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Schleswig-Holstein Corona-Mutation in Flensburg aufgetaucht – Inzidenzwert bei 200, Stadt verschärft Maßnahmen

Zwei Passantinnen gehen in einer Fußgängerzone hinter einem Schild vorbei, auf dem "Maskenpflicht" steht
An der Maskenpflicht im öffentlichen Raum wird sich so schnell nichts ändern
© Sebastian Gollnow / DPA
Gleich zwei Kreise in Schleswig-Holstein kratzen am 200-Inzidienzwert. In Flensburg wurde nun die hochansteckende britische Corona-Mutation bestätigt. Und auch der Kreis Pinneberg verschärft seine Maßnahmen.

Die hochansteckende Mutation des Corona-Virus ist in Flensburg nachgewiesen worden. Um wie viele Fälle es sich genau handelt, konnte ein Stadtsprecher zunächst nicht sagen. Anfang dieser Woche war von rund 30 Verdachtsfällen mit der Variante aus Großbritannien berichtet worden.

Nach Angaben des Sprechers trat ein Teil der Fälle in der Belegschaft eines Betriebes unter Leiharbeitern auf. Laut Informationen des Norddeutschen Rundfunks (NDR) sind diese Fälle auf eine Silvesterfeier zurückzuführen. Es gebe aber auch davon einige unabhängige Fälle in der Stadt im Norden Schleswig-Holsteins. Wie es den Betroffenen gesundheitlich geht, sei nicht bekannt. 

Flensburg verhängt Maskenpflicht in öffentlichen Gebieten

Laut NDR stieg der Inzidenzwert, also die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche, in Flensburg am Wochenende auf mehr als 200. Der Sender beruft sich dabei auf das Robert-Koch-Institut (RKI). Am Samstag hatte die Stadt Flensburg den Wert mit 194 angegeben. Grund für die unterschiedlichen Werte sei ein Übertragungsfehler, so NDR und "Flensburger Tageblatt". Nach Angaben des RKI vom Montagvormittag liegt der Inzidenzwert in Flensburg bei 190,8.

In den letzten sieben Tagen wurden laut RKI in Flensburg 172 neue Corona-Infektionen gemeldet. Insgesamt wurden 934 Fälle aus der Stadt an der dänischen Grenze gemeldet. Seit dem Jahreswechsel verzeichnet das RKI einen Anstieg an Neu-Infektionen. Bisher kam Flensburg vergleichsweise glimpflich durch die Corona-Pandemie.

Wegen der kritischen Lage hat die Stadt seine Corona-Maßnahmen verschärft. So müssen Menschen zwischen 6 und 24 Uhr in mehreren öffentlichen Gebieten eine Maske tragen, etwa am ZOB, am Hafen, an zwei Stränden sowie in mehreren Straßen in der Innenstadt und in den Stadtteilen Mürwik und Engelsby. Diese Regelung gilt bis zum 14. Februar. 

Auch Pinneberg verschärft Corona-Maßnahmen

Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange (SPD) wandte sich in einem Appell an ihre Mitbürgerinnen und Mitbürger: "Ein verändertes Virus, das seit Kurzem in Flensburg aufgetaucht ist, stellt uns als Stadt vor eine neue Herausforderung, da sich abzeichnet, dass dieses um ein Vielfaches ansteckender ist als das bisherige. (…) Deshalb bitte ich Sie inständig: Bleiben Sie diszipliniert, umgehen Sie Menschenansammlungen und helfen Sie uns allen, Ansteckungen zu vermeiden – damit unser aller Alltag bald wieder Einzug hält!"

Die sich rasant in Großbritannien ausbreitende Variante ist Experten zufolge nicht nur leichter übertragbar, sondern möglicherweise auch tödlicher als die bislang vorherrschende. Sie ist bereits in diversen Ländern, darunter auch Dänemark, nachgewiesen worden.

Auch im schleswig-holsteinischen Kreis Pinneberg kratzt der Inzidenzwert an einer kritischen Grenze. Laut NDR war dieser ebenfalls am Wochenende auf mehr als 200 gestiegen. Nach aktuellen Angaben des RKI liegt er nun bei 199. In den letzten sieben Tagen wurden dort 629 neue Infektionen registriert.

Ebenso wie Flensburg hat der Kreis deshalb seine Corona-Regeln verschärft. So müssen Erwachsene auf öffentlichen Spielplätzen einen Mund-Nase-Schutz tragen. Die Maskenpflicht wurde auch auf einige Bahnhöfe ausgeweitet. Zudem wurde der Tagestourismus begrenzt. Pro Haushalt darf außerdem nur noch eine Person einkaufen. Schulhöfe dürfen außerhalb des Schulbetriebs nicht mehr betreten werden, für Pflegeheime gilt ein Betretungsverbot mit Ausnahmen. Diese und weitere Regeln gelten bis zum 31. Januar. 

Bremen unter den Nord-Ländern mit niedrigstem Wert

Wie eine Sprecherin dem NDR sagte, seien 30 Prozent der Infektionen auf Ausbrüche in verschiedenen Pflegeheimen zurückzuführen. Die anderen 70 Prozent der Neuinfektionen der vergangenen sieben Tage hingegen seien auf ein "diffuses Infektionsgeschehen" zurückzuführen.

In Schleswig-Holstein liegt der Sieben-Tage-Inzidenzwert bei 94,1, wie aus den Daten des RKI und der Landesmeldestelle hervorgeht. In den anderen norddeutschen Bundesländern liegen diese Werte ebenfalls unter 100 – mit Ausnahme von Mecklenburg-Vorpommern. Hier liegt er laut RKI bei 106,5. Im benachbarten Hamburg liegt der Wert bei 89,9. Nach Angaben der Stadt beträgt dieser allerdings 97,0.

In Niedersachsen liegt der Wert der Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohnern bei 84,5. Im Stadtstaat Bremen ist der Wert unter den Bundesländern mit 74,4 derzeit am niedrigsten.

Die höchsten Sieben-Tage-Inzidenzen unter den Bundesländern verzeichnen aktuell Sachsen-Anhalt (204,3) und Thüringen (203,7). (Stand 25.01.2021)

Quellen: Nachrichtenagentur DPA, Stadt Flensburg, Kreis Pinneberg, NDR, "Flensburger Tageblatt", Robert-Koch-Institut, Stadt Hamburg, Land Schleswig-Holstein

rw

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