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Hygiene in der Coronakrise Kostenlose Duschen: Hallenbad öffnet seine Türen für Obdachlose

Coronavirus: "Die Vergessenen" – wie eine Sängerin Obdachlosen in Hamburg hilft




Wyn Matthiesen: “Stay home“ lautet der Appell vieler Politiker und Prominenter in Zeiten der Coronakrise. Aber was, wenn man kein Zuhause hat, so wie Obdachlose? Viele Hilfseinrichtungen zur Essensausgabe und zum Duschen sind geschlossen. Und wenn man keinen Ort mehr hat, an dem man wirklich sicher ist, kann die Coronakrise zur Existenzfrage werden. Wie geht es aktuell Menschen, die auf der Straße wohnen?  


Wyn Matthiesen: Ich treffe mich gleich mit der Sängerin Alli Neumann auf der Reeperbahn. Sie unterstützt die Petition “Corona-Schutz für Obdachlose” von GoBanyp, dem ersten mobilen Duschbus für Obdachlose in Deutschland. Echt krass: vorhin am Telefon hat sie mir erzählt, dass sie Menschen begegnet ist, die seit mehreren Tagen nichts mehr gegessen haben. Auch heute ist sie wieder auf der Reeperbahn unterwegs und verteilt Essensgutscheine. Ich werde sie gleich begleiten und vor allem fragen, was eigentlich ihre Motivation ist. Selbstverständlich gilt es dabei auch für mich, den Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten, so wie alle anderen momentan auch.  


Wyn Matthiesen (Voice-Over): Alli Neumann verteilt zusammen mit ihrer Schwester Feeja Reiche auf der Reeperbahn Essensgutscheine an Menschen ohne Dach überm Kopf, und das schon seit mehreren Tagen. Was ist ihre Motivation? 


Alli Neumann: Nächstenliebe natürlich. Uns geht es gut in Deutschland und wir persönlich haben auch die Kapazität noch zu helfen. Und das wollen wir natürlich auch tun. Gestern haben wir Leute gefunden, die haben zehn Tage lang nicht gegessen. Die sind ja nicht aufgefunden worden von uns oder anderen Ehrenamtlichen. Wir haben dann Lebensmittelgutscheine gekauft.  


Wyn Matthiesen (Voice-Over): Die beiden Frauen besorgen zunächst Lebensmittelgutscheine in einem Supermarkt. 


Alli Neumann: Wir kommen gerade von Penny und haben Lebensmittelgutscheine gekauft. Das ist die einzige Möglichkeit, die wir gerade haben, ohne selbst Lebensmittel anzufassen. Damit können sich jetzt Leute selber was holen.  


Wyn Matthiesen (Voice-Over): Peppi heißt der erste Obdachlose, den Alli trifft. 


Wyn Matthiesen: Haben sich die Hygienemaßnahmen verschlechtert? 


Peppi: Total, weil alles zu ist. Du kannst nicht mal, wenn du einen Euro auf der Tasche hast, auf ein öffentliches Klo gehen, weil auch die sind zu. Da steht immer “warten Sie“ und da kannst du fünf Stunden hin latschen, dann steht da immer noch “warten Sie“.  Es ist alles dicht hier.  


Wyn Matthiesen (Voice-Over): Über mangelnde Essenversorgung kann sich Peppi nicht beklagen. 


Peppi: Hier fahren Hells Angels vorbei und geben dir Essen. Der Elbschlosskeller gibt dir Essen. Hier sind Leute aktiv, was du dir vorher gar nicht vorstellen konntest. Also Essen ist gesichert, danke.  


Wyn Matthiesen (Voice-Over): Was steckt hinter der Kampagne „Corona-Schutz für Obdachlose” von GoBany? 


Alli Neumann: Die konkreten Forderungen sind eine dezentrale Unterbringung in Hamburg, der Obdachlosen und vor allem eine schnelle Lösung zu finden.  


Alli Neumann: Am allerbesten, indem man die Petition unterstützt. Sie findet man auf change.org, oder einfach Gobanyo-Petition bei Google eingeben – dann findet man das. Und wir hoffen, dass es ganz schnell eine andere Lösung gibt als diese.  


Wyn Matthiesen: Ist es hier schlimmer geworden seit der Coronakrise? 




Thorsten Moehl: Ja auf jeden Fall. Es gibt keine geöffneten Tagesaufenthaltsstätten mehr, wo Leute dann mal was zu essen bekommen oder wo die sich aufwärmen können. Insofern ist dringend Hilfe geboten. Das kann auch nicht alles der Staat leisten, sondern da muss bürgerliches Engagement passieren, das ist ganz, ganz wichtig. 


Wyn Matthiesen (Off-Speaker): Wie schützen sich Alli und Feeja eigentlich selber vor dem Coronavirus? 


Alli Neumann:  Ehrlich gesagt probieren wir vor allem, die Bedürftigen zu schützen.... Wenn wir jetzt den Mundschutz tragen, dann vor allem, damit wir nicht die Gefahr eingehen, dass wir die auch noch anstecken.  


Wyn Matthiesen (Off-Speaker): Unter einer Brücke treffen wir Cheyenne. Sie wohnt hier mit ihren zwei Hunden.  


Wyn Matthiesen: Was hat sich verändert seit der Coronakrise? 


Cheyenne: Ich finde weniger Leute. Wir finanzieren uns überwiegend durch Spenden, durch Flaschen sammeln, Schnorren. Und das fällt jetzt alles flach. Keine Leute unterwegs, keine Biertrinker also auch keine Flaschen.  


Wyn Matthiesen: Was würdest du dir für eine Unterstützung von der Politik? 


Cheyenne: Ich weiß nicht, was das für einen Sinn macht, gerade mit Quarantäne – und wir laufen dann dreckig durch die Gegend. Anfälliger für Corona geht es ja gar nicht. Da geht es ja gar nicht. Ich denke gerade Hygiene ist wichtig, gerade bei so einem Fall. Da sind wir natürlich außen.  


Wyn Matthiesen: So, ich bin jetzt auf dem Weg zurück. Das war echt eindrucksvoll. Mein Gefühl ist, dass es viele Ehrenamtliche gibt, die den Obdachlosen helfen mit Speisen und Getränken. Und die sind dafür sehr dankbar. Was allerdings komplett fehlt, ist Hygiene. Und Hygiene ist nun mal wichtig, um zu verhindern, sich anzustecken.  


Wyn Matthiesen: Die Obdachlosen richtig zu unterstützen ist schwer. Denn obwohl man helfen will, kann es passieren, dass man das Virus an die weitergibt, die es am wenigsten gebrauchen können. Alli und ihre Schwester zeigen, wie es geht: Mit Mundschutz, Handschuhen und viel Liebe.  
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Eigentlich haben alle Schwimmbäder in Hamburg wegen der Coronakrise geschlossen. Ein Hallenbad öffnet nun seine Türen für Obdachlose.

Es wird immer wieder darauf hingewiesen: Regelmäßiges Händewaschen und auch eine generell gute Hygiene sind wichtig, um sich und andere vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen. Was aber machen jene, die ohnehin eingeschränkten Zugang zu Sanitäranlagen haben? Die in diesen Tagen nicht zu Hause bleiben können – weil sie kein Zuhause haben? 

Der Hamburger Schwimmbadbetreiber Bäderland bietet Obdachlosen ab sofort im Hallenbad St. Pauli eine Möglichkeit zum Duschen an. Das Bad ist, wie alle anderen Schwimmbäder der Hansestadt auch, eigentlich wegen der Coronavirus-Pandemie geschlossen. Menschen ohne festen Wohnsitz können jedoch montags, mittwochs und samstags in der Zeit von 10 bis 14 Uhr kostenfrei die Duschen des Schwimmbads neben dem Millerntorstadion benutzen. 

Kooperation von Behörde, Betreiber und Hilfsorganisation

Die Aktion wird durch eine Kooperation der Hamburger Sozialbehörde, Bäderland und der Non-Profit-Organisatino GoBanyo ermöglicht. Letztere betreibt in Hamburg bereits unter dem Motto "Waschen ist Würde" einen Duschbus für Obdachlose. "Hamburg hält zusammen. Dank der Kooperation mit Bäderland und den Engagierten des Duschbusses konnten wir eine schnelle, unkomplizierte Hilfe organisieren", wird Hamburgs Sozialsenatorin Melanie Leonhard in einer Pressemitteilung zitiert. Bäderland-Geschäftsführer Dirk Schumaier ergänzt: "Wir hoffen, dass wir mit diesem Beitrag die Sorgen und Nöte einiger von dieser Krisensituation besonders betroffenen Menschen in Hamburg lindern können".

Auch der Duschbus steht in Coronazeiten weiterhin zur Verfügung

Auch GoBanyo-Chef Christian Poelmann zeigte sich erfreut: "Wir freuen uns durch diese Kooperation 50 Duschen pro Woche für Menschen anbieten zu können, die derzeit von Obdachlosigkeit betroffen sind", wird er zitiert. Die Aktion sei der Anfang auf dem Weg zu einem möglichst umfassenden Zugang zu Sanitäranlagen, sagt er weiter.

An zweien der Tage, an denen das Bad nicht zum Duschen geöffnet ist, nämlich Donnerstag und Sonntag, steht übrigens laut GoBanyo-Webseite weiterhin der Duschbus zur Verfügung.

Einer Studie im Auftrag der Sozialbehörde zufolge leben in Hamburg mindestens 1910 Obdachlose. Die tatsächliche Zahl, so heißt es in derselben Untersuchung, dürfte allerdings höher sein.

Quellen: Bäderland (Facebook), Hamburger Sozialbehörde, GoBanyo, Studie zu Obdachlosen in Hamburg

Wenn Sie weitere Beispiele von Solidarität in Zeiten der Coronavirus-Krise kennen, senden Sie uns gerne eine E-Mail mit einer kurzen Beschreibung des Projekts samt Ort und Ansprechpartner an coronahilfe@stern.de.

rös

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