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Coronavirus Umschulung in Schweden: Aus der Flugzeugkabine ans Krankenbett

Flugbegleiter und Flugbegleiterinnen lernen in Stockholm etwa, wie man etwa Betten herrichtet
Flugbegleiter und Flugbegleiterinnen lernen in Stockholm etwa, wie man etwa Betten herrichtet
© Jonas Ekstr?mer/TT/ / Picture Alliance
Die Fluggesellschaft Scandinavian Airlines musste wegen der Coronakrise Flugzeuge stilllegen und Mitarbeiter nach Hause schicken. Einige Flugbegleiter werden aber nun umgeschult, um in Krankenhäusern und Pflegeheimen zu helfen.

Die Coronavirus-Pandemie trifft die Luftfahrt hart. Viele Airlines müssen ihre Flugzeuge am Boden lassen und Mitarbeiter entlassen oder in Kurzarbeit schicken, um überlebensfähig zu bleiben. Gleichzeitig hat das Gesundheitswesen in vielen Ländern hart zu kämpfen. Vielerorts fehlt Personal. Eine Lösung für das Problem hat man in Schweden gefunden. 

Dreitägiger Kurs mit Abschlussprüfung

Beurlaubte Besatzungsmitglieder der Scandinavian Airlines (SAS) wurden in der Hauptstadt Stockholm kurzerhand umgeschult, wie unter anderem die Nachrichtenagentur Reuters und die schwedische Zeitung "Dagens Nyheter" berichten. So würde beurlaubtes Kabinenpersonal an einem Kurs über grundlegende Aufgaben in Krankenhäusern teilnehmen. Somit sollen Lücken in der Gesundheitsversorgung des Landes geschlossen werden.

Die Flugbegleiter und Flugbegleiterinnen hätten im Stockholmer Sophiahemmet Universitätskrankenhaus beispielsweise gelernt, wie man medizinische Geräte desinfiziert, Betten macht und Angehörige informiert. Die Schulung bestehe sowohl aus theoretischen als auch praktischen Elementen. Am Ende gebe es eine Prüfung, so "Dagens Nyheter". Am Donnerstag sollen die ersten 30 den kostenlosen Kurs absolviert haben. Finanziert werde alles von einer Stiftung. Laut Reuters haben sich schon Fluggesellschaften aus Australien und den USA nach den Schulungsmethoden erkundigt.

90 Prozent der Mitarbeiter bei SAS beurlaubt

"Wir haben jetzt eine lange, lange Liste von Gesundheitsdienstleistern, die nur auf sie warten", sagte Johanna Adami, Direktorin der angehörigen Universität. Kommunen, Krankenhäuser und Pflegeheime hätten Interesse an dem umgeschulten Kabinenpersonal. Bis zu 300 Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter sollen an dem Programm teilnehmen. Laut Adami seien diese besonders gut geeignet, um im Gesundheitssektor zu unterstützen: "Sie haben eine grundlegende medizinische Ausbildung durch ihre Arbeit. Sie sind auch sehr erfahren darin, flexibel zu sein, über Sicherheit nachzudenken und auch mit komplizierten Situationen umzugehen", zitiert sie Reuters.

Bei SAS sind nach Angaben der Nachrichtenagentur derzeit rund 90 Prozent der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen beurlaubt worden, was knapp 10.000 Angestellten entspricht. Laut Informationen der Johns-Hopkins-Universität in den USA sind in Schweden derzeit mindestens 4435 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Mindestens 180 Menschen sind an den Folgen von Covid-19 gestorben.  

Quellen: Nachrichtenagentur Reuters, "Dagens Nyheter" 

rw

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