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Corona-Lage Frankreich meldet mehr als 100.000 Neuinfektionen pro Tag – und steuert nun hart dagegen

Zwei weiße ältere Männer in schwarzen Anzügen und mit weißen OP-Masken stehen auf dem Flur einer medizinischen Einrichtung
Frankreichs Premierminister Jean Castex (l.) und Gesundheitsminister Olivier Véran besuchen eine Corona-Impfzentrum in Creteil, südöstlich von Paris
© Stéphane de Sakutin / AFP
Mehr 100.000 Corona-Neuinfektionen pro Tag: Wegen dieser dramatischen Entwicklung verschärft Frankreich die Corona-Regeln – inklusive einer "verschleierten Form der Impfpflicht".

Täglich 100.000 neue Corona-Fälle in Frankreich bis Jahresende. Mit dieser Warnung hatte sich zwei Tage vor Heiligabend Gesundheitsminister Olivier Véran zu Wort gemeldet und das auf die rasche Verbreitung der Omikron-Variante zurückgeführt. Omikron dürfte zwischen Weihnachten und Neujahr zur vorherrschenden Variante des Coronavirus im Land werden, sagte Véran dem Sender BMF-TV.

Was er und viele Menschen in Frankreich befürchtet hatten, ist schon an den Weihnachtsfeiertagen Realität geworden: Binnen 24 Stunden seien 104.611 neue Fälle verzeichnet worden, teilten die Behörden am Samstag mit. Damit wurde den dritten Tag in Folge ein neuer Höchststand registriert.

Für Montag lautet die offizielle Zahl an Neuinfektionen in Frankreich 30.383. Wie auch in Deutschland ist das Absinken eher auf weniger Tests und Meldungen während der Feiertage zurückzuführen, als auf eine tatsächliche Entspannung der Corona-Lage.

Negativer Test reicht nicht mehr für Corona-Pass

Angesichts der dramatischen Entwicklung hat Frankreichs Ministerrat ausnahmsweise zwischen den Jahren getagt. Premierminister Jean Castex verkündete Montagabend in Paris, was künftig in Frankreich gilt: Eine vollständige Impfung gilt als Voraussetzung für den Besuch von Veranstaltungen, Restaurants oder für Fernreisen. Vom 15. Januar an soll ein negativer Test für den landesweiten Corona-Pass nicht mehr anerkannt werden. Castex sagte, es gehe darum, eine Überlastung des Gesundheitswesens sowie eine gravierende Störung der Wirtschaft zu verhindern. Das Parlament muss der Verschärfung noch zustimmen.

Die geplante Umstellung bedeutet für die Mehrzahl der Menschen die Notwendigkeit einer Auffrisch-Impfung. Diese kann ab sofort drei Monate nach der Immunisierung erfolgen. Spätestens nach sieben Monaten war sie bereits Pflicht für den Corona-Pass. Die meisten Geschäfte in Frankreich sind allerdings anders als in Deutschland weiterhin ohne einen Impfnachweis zugänglich. Schon vor diesen Beschlüssen hatte Gesundheitsminister Véran eingestanden, die Umwandlung des bisherigen "Gesundheitspasses" in einen "Impfpass" sei eine "eine verschleierte Form der Impfpflicht".

Maskenpflicht und Homeoffice in Frankreich

Als weitere Schritte gegen die erwartete Welle von Corona-Infektionen mit der hoch ansteckenden Omikron-Variante kündigte Castex eine Maskenpflicht in den Innenstädten an. Eine Homeoffice-Pflicht greift in den Betrieben, wo die Arbeit von zu Hause möglich ist, während der ersten drei Januarwochen an drei Tagen in der Woche – wo es möglich ist, auch an vier Tagen.

"Wir werden alles tun, um die Impfung zu beschleunigen und Ungeimpfte zu erreichen und zu überzeugen", sagte Castex. Die Impfung sei das entscheidende Mittel im Kampf gegen die Pandemie, da sie vor schweren Verläufen und einer Überlastung der Kliniken schütze. Allerdings sind neun von zehn Menschen, die in Frankreich für eine Impfung infrage kommen, bereits geimpft. Heiligabend lag die Sieben-Tage-Inzidenz, das heißt die Zahl der registrierten Infektionen auf 100.000 Einwohner binnen einer Woche, bei 759.

Schulen öffnen trotz Corona wie geplant

Die Schulen sollen in Frankreich unterdessen wie geplant am 3. Januar wieder öffnen, Distanzunterricht sei nicht geplant. Auch in der Silvesternacht werde es keine Ausgangsbeschränkungen geben, sagte der Premierminister. Bis Ende der Woche werde über ein Verkürzen der Quarantäne-Pflicht entschieden, damit Infektions- und Kontaktfälle das Wirtschaftsleben nicht mehr als nötig ausbremsten.

Corona-Lage: Frankreich meldet mehr als 100.000 Neuinfektionen pro Tag – und steuert nun hart dagegen

Zugleich erhöht Frankreich den Monatslohn von Pflegerinnen und Pflegern auf den Intensivstationen der Krankenhäuser um 100 Euro. Die Prämie werde bereits ab Januar im Zuge einer geplanten grundlegenden Verbesserung der Arbeitsbedingungen gezahlt, kündigte Premierminister Castex am Dienstag beim Besuch einer Klinik in Créteil bei Paris an. Angesichts der Coronakrise werde Intensivpersonal dringender denn je benötigt. "Es geht nicht nur um eine moralische, sondern auch um eine materielle Unterstützung der Regierung", sagte Castex. Landesweit würden rund 24.000 Pflegerinnen und Pfleger von dem Lohnplus profitieren.

Quellen: DPA, "santepublicfrance.fr", "Le Monde" zur "getarnten Impfpflicht", "Le Figaro" zu den neuen Corona-Maßnahmen.


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