlich herzustellen. Jährlich werden daher 4,5 Millionen Konserven in Deutschland benötigt. Der Welt-Blutspendetag macht am 14. Juni darauf aufmerksam.

Ein langer Weg vom Spender zum Patienten

"Die Arbeit hier erfordert einen hohen logistischen Aufwand", erklärt Kroll. Zahlreiche Arbeitsschritte sind notwendig bis das Blut von einem Spender zum Patienten gelangt. Der Großteil der Mitarbeiter ist mit der eigentlichen Spende beschäftigt. Sie stellt damit den höchsten Aufwand dar.

800 bis 1000 Beutel Blut werden täglich in dem Dessauer Institut gesammelt. Über Nacht zerlegen Maschinen die rote Flüssigkeit in ihre einzelnen Bestandteile, wie Leukozyten und Blutplasma. Um Verwechslungen auszuschließen, bekommt jede Konserven Strichcodes. Erst dann gehen davon kleine Proben in das Institut nach Springe in Niedersachsen, wo sie auf Infektionen untersucht werden.

Unfallopfer brauchen oft mehrere Liter

Bei bestimmten inneren Verletzungen, etwa nach schweren Unfällen, benötigt ein Verletzter oft mehr als zehn Blutkonserven. "Blutspenden werden laufend dringend benötigt - auch in der bevorstehenden Urlaubszeit", sagte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP). Während der Sommermonate kommt es nach DRK-Angaben trotz eingeplanter Sicherheitsreserven immer wieder zu gefährlichen Engpässen.

Um die Kliniken mit ausreichend Lebenssaft versorgen zu können, sind täglich bis zu 200 Teams deutschlandweit mit mobilen Blutspendestationen unterwegs. "In kleinen Orten ist die Spende ein Event", sagte der Arzt. Nur durch das Zusammengehörigkeitsgefühl der Spender kann die Arbeit überhaupt ermöglicht werden.

Keine Angst vorm Umkippen

Die Angst davor, umzukippen, hindere immer noch viele potentielle Spender daran, ihr Blut zur Verfügung zu stellen. «Wir nehmen ja nur einen kleinen Teil des Blutes.» meint dazu Roland Karl vom DRK. Lediglich 500 Milliliter Blut würden dem Körper entzogen, das verkraftet ein gesunder Mensch.

Oft hält die Angst vor dem Einstich von der Blutspende ab. Die Mitarbeiter des Blutspendedienstes seien geschult im Umgang mit ängstlichen Menschen. Sie unterhielten sich mit den Spendern und versuchten sie so vom Einstich in den Arm oder vom Anblick der Nadel abzulenken. «Ein Spender soll nicht so sehr an das denken, was auf ihn zukommt», sagte Karl. Habe er Angst vor der Nadel oder seinem Blut, solle er nicht hingucken, wenn er gestochen werde.

juho/Romina Kempt, DPA / DPA
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