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Kampf gegen Corona-Pandemie: Wann und wie könnte man die Maßnahmen lockern? Die schwierige Suche nach einer Exit-Strategie

Noch gelten im Kampf gegen das Coronavirus in Deutschland massive Einschränkungen für das öffentliche Leben. Doch die Diskussion über eine Exitstrategie hat längst begonnen. Die wichtigsten Fragen rund um eine mögliche Lockerung der einschneidenden Maßnahmen.

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Genaue Vorhersagen sind unmöglich. Noch muss auch abgewartet werden, wie sich die massiven Ausgangsbeschränkungen tatsächlich auf die Verbreitung des Coronavirus auswirken. Ostern gilt seit Längerem als möglicher Zeitpunkt, um mit angepassten Strategien auf die Herausforderung zu reagieren. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kündigte für den Fall von Erfolgen der bisherigen Maßnahmen an: "Wenn wir das schaffen, können wir nach Ostern über weitere Perspektiven reden."    

Vorerst bestehen die seit dieser Woche geltenden strengen Vorgaben weiter: Die Bürger sollen möglichst zu Hause bleiben, sich im öffentlichen Raum höchstens zu zweit oder im Kreis der Familien- oder Haushaltsmitglieder aufhalten sowie ansonsten – etwa beim Einkauf – mindestens eineinhalb Meter Abstand halten. Die meisten Geschäfte dürfen gar nicht öffnen, Schulen und Kitas sind geschlossen.         

IST EINE KOMPLETTE RÜCKKEHR ZUR NORMALITÄT NACH OSTERN DENKBAR?    

Nein, eine vollständige Rücknahme aller Einschränkungen gilt als ausgeschlossen. Der Direktor des Instituts für Virologie an der Berliner Charité, Christian Drosten, spricht in diesem Zusammenhang von einer "Differenzierung der Maßnahmen". Derzeit seien die beschlossenen Maßnahmen sehr breit angelegt, künftige werde es darum gehen, "die Wirkung wieder etwas spezifischer zu machen".    

Als entscheidender Maßstab gilt, dass es durch eine Lockerung von Maßnahmen nicht erneut zu einem rasanten Anstieg der Infektionszahlen kommen darf. Deshalb warnen Experten davor, zu schnell die Einschränkungen zu lockern. Eine entscheidende Rolle dürften künftig auch Tests auf das Coronavirus sein. Insgesamt dürfte der Kampf gegen SARS-CoV-2 die Gesellschaft noch mehrere Monate prägen.          

WIE GEHT ES AN DEN SCHULEN WEITER?    

Bundesweit sind Schulen und Kitas bis zu den Osterferien geschlossen. Wie es dann ab Mitte oder Ende April weitergeht, ist offen. Abiturprüfungen laufen zum Teil und sollen in jedem Fall in diesem Schuljahr stattfinden. Auch dort sind womöglich Zwischenschritte denkbar. Drosten sprach in der vergangenen Woche bei "Zeit Online" davon, dass womöglich die "effektive Gruppengröße" in Schulen gesenkt werden könne. Als Beispiel nannte er den Verzicht auf Pausen oder die Nutzung von Gängen für bestimmte Schülergruppen.

WIE GEHT ES MIT GESCHÄFTEN UND RESTAURANTS WEITER?    

Derzeit sind alle Geschäfte geschlossen, die nicht der Versorgung mit den lebensnotwendigen Dingen dienen. Auch Restaurants dürfen nicht öffnen, viele Unternehmen stoppten ihre Produktion zudem auch ohne explizite behördliche Anordnung oder schränkten sie ein. Eine schrittweise Aufhebung dieser Beschränkungen gehört zu dem Kernbestand der Forderungen nach einem "Exit".

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In vielen Bundesländern galten vor dem kompletten Shutdown bereits abgestufte Regelungen. So durften Restaurants etwa mit einem Tischabstand von eineinhalb Metern geöffnet haben, auch Geschäfte wie Friseure hatten weiter offen. Auch wie es in diesem Bereich weitergeht, ist noch nicht klar erkennbar.         

WIE SIEHT DER UMGANG MIT RISIKOGRUPPEN AUS?    

Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen sind die Hauptrisikogruppe für schwere Verläufe bei Corona-Infektionen. Die in Deutschland und anderswo erlassenen Einschränkungen sollen vor allem verhindern, dass Angehörige dieser Gruppe sich anstecken. Einige Maßnahmen dienen nur diesem Zweck, etwa Besuchsverbote in Altenheimen und Krankenhäusern.    

Allerdings verlaufen Corona-Infektionen auch bei manchen jüngeren sowie gesunden Menschen schwer oder sogar tödlich. Eine genaue Abgrenzung wäre zudem schwierig. Laut Robert-Koch-Institut steigt das Risiko etwa ab 50 bis 60 Jahren an. In die Risikokategorie gehören unter anderem auch Raucher und Menschen, deren Immunsystem durch Medikamente wie Cortison geschwächt ist. Etwa 28 Prozent der Menschen hierzulande sind über 60 Jahre alt, das sind 23 Millionen.

tim / AFP

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